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The Colour Of Snow

Polarkreis 18

Kosmopolitisches Pathos zwischen der Eröffnungsfeier von Olympischen Spielen und Depeche Mode.
Geschrieben am
Schon das Debütalbum der Dresdner Polarkreis 18 machte vor allem eines klar: Die Wege und Entscheidungen dieser in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Band sind kaum vorhersehbar, bei ihnen muss man Platte für Platte mit allem rechnen.

Diese Vermutung hat sich auf "The Colour Of Snow", ihrem Zweitwerk, erfüllt. Nachdem das erste Album noch deutlich von einem Interesse an postrockigen Strukturen und aufwendigen Gitarrenarrangements geprägt war, ist diese Facette auf dem neuen Werk fast vollständig zugunsten von fein ausformuliertem Bombast in den Hintergrund getreten. Meint: "The Colour ..." ist geprägt von Synthesizer-Aufwallungen, die stark an klassische 1980er-Acts wie Depeche Mode oder Spandau Ballet erinnern, und aufwendigen Orchesterpartituren, eingespielt von den Dresdner Sinfonikern. Das Klangbild ist dadurch noch voller geworden, noch komplexer, aber auch noch theatralischer und fantastischer. Dazu passend hat Sänger Felix Räuber noch exponierter die Rolle des Frontmannes angenommen, sein Gesang erinnert öfter an den so verwunschen klingenden Jonsi von Sigur Rós oder die artifizielle Zartheit eines Maximilian Hecker. Mit wenigen zweisprachigen Worten gibt er den Zuckerguss auf eine plakative Symbolkraft, mit der Polarkreis 18 durchaus auf einer Eröffnungsfeier von Olympischen Spielen reüssieren könnten. Aus "The Colour ..." quillt kosmopolitisches Pathos, mit der ersten Single "Allein allein" und dem Titelsong haben sie alles und jeden vereinigende Pophits gewollt und geschaffen, sie sind endgültig vom gesichtslosen Postrock-Act zur Popband mit vielen strahlenden Mitteln geworden. Das große Besondere an dieser Band ist und bleibt, dass an ihr nichts determiniert wirkt. Polarkreis 18 bewahren sich auch mit ihrer zweiten Platte eine Distanz zu ihrer immer größer werdenden Fanschar wie auch zu ihrer eigenen Musik, um auch auf dem nächsten Album alles zulassen zu dürfen. Und das ist wohl ein entscheidender Grund dafür, warum Pathos bei dieser Band nicht klebt, sondern so außergewöhnlich und stark wirkt.