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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Pole

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Ich frage mich immer: Wie ist das für einen Künstler, wenn ein bestimmtes, länger angelegtes Projekt beendet ist? Stellt sich da eher Erleichterung ein, à la: Gott sei Dank, endlich fertig? Oder tut sich plötzlich Leere auf, und die Frage “Was jetzt?” nagt am armen Künstlerego? Ich habe das Gefühl,
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Ich frage mich immer: Wie ist das für einen Künstler, wenn ein bestimmtes, länger angelegtes Projekt beendet ist? Stellt sich da eher Erleichterung ein, à la: Gott sei Dank, endlich fertig? Oder tut sich plötzlich Leere auf, und die Frage “Was jetzt?” nagt am armen Künstlerego? Ich habe das Gefühl, bei Stefan Betke war es eine Mischung aus beidem. Einerseits: Die Drei-Farben-Trilogie war nach “Blau” und “Rot” mit “Gelb” abgeschlossen, die Grenzen des Minimal-Dub plus kaputter Filter damit ausgelotet. Andererseits: Was kann nach diesem Statement noch folgen? Wenn man die drei Farben in eine Reihe stellt mit anderen Konzepten, die irgendwann einmal als Genealogie der elektronischen Musik in den 90ern gelesen werden – ich denke an Warps “Artificial Intelligence”-Reihe, an Hawtins “Concept”, Mike Inks “Studio 1”, die “Maurizio”- und “Basic Channel”-12-Inches und einige ähnliche Kaliber –, dann muss es schwer fallen, dieses Statement noch zu übertreffen. Wie schafft man den Absprung, wie erfindet man noch mal etwas neu? Poles Entwurf: Songstrukturen statt sich träge ausbreitende Dub-Tracks. Unterstützt von Rapper Fat Jon aus Ohio, einem Saxophonisten und einem Bassisten, versucht Betke, seinen abstrakten Dub in Songs zu transponieren. Die Trademarks freilich bleiben: Knistern, Bass, Betkes Händchen, Teilchen in Bewegung, in Schwingungen zu versetzen, die sanft vor sich hin mäandernden Flauschteppiche seiner weichen, fließenden Tracks. Die Stimme von Fat Jon und die Saxophon-Einlagen von Thomas Haas sind dabei eigentlich nur Fußnoten. Es geht bei Pole am Ende dann doch um so was wie die Suche nach Schönheit. Das war schon immer so, und die Mittel und Ausdrucksformen spielen bei dieser Suche eigentlich keine große Rolle. Die Weiterentwicklung ist da, die Musik bleibt noch immer toll.