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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Roosevelt, Blood Orange und mehr

Platten der Woche

Wie jeden Freitag: Die wichtigsten VÖs für euch gehört. Mit Roosevelt, Blood Orange, The Rifles, Scott Walker u.v.m.
Geschrieben am
Roosevelt »Roosevelt« (City Slang / Universal)
Roosevelt alias Marius Lauber stellt sich mit seinem langerwarteten Debütalbum seiner schon jetzt beträchtlich großen Hörerschaft. Die Kompositionen auf »Roosevelt« gleichen warmen Farbverläufen: Zwar gibt es einen Gegensatz, doch die Harmonie der Kombination überwiegt, etwa in psychedelischen Hallspiralen und den omnipräsenten Synthesizer-Melodien. Das klingt durchweg gelungen, Caribou etwa hätte sicher nichts gegen einen Track wie »Sea« auf seinem Album habt. 

Roosevelt

Roosevelt

Release: 19.08.2016

℗ 2016 City Slang

Blood Orange »Freetown Sound« (Domino / GoodToGo )
»Freetown Sound« ist Hynes’ Meisterwerk in einer an Großtaten reichen Diskografie, ein Album, das ihn zu Princes rechtmäßigem Erben machen dürfte. Man kann verstehen, warum Stars wie Carly Rae Jepsen, Debbie Harry oder Nelly Furtado hier mittun wollten, denn Hynes lässt ihren Gesang in einem unglaublich coolen und elektrisierenden, gleichzeitig ernsten und dringlichen Funk-Gewand strahlen. Einem Gewand, in dem es nie um Hits geht, sondern um eine sehr lebensnahe, dementsprechend auch mal triste oder nüchterne Gefühlswelt, in der auch politische Missstände verhandelt werden können.

Blood Orange

Freetown Sound

Release: 27.06.2016

℗ 2016 Domino Recording Co Ltd

Crystal Castles »Amnesty« (Fiction / Caroline / Universal)
Mit dem Ausstieg von Sängerin Alice Glass schien das Ende der Crystal Castles besiegelt. Glücklicherweise hat Soundtüftler Ethan Kath mit Edith Frances eine Nachfolgerin gefunden, die das Chaos zumindest auf Platte weiter abfeiert. Fans der Crystal Castles können sich auf genug schneidende Elektronik, rauschende, sägende und hämmernde Rave-Momente und Chiptune-Klangscherben freuen, die auch dieses vierte Album zu einem akustisch-instabilen, aber aufregenden Horrortrip formen.

Crystal Castles

Amnesty (I)

Release: 19.08.2016

℗ 2016 Fiction Records Ltd.

Exploded View »Exploded View« (Sacred Bones / Cargo)
Mit ihrer neuen Band Exploded View lässt Anika Henderson sich nicht nur mehr auf den psychotisch-noisigen Sound der Velvet Underground ein, sondern tritt auch weiter weg von den punk-driven Flirts mit deren anderer Seite, dem Pop der 1960er, der bislang in ihrer Musik spürbar war. Exploded View wagt den Zerfall, das Auseinanderbrechen, und stolpert dennoch erhobenen Hauptes stoisch vorwärts. Jeder Ton des Debüts ist im ersten Take aufgenommen. Gemeinsam mit den mexikanischen Musikern Martin Thulin, Hugo Quezada und Amon Melgarejo entstand ein treibendes, anstrengendes, atmosphärisches Album, das zu erschließen sich lohnt.

Exploded View

Exploded View

Release: 19.08.2016

℗ 2016 Exploded View under exclusive license to Sacred Bones Records

Gonjasufi »Callus« (Warp / Rough Trade)  
Sumach Ecks alias Gonjasufi hat mit »Callus« (zu deutsch Narbe) ein Album aufgenommen, das klingt, wie es aussieht: Golgatha bei Nacht. Der Flying-Lotus-Freund und Yogalehrer aus Las Vegas mit dem ausgeprägten Hang zum von Noise getriebenen Sound-Experiment lässt sich wie folgt zur aktuellen (politischen) Lage zitieren: »Many of us feel hopeless, all while racial & religious tensions are growing stronger«.

Gonjasufi

Callus

Release: 19.08.2016

℗ 2016 Warp Records

Messer »Jalousie« (Trocadero / Indigo)   
Die ersten Worte nach drei Jahren Pause: »Es riecht nach Regen, riecht nach Metall, es schmeckt nach Blut in deinem Mund«. Diese Worte bleiben das Grundmotiv eines der besten Alben des Jahres. Alles ist schwer, alles hat Bedeutung, auch die unheilvollen Träume, die sich da draußen hinter der Jalousie in der tristen Wirklichkeit widerspiegeln. In elf wabernden Skizzen legen Messer uns ihre Welt dar, immer sind sie zu schwach, immer sind sie ruhelos. Das erinnert an Mutters monumentales »Hauptsache Musik« (wenn auch selten musikalisch), aber auch an die vergessenen The Aim Of Design Is To Define Space, die in den 2000ern zur falschen Zeit am falschen Ort waren. 

Messer

Jalousie

Release: 19.08.2016

℗ 2016 Trocadero

Muso »Amarena« (Believe / Soulfood)  
Muso hätte der Antiheld seines ehemaligen Labels Chimperator werden können: Düstere Textwelten, vertrackte Beats, unkonventionelle Produktion, der unbedingte Wille, es so zu machen, wie er es wollte – oder eben gar nicht. Auf seinem neuen Album »Amarena« klingt er entspannter: Er baut eingängige Refrains ein, mehr Gesang, die Samples sitzen am richtigen Fleck und das Herz erst recht. »Er ist guter Junge« könnte man sagen, denn was da aus den Boxen kommt ist authentisch, wenn er etwa sich selbst im Psychogramm »Regen« auseinandernimmt. 

Muso

Amarena

Release: 19.08.2016

℗ 2016 Muso

Ryley Walker  »Golden Sings That Have Been Sung« (Dead Oceans / Cargo)  
Bereits das Cover von »Golden Sings That Have Been Sung« wirkt wie ein verstaubter Fund aus der goldenen Elektra-Ära. Doch Ryley Walkers neues Songmaterial klingt trotz der Reminiszenz an Helden wie Tim Buckley weder antik noch verstaubt. Die acht wie aus der Zeit geplumpst wirkenden Songs auf dem Album atmen den Geist seiner windigen Heimat Chicago mit beiden Lungenflügeln und wecken mit den verspielten Instrumental-Passagen glückliche Erinnerungen an Jim O’Rourkes Drag-City-Schätze oder The Sea And Cake.

Ryley Walker

Golden Sings That Have Been Sung

Release: 19.08.2016

℗ 2016 Dead Oceans

The Rifles »Big Life« (Cooking Vinyl / Indigo)
Ziemlich genau zehn Jahre nach der Veröffentlichung von »No Love Lost« erscheint das fünfte Studioalbum »The Big Life«. Musikalisch ist alles wie gehabt – irgendwo zwischen The Jam, Arctic Monkeys und den Libertines lässt man wenig Raum für Experimente. »Wall Around Your Heart« oder »Independent« sind schöne, mitsingtaugliche Britpop-Nummern – aber zu viele Songs rauschen dann doch nur so durch. Große, erinnerungswürdige Tracks wie einst »Local Boy« bleiben die Ausnahme. 

The Rifles

Big Life

Release: 19.08.2016

℗ 2016 The Rifles under exclusive licence to Cooking Vinyl Limited

Scott Walker »The Childhood Of A Leader O.S.T.« (4AD / Beggars / Indigo)
Nach dem ein wenig zu sehr gefeierten »Soused«, Scott Walkers Kollaboration mit den Drone-Göttern Sunn O))) vor zwei Jahren, hat sich der Altmeister nun auf den nächsten Ausflug gemacht. »The Childhood Of A Leader« ist dabei kein klassisches Walker-Album, sondern eine Auftragsarbeit, ein Soundtrack – der zweite nach »Pola X« von 1999. Seine Trademark-Sounds werden hier um eine Darstellung auf der bildlichen Ebene ergänzt, die ihnen vermutlich eh schon inhärent waren. Das Album prägen flirrende Streicher, die eine meist dissonante Fläche bilden, und oft nach Mahler klingende Bläsersätze. Dazu kommen krachende Schlagwerke und Drones.  

Scott Walker

The Childhood of a Leader (Original Motion Picture Soundtrack)

Release: 19.08.2016

℗ 2016 4AD