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Neuer Name, gleicher Sound

Preoccupations live in Köln

Trotz matschigem Sound zeigen Preoccupations wie Post-Punk in der heutigen Zeit zu klingen hat: Direkt, energiegeladen und mit ziemlich viel schönem Lärm.
Geschrieben am
28.11.2016, Köln, MTC  

Keine Einleitung zu irgendeiner geschriebenen Veröffentlichung kommt momentan ohne den Hinweis aus, dass die vier Kanadier, die unter dem Namen Preoccupations firmieren, kürzlich noch ganz anders hießen. Den – zugegeben, eher drastischen – Namen Viet Cong musste, sollte oder wollte man ablegen, nachdem sich vor allem im amerikanischen Raum Stimmungen und Proteste gegen die damit verbundenen kriegerischen Traumata auf beiden Seiten regten. Dass der Namenswechsel aber keineswegs geschadet hat, wurde schon auf dem wiedermal selbstbetitelten Zweitwerk deutlich, das dem hämmernden, kalten und bedrohlichen Post-Punk des ersten Albums glücklicherweise nur wenige neue Elemente hinzugefügt hat.
 

Und so erinnert das Konzert dann auch stark an die Tour im letzten Jahr: Damals spielte man unter anderem beim Haldern Pop Festival und bescherte dem anwesenden Publikum nicht nur einen unumstößlichen Angeber-Bonus (»Ich habe die schon live gesehen, als die noch anders hießen«), sondern vor allem ein nächtliches Konzert voller Energie, verqueren Rhythmen und vor allem ziemlich viel schönem Lärm aus verzerrten Gitarren, dunklen Beats und knallenden Drums. Ähnliches gilt auch für die heutige, kurzfristig vom Luxor ins MTC verlegte Show.
 

Warum die Raumänderung stattfand, wurde nicht wirklich ersichtlich. Am Ticketverkauf sollte es nicht gelegen haben, das nur unwesentlich kleinere MTC ist eher zu voll als zu leer. Umso ärgerlicher, dass mit der Verlegung das größte Manko des Konzerts erst auftreten konnte: Die soundtechnische Tiefe und gefühlt dutzenden Spuren, die auf den Alben und bei bisherigen Live-Erlebnissen wunder- und anspruchsvoll konstruiert werden, können dank des eher matschigen und verwaschenen Sounds im MTC nicht durchgehend ihre eingängige Komplexität unter Beweis stellen. Das alles klang beim Support Joyfultalk und deren dunklen, hypnotischen Synthie-Experimenten noch deutlich differenzierter.   Ungeachtet dessen und trotz kleiner technischer Probleme (Becken, Drum-Machine) bieten Preoccupations ein erstaunlich gutes Konzert: Beim Opener »Anxiety« fühlt man sich ins London der frühen 80er versetzt und in »March Of Progress« wandeln die Kanadier zwischen bedrohlicher Marching Band und Indiehit-Lieferant. Das Herzstück des Konzerts, wie auch auf den beiden Alben liefern aber die beiden längsten Stücke »Memory« sowie der Schlusspunkt »Death«. Diese sorgen nicht nur für die relativ lange Spielzeit von 75 Minuten bei nur elf Songs, sondern vor allem den Grund, warum die Diskussion bei Preoccupations immer nur um den Namen und nie die Qualität der Musik geführt wurde: Elegisch-energiegeladener Post-Punk vom Feinsten.

Preoccupations

Preoccupations

Release: 16.09.2016

℗ 2016 Jagjaguwar