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Posthume Perfomances

Cinema of the living dead

River Phoenix ist bereits seit fast zwanzig Jahren tot. Jetzt soll sein letzter Film »Dark Blood« fertiggestellt werden.
Geschrieben am

Die Umstände seines Todes gehören längst ins Feld der Hollywoodmythen. River Phoenix, aufstrebender Jungstar mit einer Vorliebe für Betäubungsmittel, kollabierte am 30. Oktober 1993 infolge einer zu optimistischen Dosis vor der Türe von Johnny Depps legendären Insider-Clubs The Viper Room. Zu jener Zeit standen die Dreharbeiten zu »Dark Blood« kurz vor dem Ende, lediglich einige Schlüsselszenen fehlten.

Es scheint beinahe wie ein ironischer Wink des Schicksals, dass ausgerechnet eine bedrohliche Krankheit Regisseur George Sluizer dazu veranlasste, sich wieder mit dem Film zu beschäftigen. Im Angesicht der eigenen Vergänglichkeit manifestierte sich der dringende Wunsch, dieses offene Projekt zu einem versöhnlichen Abschluss zu bringen. Modernster Tricktechnik sei dank, kein unmögliches Unterfangen Anno 2012.



Doch auch in in der Vergangenheit konnte man immer wieder zum Kinostart lebende Leichen auf der Leinwand bewundern. Bereits 1956 sah sich Kult-Regisseur Ed Wood beim Dreh des späteren B-Movie-Klassikers »Plan 9 from outer space« mit der schwierigen Aufgabe konfrontiert, den Tod seines Hauptdarstellers Bela Lugosi zu kompensieren. Der ungarische Darsteller hatte  in der Spätphase seiner Karriere mit Ed Wood einen dankbaren Komplizen gefunden und belebte mehrfach sein Dracula-Image wieder.

Ursprünglich nur zu Testzwecken gefilmt, bildeten einige Aufnahmen mit Lugosi den Grundstein für »Plan 9 from outer space«. Als jener dann jedoch bereits kurz nach dem offiziellen Drehstart einem Herzinfarkt erlag, engagierte Wood aufgrund des konstanten Geldmangels seiner Produktionen kurzerhand den Chiropraktiker Tom Mason als Laiendarsteller. Da dessen optische Ähnlichkeit zu Lugosi jedoch marginal war, half man sich, indem ein schwarzer Umhang sein Gesicht verbarg. Es lässt sich folglich recht einfach ermitteln, welche Szenen nachträglich eingefügt wurden.


Ein weiteres tragisches Paradebeispiel liefert der Tod von Brandon Lee. Der Sohn der Kampfsport-Legende Bruce wurde 1993 vor laufender Kamera erschossen, nachdem ein Helfer am Set von »The Crow« die eingesetzte Waffe statt mit Platzpatronen zu laden, mit scharfer Munition bestückt hatte. Acht Drehtage vor Abschluss mussten die Macher umdisponieren, beendeten den Film jedoch letztlich ohne große Änderungen. Das Ableben des Hauptdarstellers verschaffte der ursrpünglich nur für den Videomarkt vorgesehenen Produktion zudem einen viel beachteten Kinostart und machte Brandon Lee posthum zur Goth-Ikone.

Dass Spencer Tracy seinen letzten Film mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr im Kino würde sehen können, war 1967 abzusehen. Die Hollywood-Legende ereilte der Tod bei den Dreharbeiten zum Rassentrennungs-Drama »Guess Who's Coming To Dinner«. Es hatte sich bereits im Vorfeld keine Versicherung gefunden, um für ein vorzeitiges Ableben Tracys einzustehen. Der Zeitplan der Dreharbeiten wurde demzufolge geändert und an den kritischen Gesundheitszustand des Hauptdarstellers angepasst. Die Stimmung am Set war  Berichten zufolge daher von einem melancholischen Abgesang geprägt.

Die letzte Ehre einer großen Rolle sollte auch Oliver Reed zuteil werden. 1999 besetzte Ridley Scott in »Gladiator« die Rolle des Antonius Proximo mit dem britischen Charaktermimen und wurde während der Dreharbeiten von dessen plötzlichem Herzinfarkt überrascht. Zwar waren bereits zahlreiche Szenen mit dem 61jährigen abgedreht, an einer Änderung der Story führte jedoch kein Weg vorbei. Mittels CGI-Technik wurde Reeds Gesicht auf die Körper eines Doubles montiert und geschickt altes Material neu geschnitten. Laut Ridley Scott sei es sein Plan gewesen, Reeds Charakter Antonius Proximo, als besondere Anerkennung für den Schauspieler, die letzte Zeile des Films zu widmen. In Ermangelung von passendem Material rückte Scott aber von dem Vorhaben ab und inszenierte stattdessen eine Todeszene.

Anders verhält es sich Fall von Aaliyah. Die junge Sängerin und Schauspielerin war ursprünglich für eine Nebenrolle im zweiten Matrix-Teil vorgesehen gewesen. Jedoch existierte zum Zeitpunkt ihres tödlichen Flugzeugabsturzes 2001 nicht genug Material, so dass es für die Regisseure unmöglich war, ihren Auftritt noch zu retten. Als Vermächtnis der 22jährigen kam daher der eher wenig überzeugende Hochglanz-B-Movie »Königin der Verdammten« in die Kinos, an dem Aaliyah bis kurz vor ihrem Tod gearbeitet hatte.