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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Death Cab For Cutie, Sufjan Stevens, Godspeed You! Black Emperor u.v.m.

Platten der Woche

Wie jeden Freitag: Die wichtigsten neuen VÖs für euch gehört. Mit Death Cab For Cutie, Sufjan Stevens, Godspeed You! Black Emperor u.v.m.
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Death Cab For Cutie »Kintsugi« (Atlantic / Warner / VÖ 27.03.15)
»Kintsugi« ist kitschig benannt, aber wirklich toll – auf eine unaufgeregte, erdige, ehrliche Art und Weise. Obwohl ein Muse-Produzent den mittlerweile ganz ausgeschiedenen Chris Walla am Mischpult ablöste, klingen die stärksten Songs »Hold No Guns«, »You’ve Haunted Me All My Life« und »No Room In Frame« eher unbehauener als zuvor, und gerade das tut DCFC ungemein gut. Die »Walla of Sound« (bitte an dieser Stelle auf die Schenkel klopfen) konnte man ja zuletzt kaum noch ertragen. »Kintsugi« atmet also eher den soliden Geist des letzten Gibbard-Soloalbums, das zwar keine stilistischen Überraschungen mehr im Ärmel hatte, aber immer noch eine Stimme, mit der er selbst das Telefonbuch von Seattle oder gar Friesoythe zum Hit singen könnte. (DK)

Death Cab for Cutie

Kintsugi

Release: 27.03.2015

℗ 2015 Atlantic Recording Corporation for the United States and WEA International Inc. for the world outside of the United States. A Warner Music Group Company

Sufjan Stevens »Carrie & Lowell« (Asthmatic Kitty / Cargo / VÖ 27.03.15)
Sufjan Stevens überrascht mit einer Art Abkehr von der Abkehr – und veröffentlicht ein Meisterwerk, das vorhat, ewig zu währen. Melodie-Ornamente, Blechbläser, Begleitmusiker fehlen dabei. Der hektische Zirkus, mit dem Stevens früher seine Songs überzuckerte, als seien Opulenz und Ironie Schutzschilde gegen das Verglühen im Rampenlicht, wäre hier unpassend gewesen. Als Konzeptalbum stellt es eine Aufarbeitung von Stevens’ Verhältnis zu seiner jüngst verstorbenen Mutter und seinem Vater dar. Das hört man den bedrückenden, mitunter geisterhaften Songminiaturen auf »Carrie & Lowell« zu jedem Zeitpunkt an. Die Koexistenz von Trauer, Schönheit, Verzweiflung und Liebe machen es schwer, den Stücken länger als eine halbe Stunde ohne innere Zerrissenheit zuzuhören. (FS)

Sufjan Stevens

Carrie & Lowell

Release: 31.03.2015

℗ 2015 Asthmatic Kitty Records

Godspeed You! Black Emperor »Asunder, Sweet And Other Distress« (Constellation / Cargo / VÖ 27.03.15)
Man könnte fast meinen, dass sich die gesamte erste Hälfte des neuen GY!BE-Albums in von Feedback-Passagen eingefassten Posen von steifer Brachialität verliert. Es fehlt schlicht an Dynamik. Diesen Eindruck rettet aber Hälfte zwei, besonders das grandiose Schlussstück »Piss Crowns Are Trebled«: Hier findet die Band genau die Mischung aus Drone-Elementen und psychedelisch verwobenem, herrlich epochalem Postrock, der sie spätestens ab »Lift Your Skinny Fists ...« zu der Ikone gemacht hat, die sie nach wie vor ist. GY!BE haben die schwierige Aufgabe, ihren Mythos an tönenden Tatsachen abgleichen zu müssen, doch wieder gemeistert. (CS)

Godspeed You! Black Emperor

Asunder, Sweet and Other Distress

Release: 31.03.2015

℗ 2015 Constellation

Action Bronson »Mr. Wonderful« (Vice / Atlantic / Warner / VÖ 27.03.15)
»Mr. Wonderful« – was für ein Albumtitel! Letzten Endes ist dann auch ein Hit draus geworden. Auf Grundlage von rumpelnden Drums und Retrosoul-Samples zeigen insbesondere »Terry« und »Actin’ Crazy« ganz wunderbar, wofür man Action Bronson so liebt: Nämlich das schwachsinnige Schwadronieren über abseitige Belanglosigkeiten, überzeichnete Aufschneidereien, ständige Querverweise auf Kulinarisches und illegale Rauchwaren. Ab Hälfte zwei ist »Mr. Wonderful« kein überdrehter Rumpeldipumpel-Rap mehr, sondern entwickelt sich zu einer supermelancholischen Kiste, die nicht nur Songwriter-Ambitionen aufweist, sondern mal eben durch die Musikgeschichte der letzten 40 Jahre reist. (JW)

Action Bronson

Mr. Wonderful

Release: 23.03.2015

℗ 2015 Atlantic Recording Corporation for the United States and WEA International Inc. for the world outside of the United States. A Warner Music Group Company

Love A »Jagd und Hund« (Rookie / Cargo / VÖ 27.03.15)
Wie auch bei Peter Hein findet sich eine latente Gereiztheit bei Mechenbier und seinen Anbefohlenen. Zum Glück, schließlich trieb einen angesichts der ersten Single »100.000 Stühle leer« noch kurz die Sorge um, dass die Band mit Album Nummer drei eher resigniert und fernsehgartig abliefern würde. Mit dem Alter kommt ja bei vielen Bands die (vermeintliche) Tiefe, und die Verzerrer werden versetzt. In Bezug auf Love A ist das aber ein Trugschluss: »Jagd und Hund« beißt weiter um sich, so sehr, dass es schmerzt und gleichzeitig glücklich macht. Ganz zum Schluss singt der Chor »Brennt alles nieder, fickt das System«. Der nächste Schritt – wohin auch? – ist dieses Album nicht. Es ist einfach ein sehr konzentriertes Sequel, und das ist ganz schön viel. (LV)

Love A

Jagd und Hund

Release: 06.02.2015

℗ 2015 Rookie Records

The Soft Moon »Deeper« (Captured Tracks / Cargo / VÖ 27.03.15)
Zusammen mit dem italienischen Produzenten Maurizio Baggio hat Luis Vasquez für sein drittes Album lange an seinem Songwriting gefeilt. Der Sound von The Soft Moon besteht 2015 zwar immer noch aus den gleichen Elementen, doch auf »Deeper« sind nun eher Songs als Tracks zu finden. Der Gesang rückt deutlich mehr in den Vordergrund. »Without« geht als die erste Ballade der Bandgeschichte durch, »Try« erinnert an New Order, »Desertion« könnte von Depeche Mode zu Zeiten ihrer Heroin-Phase sein. Doch keine Angst: Die unerbittliche Härte, die Soft Moon bisher auszeichnete, wird kein bisschen aufgeweicht. einige Songs sind dermaßen heftig geraten, dass man nach dem Hören erst einmal Luft holen muss, bevor man sich den albtraumartigen Trip noch mal gibt. (TW)

The Soft Moon

Deeper

Release: 31.03.2015

℗ 2015 Captured Tracks

Balthazar »Thin Walls« (PIAS / Rough Trade / VÖ 27.03.15)
Dank brüderlicher Liebe und inniger Verbundenheit zwischen den Songwritern Balthazars klingt auf dem neuen Album alles ein wenig weicher und intimer als noch beim Durchbruchswerk »Rats«. Während damals meist Bläser das Geschehen dominierten, erscheinen jetzt immer häufiger betörende Streicher. »Bunker« klingt dadurch wie eine Mischung aus Rhye und den Arctic Monkeys der Homme-Ära, »So Easy« wie eine Zusammenarbeit des elektrifizierten Dylan mit dem konservativen Avantgarde-Komponisten Moondog. Auch die Entscheidung, nach zwei selbst produzierten Alben mit Ben Hillier (Elbow) einen Externen hinters Mischpult zu setzen, führte zu einem direkteren Sound. Bleibt nur zu hoffen, dass auf die Bruderliebe nicht der Bruderhass à la Oasis folgt. (MW)

Balthazar

Thin Walls

Release: 30.03.2015

℗ 2015 Balthazar under exclusive license to Play It Again Sam

Lower Dens »Escape From Evil« (Domino / GoodToGo / VÖ 27.03.15)
Jana Hunter hat in den vergangenen Jahren so einiges gemacht, von Solotourneen über das Girls Rock Camp in Houston bis hin zur langen Aufnahme-Odyssee fürs neue Bandalbum. Diese Geschäftigkeit war so gewollt: Es ging auch darum, endlich dem Nimbus einer Winter-Band zu entkommen. Die Musik selbst geht diesen Weg hörbar mit. Die auf Indie-Gitarren basierenden Dreampop-Drones sind einem ziemlich lupenreinen und direkten 1980er-Pop-Entwurf gewichen: Silbrig jangelnde Johnny-Marr-Gitarren, Talk-Talk-Synthie-Flächen und Jana Hunter in Höchstform, nah am frühen Thom Yorke. Inhaltlich geht es auch nicht mehr um düstere Technik-Utopien, sondern um die pure Menschlichkeit und all ihre Zwischentöne, LGBT-Topics, Liebe und Tod. Auch das kann zum Frühling passen. (CG)

Lower Dens

Escape from Evil

Release: 27.03.2015

℗ 2015 Ribbon Music, LLC

The Go! Team »The Scene Between« (Memphis Industries / Indigo / VÖ 27.03.15)
Go!-Team-Mastermind Ian Parton ist zu den Arbeitsmethoden des Debüts zurückgekehrt und hat das neue Album komplett in Eigenregie aufgenommen. »The Scene Between« ist wieder eine Platte geworden, die auf jeder WG-Party-Playlist eine gute Rolle spielen dürfte: eingängige Melodien, so süß wie die feinste Zartbitterschokolade. Lässiger Girl-Pop, der jedem Hörer ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Mitreißende Gospel-Poesie, die die konservativste Kirchengemeinde zum Mitsingen antreibt. Ob beim quirligen Opener »What D’You Say«, der Chor-Hymne »The Art Of Getting By (Song For Heaven’s Gate)« oder dem treibenden »Blowtorch« – am Ende möchte man seinen Kassettenrecorder zurückspulen und sich dieses Retro-Spektakel zur Dauerschleife machen. (DV)

The Go! Team

The Scene Between

Release: 23.03.2015

℗ 2015 Memphis Industries

Selah Sue »Reason« (Because / Warner / VÖ 27.03.15)
Für ihr zweites Album »Reason« arbeitete Selah Sue mit den richtigen Leuten zusammen: Rhye-Mastermind Robin Hannibal half aus, ebenso der Haim-Produzent Ludwig Göransson. Trotzdem klingt ein Großteil der Songs zwar stilistisch gewohnt abenteuerlustig, aber leider dermaßen am Mischpult aufgepumpt, dass Selah Sue mittlerweile die Gefahr droht, »just another pop star« zu werden – einst eigensinnig, jetzt austauschbar. Ihre Stimme bleibt wundervoll, und »I Won’t Go For More« und »Sadness« machen Mut, dass sie ihren frühen Sound und Kurs nicht vergessen hat. Aber wer Selah Sue bisher liebte, der sollte sich vor allem auf ihre Konzerte freuen. (DK)

Selah Sue

Reason

Release: 27.03.2015

℗ 2015 Because Music