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So war´s in Köln: Krieg, zu dem man tanzen kann!

Primal Scream Live

Neben seiner Bewerbung für den »Fashion Award« 2013 pendelt Bobby Gillespie zwischen Lethargie und totaler Verwüstung. Und bitte gebt ihm etwas zu essen!
Geschrieben am

16.11.2013, Köln, Kantine

Bobby Gillespie schüttelt lässig sein Tamburin, glitzert in seinem silbernen Hemd – Größe XXS - wie Disco-Stu und erinnert an die seligen Zeiten, wo man noch Ecstasy schmeißen konnte und im Trend der Zeit lag. Vielleicht hat sich Gillespie im Laufe seines Lebens das ein oder andere Pillchen zuviel in den Kaffee getan, aber man verzeiht ihm gnädig. Dieser Mann hat viel zu viel für die Musikgeschichte getan. Das Einläuten der Rave-Ära mit »Screamadelica« und das den Buckingham Palace bis in die Grundmauern erschütternde »XTRMNTR« sind nur zwei Meilensteine seiner langen Karriere. Von diesem Monolithen der letzten Dekade bricht dann auch »Accelerator« über die Massen herein. Die Ohren bluten, Gesichtszüge entgleisen, während Gillespie proklamiert: »Come On, Come On! Hit The Accelerator!«. Vollgas gegen die Wand. Einzig und alleine MBV´s Kevin Shields Abwesenheit führt dazu, dass man nicht in Grund und Boden gewalzt wird. Apropos Abwesenheit: Auch wenn Mani nicht erst seit gestern wieder mit den Stone Roses vereint ist, so wird er doch auf’s Schmerzlichste vermisst. Die neue Bassistin Simone Butler ersetzt ihn zumindest optisch, kann aber natürlich nicht mit dem druckvollen Bassspiel von einem der wichtigsten Bassisten seiner Generation konkurrieren.

Während man sich darauf einstellt, die ganze Nacht durch zu tanzen und zu moshen, nehmen Primal Scream komplett den Druck raus. Die Dröhnung ist alle. Zu viele Songs vom neuen Album »More Light« werden aneinander gereiht. Sogar Bobby vergisst zwischendurch, welcher der nächste Song ist. Einem enthusiastischem »The next song is…« folgt ein Stottern und ein verwirrter Blick auf die Setliste auf dem Boden vor ihm. Auch seine Bühnenperformance lässt stark nach. Lethargisch und kraftlos klammert er sich an seinen Mikrophonständer. Man fürchtet, der jahrelange Raubbau an seinem Körper räche sich. Aber bitte doch nicht ausgerechnet heute!


Als sich gerade ein stinknormaler Konzertabend abzeichnet, fangen auf einmal die Sirenen an zu kreischen und die Scheinwerfer kreisen, als ob gerade Krieg ausgebrochen wäre. Gillespie fordert »Rain down fire on everyone. Scabs, police, goverment thieves«. »Swastika Eyes« gerät zu einem einzigen Hirnfick. Krieg, zu dem man tanzen kann. Unter lautem Getöse geht seine nächste Ansage unter. »We´re playing some stuff from ›Screamadelica!‹« Bobby lässt die Hüfte kreisen, Andrew Innes malträtiert seine Gitarre und das Wah-Wah-Pedal ist bis zum Anschlag durchgetreten. »Higher Than The Sun« wird zu einem 10minütigem John-Coltrane-Gedächtnis Trip. Vielleicht war vor der Zugabe doch ein Pillchen im Kaffee. Wer weiß…