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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Censored Colors

Portugal.The Man

Portugal.The Man wird schon seit geraumer Zeit eine Affinität zu den Sechzigern nachgesagt, doch eigentlich müsste es heißen: Affinität zu den Frühsiebzigern.
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Portugal.The Man wird schon seit geraumer Zeit eine Affinität zu den Sechzigern nachgesagt, doch eigentlich müsste es heißen: Affinität zu den Frühsiebzigern, zu jenem Pomp- und Schwelge-Rock von Bands wie Procul Harum und The Moody Blues, die es besonders schwermütig und orgelschwanger mochten.

Genau nach Bands dieses Kalibers klingt "Censored Colors", angereichert mit schweren Orgelteppichen, Gospel-Chören, Heavy-Blues-Riffs und Streichern, wie man sie seit "Deep Purple meets Classics" nicht mehr gehört hat. Auf "Censored Colors" werden noch einmal alle Elemente des Prog- und Art-Rock neu aufgequirlt und mit völlig ironiefreier Theatralik und Ernsthaftigkeit dargeboten. Keine Ahnung, ob es an der jugendlichen Unbedarftheit der Musiker liegt ("I was born in 1989" heißt es in einer Nummer) oder an ihrem Gespür für ebenso durchschaubare wie wirkungsvolle Effekte, aber irgendetwas sorgt hier auf wundersame Weise dafür, dass dieser auch für Kirchentage geeignete Erlöser-Rock nicht in die Hose geht.

Vergleichbar mit Godspeed YBE und Thee Silver Mt. Zion schlittern Portugal.The Man haarscharf an etwas vorbei, was jedem mit Punk Sozialisierten eigentlich für alle Zeiten vergellt worden ist, doch genau diese Haaresbreite rettet die Musik vor bloß aufgeblähtem "Ich leide an der Welt"-Jungs-Gegreine. Möglich, dass der überdrehte, manchmal androgyne Gesang die Sache rettet, was auch immer es ist: "Censored Colors" ist eine gute Platte geworden, obwohl man darauf eigentlich jede einzelne Umdrehung hassen müsste. Getreu Walter Benjamins Devise "Immer radikal, nie konsequent" sollte man schließlich auch als Rezensent und Hörer nicht zum Opfer der eigenen konsequenten Kategorisierungen werden. Wegen genau dieser Konsequenz ist nämlich auch Punk sehr schnell dogmatisch und zu blödem Punkrock geworden.