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Mein Song und seine Geschichte

Primal Scream »Swastika Eyes«

Mal überlegen: Warum noch gleich fiel uns ausgerechnet »Swastika Eyes« ein, als wir Bobby Gillespie für diese Rubrik trafen? Der Frontmann von Primal Scream lacht dazu nur bitter: »Fuck, ich weiß schon. Der Song passt leider wirklich viel zu gut in die heutige Zeit.« Die Vorabsingle der sehr politischen »XTRMNTR«-Platte erschien im November 1999 und war – zumindest in England – eine der letzten Veröffentlichungen des legendären Labels Creation Records. Primal Scream melden sich dieser Tage übrigens mit dem Album »Chaosmosis« zurück.
Geschrieben am

Interview:
Daniel Koch

Es ist natürlich leicht, den Song als Statement gegen aufkeimenden Faschismus zu lesen, aber solche Strömungen gab es damals nicht – zumindest nicht so extrem wie derzeit in Polen, Frankreich und Deutschland. Ich beschäftigte mich damals viel mit dem Jugoslavien-Krieg. England nahm dank Tony Blair zum ersten Mal seit vielen Jahren aktiv an einem Krieg teil und flog mit den Amerikanern Angriffe auf Serbien. Das machte mir Angst. Ich hielt es nicht für einen Einzelfall. Ich hatte viel über den militärisch-industriellen Komplex in den Staaten gelesen und über die zahlreichen Interventionen der US-Regierung, wie sie teilweise mit geheimen oder offenen militärischen Operationen ganze Regierungen destabilisierten und dabei sogar mit faschistischen oder terroristischen Gruppierungen zusammenarbeiteten. Für mich war mit dem Kriegseinsatz ein wichtiges Tabu gebrochen worden, und es kam mir so vor, als sei dies nur der Anfang. 

Das »XTRMNTR«-Album und auch dessen Vorgänger »Vanishing Point« waren sehr düster und paranoid. Aber das war exakt die Stimmung, die meine Generation damals empfand. Wir waren in unseren Dreißigern, hatten Punk und Acid House hinter uns und mussten desillusioniert feststellen, dass beides trotz aller Renitenz auch nichts geändert hatte. Und ich sah, wie Drogen viele kreative, aufmüpfige Menschen in meinem Umfeld kaputt gemacht hatten. Wir hätten wilde, laute Kunst machen sollen, politische Änderungen erzwingen – stattdessen hingen wir sediert und süchtig in der Gegend rum und kriegten nix gebacken.  

Ich selbst war oft auch nicht besser, und vielleicht war es auch drogenbedingte Paranoia, aber es kam mir so vor, als sei das alles ganz im Sinne unserer Regierung. Ende der 80er war es noch verdammt schwer, in England und Schottland Drogen zu bekommen. In den Neunzigern gab es sie plötzlich an jeder Straßenecke. Zufall? Oder ob da jemand ein Auge zudrückte, damit die wütenden Kids die Schnauze hielten? Keine Ahnung, aber diese Paranoia prägte diesen Song ganz besonders. 

Sony Music hat uns damals übrigens verboten, die Single in Deutschland als »Swastika Eyes« zu veröffentlichen. Das könne man nicht bringen. Was für ein Scheiß! Das war der perfekte Name. Wir haben die Single dann »Warpigs« benannt, nach dem Black-Sabbath-Song. Fand Sony auch nicht gut, aber das war mir dann auch egal.
Primal Sream »Swastika Eyes«

Your soul don’t burn
You dark the sun you
Rain down fire on everyone
Scabs, police, government thieves
Venal psychic amputees
Parasitic you’re syphilitic
Parasitic you’re syphilitic

Swastika eyes
You got
Swastika eyes
You got
Swastika eyes, swastika eyes, swastika eyes

I’ll vent my spleen I’ll keep my dreams
My flesh, my bones, my soul, I own
My mind’s a weapon immune from infection
Blood in my eyes, my vision is clear
Parasitic you’re syphilitic
Parasitic you’re syphilitic

Swastika eyes
You got
Swastika eyes
You got
Swastika eyes, swastika eyes, swastika eyes

I see your autosuggestion psychology
Elimination policy
A military industrial
Illusion of democracy

Swastika eyes
You got
Swastika eyes
You got
Swastika eyes, swastika eyes, swastika eyes

Primal Scream

Chaosmosis

Release: 18.03.2016

℗ 2016 SCRM Ltd under exclusive licence to Ignition Records Ltd. A First International Release

Primal Scream »Chaosmosis« (Ignition / Indigo / VÖ 18.03.16)