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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Forever

Puff Daddy

Grob geschätzt verwendet Puff Daddy auf „Forever' 120mal das Wortpaar „make money' - als selbsterfüllende Prophezeiung, versteht sich. Puffy spricht gerne zu und über sich, denn viele Freunde hat er nicht. Sagt er selber auf „Best Friends', und sein bester Freund ist Gott. Wodurch er, Puffy, natürli
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Autor: intro.de

Grob geschätzt verwendet Puff Daddy auf „Forever' 120mal das Wortpaar „make money' - als selbsterfüllende Prophezeiung, versteht sich. Puffy spricht gerne zu und über sich, denn viele Freunde hat er nicht. Sagt er selber auf „Best Friends', und sein bester Freund ist Gott. Wodurch er, Puffy, natürlich eigentlich Jesus ist. Zurück zum Geld. Bekannte Samples kosten und bringen welches, wenn man versteht, sie wie er und seine Hitmen zu nutzen. Von Club Nouveaus „Why You Treat Me So Bad' hätte er zwar besser die Finger gelassen, aber „I’ll Do This For You' wird dank des Prince-Samples („Get Off') unter Garantie ein Club-Hit, und das kitschige „Sailing' von Christopher Cross paßt schnuckelig in das schon erwähnte „Best Friends'. Das ist familienfreundlich, steht aber im krassen Gegensatz zu Puffys Bemühen, verdammt hart zu sein, und auch wenn er, wie in jedem anspruchsvolleren Kinderprogramm, nach schwerem Gefecht mit Bauchschuß zusammensackt („Pain'), ist das nur halb so schlimm wie sein Rap-Stil. Kool Keith, kaum minder exzentrisch, ist wohl das, was Puffy gern wäre: der „Black Elvis' des HipHop. Wir schreiben das Jahr 2005, Kool Keith regiert die Musik-Industrie, ist per Du mit dem US-Präsidenten, im Vorstand der Bank Of America und schreibt nebenbei die Hits für Elton John oder Lionel Ritchie. Warum auch nicht. Ob als Popa Large, Dr. Octagon, Dr. Doom oder Cenobit, Keith ist schon in jedem Winkel von HipHop gewesen und im Herzen stets ein Supreme Funkateer und Entertainer geblieben. Nichts ist unmöglich, Versatzstücke aus Rock, Techno, Drum’n’Bass fügen sich ein ins wabbernd funkige Elixier. Kool Keith hat genau bei seinem Lehrmeister George Clinton und Gruppen wie Undisputed Truth und Shotgun hingehört und strebt nun einem völlig neuen Sound-Kosmos zu. Allianzen wie seine Liaison mit Prodigy werden in Zukunft das Geschehen diktieren. Das Schicksal von Puff Daddy wäre dann ungewiß. Vielleicht Vorsitzender der Vereinigung des retroperspektivischen Mainstream im Kabinett des Kool Keith. Bestimmt aber Rap-Verbot. Oder die beiden würden richtig gute Freunde, die in ihrer Freizeit gemeinsam durch Kool Keiths geheime Trash-Archive streifen. Jan Wölffel