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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Fettes Brot

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Obwohl König Boris, Björn Beton und Dokter Renz alias Fettes Brot schon 20 Jahre im Game und teilweise gestandene Familienväter sind, dreht sich ihre Kunst immer noch um Party, Reime und Hamburg. Zum Erscheinen ihres siebten Albums »3 is ne Party« hat Henje Richter die Band mit neuen und alten Songs sowie einigen Überraschungen konfrontiert.
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Modeselektor feat. Thom Yorke »Shipwreck«
König Boris: Eines meiner Lieblingsereignisse bei der Produktion von »Strom und Drang« war, als Modeselektor endlich den Beat für »Bettina« lieferten. Wir hatten immer wieder nachgefragt, die Produktion näherte sich dem Ende, der Schlussvorhang drohte bald zu fallen. Aber als er dann kam, sind wir vor Freude im Kreis gehüpft.
Björn Beton: Uns war damals gar nicht bewusst, dass die schon so derbe Szenestars waren. So eine Kollaboration mit Thom Yorke hat auch nicht jeder im Portfolio!

 

A Tribe Called Quest »Da Booty«
BB: Ich hatte über De La Soul und Beastie Boys gerade angefangen, mich für Rapmusik zu begeistern, als 1989 dann dieses Überalbum »3 Feet High And Rising« von De La Soul erschien. Das war eine sehr, sehr coole Zeit für HipHop. Da ist sehr viel losgetreten worden, was heute nachwirkt.
Dokter Renz: Wenn man heute in Hamburg auf HipHop-Partys geht, läuft da ganz viel von dem alten Zeug wieder, und die jungen Kappen flippen voll aus. Wenn ich dann meinen neumodischen Internetkram auflegen will, kommen da wunderschöne junge Damen und wollen im besten Falle noch irgendwelchen Gangsterrap hören.

 

Naughty By Nature »Hip Hop Hooray«
DR: Das ist das, was die Katzen hören wollen!
BB: Da haben wir natürlich »Nordisch By Nature« geklaut. Heute sollen Marmeladen danach benannt werden, und die Grünen in Schleswig-Holstein wollten den Slogan sogar im Wahlkampf verwenden – da gab es dann eine einstweilige Verfügung von uns(!), und das, obwohl wir das auch nur geklaut hatten.
KB: Das ist immer noch der Kern von Fettes Brot: Party, Hamburg, ein bisschen unterschwellige Gesellschaftskritik – und geil abliefern.

 

 

Eminem »White America«
DR: Für uns war es ganz erstaunlich zu sehen, dass es auch in Amerika Leute gibt, die total auf Doppelt-, Dreifach- und Vierfachreime stehen. Also, dass sich komplette Satzteile aufeinander reimen, und zwar jede einzelne Silbe. Da merkt man eine Seelenverwandtschaft. Viele Lieder von Eminem sind aber wahnsinnig uncool. Da ist so ein komischer Trash-Faktor drin.
BB: Eminem habe ich über Dendemann kennengelernt. Der hatte damals als Erster die Slim-Shady-Geschichte verstanden und mir netterweise erklärt. Er hat mir die Kunstform der Charakter-Erschaffung nähergebracht.

 

Kendrick Lamar »Swimming Pools (Drank)«
DR: Das geilste Rap-Album der letzten Jahre. Unser Ansatz ist ja noch ein bisschen besser, aber die Beatles und Beach Boys haben sich ja auch immer abgewechselt. Lamar ist das letzte Konzert, auf dem wir zu dritt waren.
KB: Das Publikum war toll. Das waren alles Hardcore-Fans, die jede einzelne Zeile hingebungsvoll mitgegrölt haben. Da habe ich eine Gänsehaut gekriegt.

 

DAF »Der Räuber und der Prinz«
BB: Das DAF-Sample in unserem »KussKussKuss«-Remix haben wir mit der Erlaubnis von Robert Görl und Gabi Delgado-López benutzen können, was uns sehr gefreut hat. Ich glaube, dass der Remix sehr gut geworden ist. In bester Weise als Hommage zu verstehen.

 

Casper »Im Ascheregen«
KB: »Ein drittel Heizöl, zwei drittel Benzin« auf unserem neuen Album ist übrigens kein Casper-Zitat. Wir haben nur zufällig dasselbe Slime-Zitat benutzt! Und uns natürlich ein klein wenig geärgert, dass er früher damit rausgekommen ist.
DR: Casper hatte damit in verschiedenen konservativen Gegenden Probleme, weil das ein Aufruf zur Gewalt ist und der Text von Slime auf dem Index steht. Das im Radio zu spielen ist für manche Menschen schon zu viel. Ist nicht meine Musik, da sind ein Tick zu viele Klischees drin. Es hat mich aber beeindruckt, wie viele Leute bei Casper emotional mitgehen. Das hat einen Nerv getroffen, und ich wundere mich auch nicht, dass es viele Leute mitnimmt.

 

Fettes Brot »3 is ne Party« (Fettes Brot Schallplatten / Groove Attack / VÖ 01.11.13) Auf Tour vom 18.12. bis 07.02.