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The Sound of Istanbul

Popular Culture Juornalism Workshop

05.-09.09.2006, TR-Istanbul, Darphane-i Amire im Sultanahmet. Anfang September hatten das türkische Bant-Magazin und die “European Cultural Foundation” Journalisten aus ganz Europa zu einem Workshop über “Popular Culture” nach Istanbul eingeladen. Bant widmet sich einheimischen Musikern, ist aber zu
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05.-09.09.2006, TR-Istanbul, Darphane-i Amire im Sultanahmet. Anfang September hatten das türkische Bant-Magazin und die “European Cultural Foundation” Journalisten aus ganz Europa zu einem Workshop über “Popular Culture” nach Istanbul eingeladen. Bant widmet sich einheimischen Musikern, ist aber zugleich auch die einzige Publikation in der Türkei, in der man etwas über weniger bekannte westliche Bands wie Godspeed YBE erfahren kann. Eine bessere Stadt als Istanbul hätte man für einen solchen Workshop nicht auswählen können, denn wenn Musik irgendwo noch eine verheißungsvolle Zukunft hat, dann in dieser Metropole – Tag und Nacht ertönt sie aus allen Ecken und Winkeln. Neben den Straßenmusikern, von denen es im europäischen Beyoglu-Viertel nur so wimmelt, haben die Gastgeber selbst für ein musikalisches Rahmenprogramm gesorgt: Alexander Hacke von den Einstürzenden Neubauten, der von den Dreharbeiten zum Film “Crossing The Bridge” berichtet, tritt zusammen mit der türkischen Psychedelic-Band Baba Zula auf. Einen weiteren Höhepunkt bildet die kurdische Sängerin Aynur Dogan, die ihre Songs in atemberaubend intensiven A-cappella-Versionen vorträgt und ganz ohne Separatismus darüber referiert, dass kurdische Musik in der Türkei ständig bedroht ist, verboten zu werden.

Den Anschluss der Türkei an den Westen betrachten unsere Gastgeber mit gemischten Gefühlen. Einerseits nervt es sie, dass die Gegend um die Ikstiklal-Straße, “das Williamsburg von Istanbul”, immer mehr von westlichen Modeschuppen übersät wird und die Mietpreise dort kontinuierlich ansteigen, andererseits müssen die Macher des Bant-Magazins aber auch ständig gegen den Traditionalismus unter Gleichaltrigen ankämpfen: “Viele sind so ignorant, dass sie nur türkische Musik hören und behaupten, dass aus Amerika nur Schrott käme”, beklagt sich eine Frau vom Bant-Magazin und fügt hinzu: “Wir müssen viel nachholen. Erst vor fünf Jahren ist so etwas wie Fugazi und Dischord Records in Istanbul überhaupt angekommen. Wir machen unser Magazin, um den Leuten zu zeigen, dass es so großartige Ideen wie ‘Do it yourself’ in der ganzen Welt gibt und dass wir uns vernetzen müssen.” Dabei hat Bant ein Problem mit fast allen am Workshop beteiligten Magazinen gemeinsam: den ständigen Kampf zwischen Idealismus und Überleben auf dem Markt.