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Pop & Gossip: Die Woche aus Sicht des Boulevards

Die Wahrheit über … Flashmobs

Sieben Tage mit den geldgeilen Säcken von The Smiths, der verarmten Lily Allen und dem selbsternannten Trash-König Jon Bon Jovi. Von Boris Fust
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Neues vom Boulevard! Sieben Tage mit den geldgeilen Säcken von The Smiths, der verarmten Lily Allen und dem selbsternannten Trash-König Jon Bon Jovi. Von Boris Fust
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Und alle so:...Yeah!!! Während im Internetentwicklungsland Germany es schon als Sensation gilt, wenn sich ein paar Facebook-Benutzer bei Angela Merkel treffen, zeigt Amerika einmal mehr, was ein richtiger Flashmob ist: Die Black Eyed Peas versammelten 21.000 Menschen in Chicago. Der Clou: Der Flashmob zeigte sich zunächst abwartend und regungslos, folgte dann aber den Tanzschritten einer einzelnen Vortänzerin.

Mit dieser formidablen Aktion sollte auf den Beginn der 24. Staffel des Edutainment-Formats "Oprah Winfrey" aufmerksam gemacht werden. Zudem wollten die engagierten Musikaktivisten etwas für im Zuge der Immobilenkrise in Not geratene Reihenhausbesitzer tun und ließen den Flashmob-Teilnehmern eine kleine finanzielle Aufmerksamkeit zukommen. Mehr noch: Um den shit ordentlich real zu halten und die net citizens vor der Aufmerksamkeit der beknackten Volksverdummungsmedien zu schützen, wurde das Videomaterial bei YouTube gesperrt. So kann niemand die bewegenden Bewegtbilder für Marketingzwecke einsetzen.

Jay-Z indes ist sich selbst sein eigener Flashmob. Der sympathische Indie-Liebling verabredete sich in London mit sich selbst und machte auf einem Coldplay-Konzert Front für eine bessere Welt: Als Chris Martin im Begriff war, einen völkerrechtswidrigen Einsatz auf dem Klavier auszuüben, sprang Jay-Z auf die Bühne und riss Chris Martin im allerletzten Moment zu Boden. "Es war ein erhabener Moment", berichteten Augenzeugen. Jay-Z blieb während der Rangelei auf dem Boden der Tatsachen, möchte nicht als Held gesehen werden. "Man muss sich was trauen, keine Angst haben", sagte der bescheidene Künstler im Intro-Interview. Im Vier-Augen-Gespräch gab der erfahrene Sänger noch einen wertvollen Tipp, der sich leicht auf alle Lebenslagen leicht anwenden lässt: "Immer neugierig bleiben!"

Probieren wir das doch gleich mal aus und versuchen, uns für die Sorgen und Nöte von Johnny Marr zu interessieren. Der Boulevard-Rocker findet einfach keine Zeit, sich mit seinem Ex-Kollegen Morrissey zu streiten. „"Gestern", so sagte er gegenüber dem Regenbogen-Blatt "Rolling Stone", "ist mein Auto stehengeblieben. Ich habe also echt keine Zeit, mich mit Morrissey zu streiten." Ein guter Grund wäre dabei schnell gefunden: Marr spielt Gitarre in zwei Bands, um doppelt so reich zu werden, als wenn er nur in einer Band spielen täte. "Eine Reunion der Smiths stünde dem sehr im Wege", so Marr, zumal ja auch das Auto kaputt ist.

Auf der nächsten Seite: Was Devendra Banhart mit Westernhagen gemein hat und warum das auch gut so ist

Sieben Tage mit den geldgeilen Säcken von The Smiths, der verarmten Lily Allen
und dem selbsternannten Trash-König Jon Bon Jovi. Von Boris Fust
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Kaputt ist auch Lily Allen. Sie hat es satt, vor Konzerten noch schnell den Billardtisch in den Keller tragen zu müssen und sich zum Frühstück nur ein halbes Brötchen mit Palmin leisten zu können. Da die Künstlerin aufgrund ihres Wohnorts keinen Anspruch auf Förderung durch die Initiative Musik hat und auch nicht so mir nichts, dir nichts in die Künstlersozialkasse eintreten kann, ist sie darauf angewiesen, ihren Lebensunterhalt aus Plattenverkäufen bestreiten zu müssen – im Computerzeitalter nach Meinung zahlreicher Experten natürlich eine brotlose Kunst. Daher hat sie ihren Vertrag mit einem Tonträgerunternehmen gekündigt und wagt den Schritt in die Freiberuflichkeit. "Die Tage, an denen ich mit Musik Geld verdiene, sind gezählt", so die nüchterne Bilanz der Künstlerin. In Zukunft will sie versuchen, als Bühnenschauspielerin Fuß zu fassen. Als solche wolle sie auf gesellschaftspolitische Missstände aufmerksam machen. Zum Beispiel sei es nicht gut, wenn junge Mädchen glauben, schön zu sein. "Schönheitswahn kann großen seelischen Schaden anrichten", teilte die Künstlerin im Internet mit.

Im Kampf gegen das Schöne kann Lily Allen auf einen prominenten Mitstreiter zählen: Jon Bon Jovi. Der gestaltet seine Plattencover selbst und legt nach eigenem Bekunden großen Wert auf Hässlichkeit. "Die meisten unserer Artworks sind scheiße. Ich habe die schlechtesten Cover aller Zeiten entworfen", freut er sich. Ein besonders misslungenes Beispiel sei die Hülle von "Slippery When Wet": "Ich nahm eine schwarze Mülltüte, spritzte Wasser darüber und schrieb 'Slippery When Wet' drauf. Und das war dann das Cover." Ursprünglich hatte er geplant, ein noch viel hässlicheres Cover zu entwerfen. Doch die kreativitätsfeindlichen Buchhaltertypen von der Plattenfirma hätten das Schlimmste verhindert.

Ganz anders gelagert ist der Fall bei Devendra Banhart: Die Plattencover gehen noch, aber die Videos sind scheiße. Schuld, schuld, schuld: die Plattenfirma. "Meine früheren Label haben die Videos einfach veröffentlicht, ohne dass ich die Gelegenheit hatte, sie vorher noch einmal zu sehen", sagte Banhart. "Das waren alles Videos, die mich noch blöder ausschauen ließen, als ich eigentlich bin." Das hat nun Konsequenzen: War Banhart zuvor beim international tätigen Superstar-Label XL Recordings unter Vertrag, das sich mit Kommerzprodukten wie Elvis Perkins, The Cool Kids und der Casting-Band The Horrors eine goldene Zweitnase verdient, so ist er nun bei Warner unter Vertrag – die sympathischste Plattenfirma der Welt, die sich um kleinere Liebhaberthemen wie Enya, Westernhagen und P.Diddy verdient macht. Selbstverständlich lässt auch Jay-Z seine Kunstwerke von Warner vertreiben und hat die herrlichsten Videos der Welt.

Lesen Sie nächste Woche: Weswegen Madonna eigentlich Bonbonverkäuferin werden wollen, wieso eine Hochzeit von Kelly Osbourne "das größte Ding seit der Erfindung von Brot" wäre und warum Jay-Z nicht nur moderner als Elvis ist, sondern auch mehr Platten verkauft...