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Graswurzelgroove

Pothead live

Pothead sind Pothead sind Pothead. Die stoischen Berliner gastierten im Kölner Underground, ihr Set war dabei so zweckmäßig wie angenehm angestaubt.
Geschrieben am
19.04.07, Köln, Underground.

Das Berliner Trio Pothead ist so ein Phänomen für sich. Mitte der Neunziger, im Windschatten von Grunge- und Stonerrock, pflügte der 'Rumely Oil Pull'-Traktor stoisch durch das breite Feld, auf dem schon bald die ersten Nu-Rock-Pfänzchen blühen sollten. Man galt als Unikum, als vermutlich eine der unhippsten Bands des Planeten, die ihre ausufernden Shows allein mit den Worten "Danke" und "Prost", wabernden Sabbath-Riffs und dem so stur-gleichförmigen Rhythmus, der mit weniger Breaks auskommt als jeder AC/DC-Track, bestritten. Das brachte ihnen mit dem 1997er Werk 'Learn To Hypnotize!' nicht nur die Lobhudeleien der Presse und einen amtlichen Geheimtipp-Status ein, sondern später - 1999 - auch den ersten Majordeal mit dem damaligen Album 'Fairground' .

Seitdem ist eine Menge passiert: So falsch wie sich das Anbandeln mit der großen Industrie im Nachhinein herausstellte, so unbeirrt besann man sich der guten alten DIY-Tugenden, die Anfangstage der Band in der Heimat Seattle ließen grüßen: Eigenes Label, eigene Vertriebswege, vom Cover bis zum Booking der Konzerte. Damit erreicht man vielleicht nicht mehr alle potenziellen Hörer, bietet aber dem harten Kern der Fans Pothead so, wie man es eben für richtig hält: Ohne Kompromisse.

Das lässt sich auch diesen Abend im Underground ohne Umschweife bestätigen. Eine richtige Tour haben Brad, Jeff Dope und ihr Drummer Sebastian Meyer schon ewig nicht mehr gespielt, aber mit den monatlich 3-4 Konzerten fährt man erstaunlich gut und das scheinen alle Beteiligten auch zu wissen: Der Laden ist rappelvoll, das Einzugsgebiet umfasst geschätzte 200 km, weil Pothead-Gastspiele eben recht selten gesät sind. 'Appreciate' eröffnet den Abend, jener Track, der eigentlich perfekt summiert, wie Pothead funktioniert: Der Song besitzt einen (!) Akkord, variabel akzentuiert, langweilt aber über 3 Minuten niemanden. Die etwas komplexere Grund-Maxime der Band lautet: Ein Riff + ein Beat = ein Song. Zumal bei Konzerten, denn die Band Pothead scheint es mittlerweile in doppelter Ausführung zu geben: Live hält man es nicht ansatzweise für nötig, auf das Material des jeweils aktuellen Albums einzugehen (beim über zweistündigen Set schafft es heute gerade mal 'EZ1' vom neuen Album 'Chaudière', und der erst nach einer Stunde auf die Liste), man spielt eine Art Best-Of-Set und erinnert sich dabei anscheinend vorwiegend gerne der Zeit Mitte der Neunziger.Auf Platte allerdings gibt man sich in seinem Rahmen recht experimentierfreudig und versteht es ein ums andere Mal, mit äußerst simplen Songstrukturen ein Maximum an Effektivität und auch Kreativität an den Tag zu legen. Beeindruckend, immer noch. Leider ist der Sound heute abend alles andere als differenziert, um nicht zu sagen recht breiig, was insofern doppelt schade ist, als dass Pothead-Konzerte nun mal mit dem Sound stehen und fallen. Überraschungen gibt es eh selten, das Bewährte variiert nur im Erscheinungsbild. 'Y-Road', 'Indian Song', 'Never Want It Like That' - ein Narr, wer da nicht zumindest mitwippt oder sich in den Wogen tragen lässt. Tausendmal gehört, eine Art Ritual, mehr als ein Konzert. Sagt auch Brad: "My Religion, my religion, my religion is my electric guitar." Und da gibt es keinen, aber auch gar keinen Subtext.

.: www.pothead.de :.