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Odd Times

RABIH ABOU-KHALIL

1978 begann der gebürtige Libanese sein Musikstudium in München, brachte traditionelles musikalisches Verständnis der arabischen Welt in ein Koordinatensystem aus strenger Notation und den "Skalen des Okzidents". Was im Frühjahr '97 als drittes CD-Output des inzwischen höchst renommierten Musikers F
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Autor: intro.de

1978 begann der gebürtige Libanese sein Musikstudium in München, brachte traditionelles musikalisches Verständnis der arabischen Welt in ein Koordinatensystem aus strenger Notation und den "Skalen des Okzidents". Was im Frühjahr '97 als drittes CD-Output des inzwischen höchst renommierten Musikers Form angenommen hat, ist Wahnsinn und Hexerei. Nach "The Sultan's Picnic" (mit KENNY WHEELER, STEVE SWALLOW u. a.) und "Arabian Waltz" (mit dem BALANESCU QUARTET) kommt mit "Odd Times" das direkteste und rauheste Album KHALILs auf den Markt (aufgenommen - live im Stadtgarten/Köln - und gemischt von CMP-Veteran Walter Quintus). Sein West-Ost-Crossover ist geprägt von archaischer Leidenschaft, elektrifizierenden Patterns und dem perkussiven Gebrauch aller Instrumente. In der verwirrenden Besetzung aus Trommler (MARK NAUSEEF), Perkussionist (NABIL KHAIAT), Tuba-Spieler (MICHEL GODARD), Harmonika-Spieler (HOWARD LEVI) und KHALIL selbst an der Oud, der arabischen Kurzlaute, treffen mit LEVY, der sich bis dato vorrangig im Country- und Bluegrass-Bereich einen Namen gemacht hat, und KHALIL zwei absolute Individualisten mit jeweils total unterschiedlichen Wurzeln aufeinander, die vor Neugier auf die Geschichte des anderen zum Bersten gespannt sind. Die Fusion hat den Tenor arabischer Melodiebögen; und schliddert die gesamte Formation auch in Solopassagen auf ein Feld freigeistiger Neuentdeckung, wird sie doch geführt und aufgestachelt vom Komponisten, dessen Oud-Spiel virtuoser, schneller und druckvoller als so manches Gefrickel westlicher Gitarrengötter daherkommt. NAUSEEF wird unterdessen die schwierige Aufgabe zuteil, die grundsätzlich krummen Takte im Kopf zu behalten, GODARD ersetzt in Ton und Rhythmik einen vollwertigen Bass, und KHAIAT bildet den perkussiven Background, um das gewisse Etwas an Bodenständigkeit zu gewährleisten, während die restliche Formation in Wirbelstürmen wie "Dr. Gieler's Prescription", dem epischen "Son Of Ben Hur" oder dem grandios in den Blues flüchtenden Opener "The Sphinx And I" halsbrecherische Unisono-Passagen aus dem Ärmel schüttelt, um in der Summe klarzustellen: Diese Musik verfolgt ein absolut eigenes - im Ergebnis vollends begeisterndes - Fusionkonzept von Orient und Okzident. Vielleicht nicht immer einfach zu hören, aber wäre es sonst Wahnsinn und Hexerei?