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So war der Donnerstag: Catching Signals That Sound In The Dark

Primavera Sound Festival 2014

Das Primavera Sound Festival ist on und hat nach einer ganzen Reihe von Pre-, Off-, und Secret-Events nun auch im Parc del Fòrum voll an Fahrt aufgenommen. Neutral Milk Hotel, Arcade Fire und viele mehr ließen sich am gestrigen Donnerstag von tausenden Besuchern feiern.
Geschrieben am

29.05.2013, Parc del Fòrum, Barcelona

 

Etwa 30 Sekunden. Viel länger dauert es nicht, bis sich die Menschentraube vor der ATP-Bühne auf dem Festivalgelände verdoppelt hat, als Jeff Mangum – zunächst alleine und etwas verloren wirkend –die ersten Akkorde von »The King of Carrot Flowers Pt. II« auf seiner Akustikgitarre anstimmt. Die letzten Nachzügler sprinten aufgeregt gen erste Reihe und drängeln sich so nah es eben geht in Richtung ihres bärtigen Messias.

Der Auftritt von Jeff Mangum und seiner Band Neutral Milk Hotel ist für viele Besucher des Primavera Sound Festival das erste große Highlight der kommenden Tage. Nicht ohne Grund: Die letzten Shows der legendären, aber bereits im Jahr 1998 aufgelösten Indie-Folk-Kombo liegen knapp 15 Jahre zurück. So liegt eine selbst für Festival-Verhältnisse ungewöhnliche Aufregung in der Luft, die sich mit jedem kryptischen Mantra, das Mangum durch sein Mikrofon schickt, in freudiger Euphorie entlädt und nach etwa anderthalb Stunden in einem erwartungsgemäß frenetischen Applaus mündet.

 

Foto: Neutral Milk Hotel live, ATP-Stage

 

Aber von vorne: Bereits am Mittwoch bietet das Festival eine ganze Reihe an Clubshows und Off-Events, die sich nicht nur auf das zentrale Gelände am Meer konzentrieren, sondern über die gesamte Stadt verteilt sind. Hier soll sich vor allem ein Besuch des Teatre Principals an der prominenten Flaniermeile La Rambla als lohnenswert erweisen, das an diesem Abend von Jamie XX und John Talabot bespielt wird. Das 1586 errichtete Theater gilt als Barcelonas erstes Schauspielhaus und begeistert auf Anhieb durch sein geschmackvolles Interieur, dem die treibenden und überwiegend auf House-Musik fokussierten DJ-Sets äußerst gut stehen.

 

Foto: John Talabot live, Teatre Principal

 

Am darauffolgenden Donnerstag dürfen sich die bereits zahlreich eingefundenen Festivalbesucher zunächst von Warpaints extrem rhythmusbetonter und doch elegant mäandernder Post-Punk-Interpretation gen Sonnenuntergang treiben lassen – treiben hier im wahrsten Sinne des Wortes, denn treffender lassen sich die Qualitäten der vier Damen aus Los Angeles wohl kaum beschreiben. Auf der gleichen Bühne sollen übrigens wenig später die Queens Of The Stone Age stehen und eine kleine Lektion mit sehr viel Nachdruck erteilen. Denn wer bis dahin glaubte, dass die stetig wechselnde Formation um Josh Homme zwischen geschmäcklerischer Indie-Legende, avantgardistischer Noise-Artyness und hipper Boiler-Room-Entourage etwas deplatziert wirkt, der wurde mit der knapp anderthalbstündigen Performance definitiv eines besseren belehrt. 

 

Foto: Queens Of The Stone Age live, Heineken Stage (Foto: Christian Faustus)

 

Arcade Fire haben es dagegen fast schon etwas zu leicht, scheint das gesamte Konzept um ihr aktuelles Album »Reflektor« doch wie gemacht für die Mainstages der Festivals und wird dementsprechend kompromisslos von den Besuchern abgefeiert. Solide, aber auch alles andere als überraschend. Ähnliche ließe sich auch der für einige Stunden später angesetzte Gig von Modeselesktor und Apparat, in dieser Konstellation bekanntlich schlicht: Moderat, auf der ATP-Bühne beschreiben. Denn trotz einiger Songs vom aktuellen Album »II« unterscheidet sich die Live-Show des Trios nur marginal von denen, die sie schon im Jahr 2009 spielten. Dennoch: Die Bässe sitzen und der Platz vor der Bühne wird zumindest vorübergehend zum waschechten Dancefloor – was will man mehr?

 

 

Heute geht es am frühen Abend weiter, auf dem Programm des Intro-Teams stehen unter anderem Slowdive, Pixies, The National, Haim und viele mehr.