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So war’s in Osnabrück: Die Kraft der Kleinstadt

Popsalon 2014

Zum bereits fünften Mal lud Osnabrück zum Popsalon. Mit vielversprechenden Bands wie Bilderbuch, S O H N oder Xul Zolar spielen hier wieder mal die potentiellen Größen von morgen.
Geschrieben am

10.-12.04.2014, Osnabrück

 

Salon (frz. salon [salɔ̃], zu ital. salone, großer Saal) bezeichnet: ein Gesellschaftszimmer, Empfangszimmer oder Saal eines repräsentativen Hauses, siehe Salon (Zimmer); eine in der mittleren Neuzeit verbreitete Form der Geselligkeit, siehe Literarischer Salon; eine Form gesellschaftliches Musizieren, musikalischer Salon, siehe Salonmusik.

 
Posalon Osnabrück: Das ist ein Festivalname, der viel verspricht. Nichts da mit Gummistiefeln, Bierdosen und Flunkyball, zum Popsalon kehrt für drei Tage Musikkultur in Osnabrück ein. Nicht, dass sie den Rest des Jahres nicht vorhanden wäre, aber, nun ja, Hochburg der Popkultur ist die Stadt des westfälischen Friedens nun auch nicht gerade. Zum Popsalon-Wochenende aber finden sich Musikbegeisterte in den liebevoll ausgewählten Locations ein: zu der Lagerhalle und den lauschigen Clubs Glanz & Gloria und Kleine Freiheit ist im letzten Jahre der Konzertsaal des Haus der Jugend hinzugekommen. Langsam aber stetig wächst so seit fünf Jahren das kleine Pflänzchen Popsalon heran.

Bei der Bandauswahl haben die Veranstalter schon in den vergangen Jahren ein gutes Näschen bewiesen: Mit damals noch ziemlich unbekannten Newcomern wie Cro, Kraftklub oder Boy buchten sie Künstler, die kurz vor ihrem Durchbruch standen und nun große Konzerthallen füllen. Im Idealfall sollte man sich also alle Künstler des Popsalons anschauen – wer weiß, welcher Popstar in spe da gleich auf der kleinen Clubbühne stehen wird. Wären da nicht die Zeitpläne, die einem einen Strich durch die Rechnung machen – schließlich spielen teilweise drei Bands gleichzeitig in verschiedenen Locations. Nie hätte man Hermines Zeitumkehrer dringender gebraucht.

 

 

Indie-Klassentreffen

 

Auch in diesem Jahr beehren sowohl Newcomer als auch alte Hasen der Indie-Szene das Indoor-Festival. Wie das Line-up ist auch das Publikum von gemischter Zusammensetzung, wenngleich es natürlich vor allem Osnabrücker sind, die den Popsalon besuchen. Die Szene der Freunde alternativer Musik ist hier trotzdem nicht allzu groß, und wer schon einige Male Gast in den Indie-Clubs der Stadt war, sieht beim Popsalon bekannte Gesichter an jeder Ecke. Doch auch viele ältere Semester kommen vorbei und freuen sich über das Konzertwochenende in ihrer Stadt.

 

Fast immer verteilen sich die Besucher relativ ausgewogen auf die verschiedenen Locations und Konzerte. Als jedoch der heimliche Headliner Friska Viljor seinen Auftritt bestreitet, finden sich nur einige handvoll Zuschauer in der Lagerhalle beim gleichzeitig stattfindenden Konzert von Xul Zolar ein. Im Kontrast zu den La-La-La-Gesängen der Schweden begeistern die Kölner mit tiefen Bässen, dominantem Schlagzeug und leichtfüßigen Elektro-Beats. Sie sind definitiv einer dieser Popsalon-Geheimtipps, von denen noch großes erwarten kann.

 

Langsam füllt sich der Saal, das Schlagzeug wird abgebaut und Drum-Machines nehmen die Bühne ein: S O H N, mit bürgerlichen Namen Toph Taylor, betritt die Bühne. Mit Kapuze auf dem Kopf und ganz in schwarz gekleidet thront er von Lichtstäben eingerahmt hinter der Konsole. Flankiert wird er von zwei Musikern, die ebenfalls von Synthesizern und anderen Gerätschaften zugebaut sind. »You’re so quiet. You don’t have to be afraid. It’s not like we’re in church«, richtet sich Taylor nach dem ersten Song an das Publikum. Und doch, gerade das ist die Assoziation, die einem in den Kopf schießt, als man seiner von fast meditativen Beats getragenen, souligen Stimme im Schein der Leuchtstäbe lauscht: S O H N, der Pastor eines ziemlich großartigen Gottesdienstes.

 

 

Wie ein österreichischer Zirkusdirektor

 

Wilder geht es bei I Heart Sharks zu, die am Tag zuvor die voll gepackte Kleine Freiheit zum Tanzen bringen. Etwas verhalten wippen die Besucher bei den ersten Takten mit, doch spätestens bei »Neuzeit« brüllt die gesamte Kleine Freiheit, und Sänger Pierre Bee hüpft und tanzt durch die Menge. Ähnlich ausgelassen geht es bei Bilderbuch zu. Die sympathischen Wiener erfreuen mit großartigen Gitarrensoli und Anekdoten; die Ansagen des Frontmanns Maurice erinnern an einen österreichischen Zirkusdirektor – oder eben daran, wie man sich einen vorstellt. Ihren Überhit »Maschin« spielen sie gleich zweimal, und selbst anfangs noch etwas skeptisch dreinblickende Zuschauer tanzen, hüpfen, jubeln.  

 

Im Vergleich zu vorherigen Popsalons bietet diese Ausgabe weniger altbekannte Künstler als Newcomer und Geheimtipps, doch gerade die machen dieses Festival aus. Linkin Park bei Rock am Ring kann ja jeder. Hier spielen Headliner von morgen und übermorgen in kleinen Clubs vor einigen hundert Musikbegeisterteten in familiärer Atmosphäre – eine der wunderbaren Qualitäten des Popsalons Osnabrück. Mal sehen, welche Geheimtipps nächstes Jahr die Zuschauer erfreuen. Ein Besuch des Salons wird sich ganz bestimmt wieder lohnen.