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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Jamie T, Angel Olsen, Maxim u.v.m.

Platten der Woche

Wie jeden Freitag: Die wichtigsten VÖs für euch gehört. Diesmal mit Jamie T., Angel Olsen, Gudrun Gut und vielen mehr.
Geschrieben am
Jamie T »Trick« (EMI / Universal)
Jamie T, der Torsun Burkhardt des Post-Brexit-Insel-Indie, hat sein viertes Album »Trick« rausgerückt, und das strotzt nicht nur vor musikalischen Vordenker-Referenzen, sondern zeugt auch vom noch weiter ausgebauten, gruseligen Talent des Engländers. Zwölf Songs, die den Verdacht erhärten, dass das 30-Jahre-Werden nicht Krise, sondern zweite Pubertät sein kann. Stürmend und drängend hat Jamie Treays ein Brett nach dem anderen auf diese Platte gepackt. Wüsste man es nicht besser, könnte man so einfach nicht feststellen, was sich wohl am besten als Single eignen könnte. Die Frage wäre eher: Was nicht?

Jamie T

Trick

Release: 02.09.2016

℗ 2016 Virgin Records Ltd

Angel Olsen »My Woman« (Jagjaguwar / Cargo) 
Wie einst Julee Cruise versprüht Angel Olsen auf »My Woman« Ballroom-Flair und badet in Reverbs. Dabei verabschiedet sie sich vom puristischen Sound des gefeierten Vorgängers und überrascht mit zwei grundverschiedenen Seiten. Während die erste Hälfte des Albums mit eingängigen Höhepunkten wie »Never Be Mine« oder »Shut Up Kiss Me« noch knackig auf den Punkt kommt, nimmt sich die zweite Hälfte deutlich mehr Zeit und wird zu der erwarteten Aneinanderreihung an »Oha«- und »Uuh«-Momenten. 

Angel Olsen

MY WOMAN

Release: 02.09.2016

℗ 2016 Jagjaguwar

Gudrun Gut »Vogelmixe« (Run United / H’Art)
In Zeiten, in denen nationale Identität zum Sprengstoff wird, erinnert Gudrun Gut daran, dass nicht nur fremde Vögel nach Deutschland migrieren und hier heimisch werden, sondern auch Heimatlieder einwandern können. In 60 Minuten hört man so Spuren aus der Türkei, Kamerun, Marokko, Kroatien, Kuba, Portugal, Bulgarien oder auch Transsilvanien: Hier lebt immer noch eine kleine Gruppe deutschsprachiger Menschen mit ihrem eigenen Dialekt. Hat man sich durch die volkstümlichen Vogellieder gehört und schiebt dann die Remix-CD mit den Neuinterpretationen von Gudrun Gut ein, ist man sofort fasziniert von der sensiblen und schönen Überarbeitung: Wie ein freier Vogel pickt sie einzelne Elemente auf und verspinnt ihre elektronischen Fäden zu einem Nest, in dem man fortan hausen möchte.

Gudrun Gut

Vogelmixe - Heimatlieder Aus Deutschland (Berlin / Augsburg)

Release: 02.09.2016

℗ 2016 Run United

James Vincent McMorrow »We Move« (Believe / Soulfood)
Die Strahlkraft seines Songwritings ist ungebrochen.  Maßgeblichen Anteil daran hat McMorrows eindringliches, frei schwebendes Falsett, aus dem man konsequenterweise auch gleich die Background-Chöre züchtete. Unterstützt von Nineteen85, Two Inch Punch und Frank Dukes hat der Ire seinen Sound unbeschadet in ein Milieu umtopfen können, mit der er schon auf dem Vorgänger »Post Tropical« heftig liebäugelte. Getragen von HipHop-Beats (»Killer Whales«), 1980er-Synthies (»Surreal«) und ungeahnt futuristischen Loops (»Evil«) segelt McMorrow seiner vorläufigen Bestimmung entgegen – ganz ohne Boot.

James Vincent McMorrow

We Move

Release: 02.09.2016

℗ 2016 Believe Recordings

Maxim »Das Bisschen was wir sind« (Downbeat / Warner)
Hier muss ein Regal voll mit Puzzle-Spielen umgestürzt sein. Rasch wurden die Teilchen zusammen mit Staubflusen wieder zusammengekehrt und in einem Karton mit der Aufschrift »Das Bisschen was wir sind« ausgeleert. Kontextlos ergäbe das einen sinnfreien Haufen Staub und Papier, Maxim jedoch zaubert daraus schwer durchdringbaren Puzzle-Pop. Zwölf Songs aus Erinnerungsfetzen, umrahmt von schwermütigem Electro-Pop. 

Maxim

Das Bisschen was wir sind

Release: 02.09.2016

℗ 2016 Downbeat Records / Warner Music Group Germany Holding GmbH / A Warner Music Group Company

Mozes And The Firstborn »Great Pile Of Nothing« (Burger / Red Eye)
Nostalgisch waren Mozes And The Firstborn schon auf ihrem ersten Album. Jetzt verlassen sie die Garage und spielen Indie-Rock in seiner schönsten Form. Sauberer produziert und so eingängig, dass man recht schnell jeden Refrain mitsingen kann. Das ist in keiner Weise negativ gemeint, »Great Pile Of Nothing« ist ein herausragend schönes Album. Songs wie »Crawl« brillieren durch Atmosphäre, »Power Ranger« ist ein charmantes Liebeslied, »OC/DC« klingt, als hätten die Niederländer ihre liebste Weeezer-Platte hervorgekramt und »Snowman« hat einen vortrefflich absurden Text: »Won’t you come inside my little snowman?« Was auch immer das bedeuten mag, irgendwie ist das süß und man möchte antworten: »Na klar!«

Mozes And The Firstborn

Great Pile of Nothing

Release: 02.09.2016

℗ 2016 Burger Records

The Divine Comedy »Foreverland« (PIAS / Rough Trade)
»Foreverland« ist mondän und gewohnt opulent arrangiert und steht deshalb in einer Linie mit Divine Comedys zehn vorangegangenen Alben. Hannon selbst beschreibt das Thema so: »Es geht darum, einen Soulmate zu treffen, glücklich zusammenzuleben und um das, was nach diesem Glück geschieht«. So weit, so dramatisch. Deshalb singt er wehmütig von Liebe, etwa im gelungenen »Other People«. In anderen Songs lebt der Nordire sein Faible für tote Monarchen aus, wahlweise Napoleon oder Katharina die Große. 

The Divine Comedy

Foreverland (Deluxe Version)

Release: 02.09.2016

℗ 2016 Divine Comedy Records

Warhaus »We Fucked A Flame Into Being« (PIAS / Rough Trade)
Es ist die gefährliche und morbide Seite der Liebe, der sich Maarten Devoldere (hauptberuflich Frontmann der belgischen Indie-Rock-Formation Balthazar) auf seinem Solodebüt als Warhaus zuwendet. Schuld und Sühne, Verachtung, unterkühlte Lust – Leichtigkeit und wirkliche Verbundenheit haben in diesen Songs kaum Platz. Stattdessen ist das Setting der zehn Lieder stets tragisch. Doch auch wenn Amor hier angeschlagen wirkt, zieht die Platte den Hörer nicht runter, sondern entfaltet eine verruchte Atmosphäre, die allein wegen ihrer Klangästhetik einfach gehört werden muss. Leonard Cohen stand hier Pate, genauso wie die Laszivität einer Jane Birkin. 

Warhaus

We F****d a Flame into Being

Release: 02.09.2016

℗ 2016 Warhaus under exclusive license to Play It Again Sam