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Prominente Wahlhelfer

US-Wahl 2012

Die USA wählen ihren Präsidenten. Am Mittwochmorgen deutscher Zeit werden wir eine Ahnung davon haben, in welche Richtung das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zukünftig politisch steuert. Doch keine Wahl, ohne prominente Wahlhelfer.
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Selten waren die Umfrageergebnisse so knapp wie in diesem Jahr. Barack Obama und Mitt Romney liegen Kopf an Kopf, die Wahlkampfmaschinen laufen bis zur letzten Sekunde. Prominente aus Musik und Kino sind seit jeher beliebte Imageträger politischer Kampagnen in den USA. Seine Wahl vor vier Jahren verdankte Obama zu einem nicht geringen Teil der Mobilisierung schlummernder Wählerpotentiale durch den Einsatz von Pop-, Rock- und Rapmusikanten wie Black Eyes Peas, A Tribe Called Quest, Bright Eyes oder Bruce Springsteen.

Der Boss ist auch diesem Jahr wieder höchst aktiv. Springsteen gibt seit Wochen den Cheftrommler im Obama-Lager. »Für mich ist Präsident Obama die beste Wahl, weil er sicherstellt, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen. Wir brauchen einen Präsidenten, der eine Vision hat, die nicht nur einige sondern alle unsere Bürger einschließt«, verkündete der Songwriter unlängst in einem offenen Brief auf seiner Homepage. Zudem widmete Springsteen seinem Kandidaten das Lied »Forward and Away We Go«, in dem das Reimschema bis an den Rand der geistigen Belastungsgrenze strapaziert wird. »I kissed your sister then I kiss your mama/ usually this time of the day I'm in my pajamas/ well let's vote for the man who got Osama/ Forward and away we go!«

Beinahe staatstragend äußert sich Lindsay Lohan: »Das Thema Arbeitslosigkeit ist jetzt sehr wichtig, also denke ich von nun an gilt meine Stimme Mitt Romney«, sagte das Boulevard-Sternchen in einem Interview. Ob sie dabei auch ihre eigene Beschäftigungssituation im Kopf hat, ist indes Spekulation. Auch Scarlett Johansson mag Mitgefühl, wie sie kürzlich in einem Interview mit der Zeitung Die Zeit verlauten ließ: »Obama hat einfach größeres Verständnis und mehr Empathie für Menschen, die wie ich aus bescheidenen oder gar ärmlichen Verhältnissen stammen.« Die Schauspielerin ist seit langem überzeugte Wahlhelferin Obamas und trat auch als Rednerin beim Parteitag der Demokraten auf.

Ein weiteres Schwergewicht im »Team Obama« ist Jay-Z. Gemeinsam mit Bruce Springsteen trat der Rapper bei Wahlveranstaltungen auf, wo er sein »99 Problems« passend auf den Gegenkandidaten umtextete: »I got 99 problems, but a Mitt ain’t one!«. Doch es sind auch kritische Stimmen von den Hip Hop-Heads zu vernehmen. »One hand, you have someone who is a great speaker, but kills little children—our president«, kommentierte Lupe Fiasco in einem Interview mit dem US-Radiosender Power99 die Militäreinsätze der Regierung Obama. »I’m talking about ordering a drone attack. Ordering drone attacks that go and kill mothers, innocent bystanders, children. Militants, too, but the collateral damage. You’re responsible for that, too.« Insgesamt ist auffällig, dass von der Euphorie und den lautstarken Solidaritätsbekundungen in der Hip Hop-Szene 2012 kaum mehr als Ernüchterung und der Entscheidung für das geringere von zwei Übeln übrig ist.

Mitt Romney dagegen setzt in Sachen Popkultur-Support auf eine Riege gealterter Rockstars. So schmetterte er zusammen mit Meat Loaf aus voller Kehle das patriotische Traditional »America The Beautiful¬« oder lässt sich bei seinen Auftritten gern von Südstaaten-Proll Kid Rock begleiten. Weitere Romney-Fans finden sich neben Sammy Hager oder Joe Perry (Aerosmith) ausgerechnet in Kiss-Ikone Gene Simmons oder dem so-called »Schockrocker« Alice Cooper. Subversiv und Anti-Establishment heißt heute offenbar Republikaner zu sein. Lemmy Kilmister markiert die erfreuliche Ausnahme der Rock-Fraktion. Das Motörhead-Urvieh wird vom amerikanischen Rolling Stone mit gewohnt deutlichen Worten zitiert: »Please, please don't vote for Mitt Romney. F*** him!«