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So wars in Leipzig: Nähe und Distanz, Inszenierung und Authentizität

Planningtorock live

Planningtorock weiß, wie man das Publikum verwirrt und landet deshalb wie ein Alien im stilvoll unrestauriert belassenem Unionstheater Connewitz.
Geschrieben am

Janine Rostron ist von Anfang an auf Inszenierung gebürstet. Deswegen kommt sie als Planningtorock auch genau dann auf die alte Theaterbühne des Leipziger UT Connewitz geschlendert, als die Vorfreude noch am größten ist. Aber sie kommt ohne Knall. Sie kommt auf die Bühne geschlurft und ist einfach plötzlich da – leiser als die meisten Gespräche, die zu dem Zeitpunkt im locker gefüllten Zuschauerraum noch laufen. Dabei erinnert sie ein wenig an ET, der sich – etwas geeky aber ungemein herzerweichend – auf die Erde, also in dem Fall die Bühne, verirrt hat. Mit den durch Maskenkitt verzerrten Gesichtszügen und der zierlichen Figur gibt Planningtorock ja auch äußerlich eher den ET als den Predator.

Vor der überlebensgroßen Projektion ihrerselbst wirkt sie noch kleiner und zierlicher. Aber sie ist da. Im Schutze ihres verfremdeten Gesangs und der unbestechlichen Beats tanzt sie selbst auf der Bühne und singt mit geschlossenen Augen, aber dafür umso weiter geöffneten Mund. Worte an das Publikum gibt es nicht – sie würden auch nur die Choreographie des Konzerts unterbrechen und stören.

Was auf »W«  als Album in kleinen tanzbaren Fragmenten daher kommt, präsentiert sie heute in kompakten und konzertgerechten Versionen. Es gibt also kein DJ-Set mit >>Black Thumber<< oder >>Milky Blau<<. Deshalb stehen die Leute auch mit Blick dahin, wo die Bilder sind, und hören Liedern wie >>Manifesto<< oder >>Living it out<< zu, anstatt das zu tun, was diese verlangen – nämlich zu ihnen zu tanzen und sich in ihnen zu verlieren. Deshalb spielt Planningtorock auch alle die Lieder von >>W<<, die besonders vom Gesang und vom Text leben – wie eben >>Manifesto<< oder auch >>The breaks<<.

Und es spielt keine Rolle, dass die Leute eher zuhören als das UTC zur Tanzfläche zu machen, denn was Planningtorock da liefert, verlangt einem ohnehin genug ab. Mit den Extremen und extremen Gegensätzen muss man erst mal klar kommen. Da ist auf der einen Seite der Overkill an Effekten und Reizen – Lichtshow, Projektion, Maskenkitt – und auf der anderen Seite kommen die Effekte nicht von einer mit Konsolen bewaffneten Bigband, sondern von einem kleinen, zierlichen Außerirdischen, der von Liebe und Gerechtigkeit singt.

So steht Planningtorock nackt da – keine drei Meter von der ersten Reihe des Publikums entfernt und doch kilometerweit weg und unerreichbar. Die erste Reihe schert sich nicht drum und schaut dem Außerirdischen zu, wie er – nicht Mensch, nicht Roboter – mit synthetisch tränendrückender Stimme immer wieder singt >>Someone’s meaning a lot to me<<. Bei diesem ET-mäßigen Moment sieht das Publikum aus wie die Zoobesucher, die sich am Bühnenrand die Nasen platt drücken, um dem Alien beim Fühlen zuzuschauen.

Am Ende gibt es noch zwei Zugaben, zu denen sich Planningtorock kaum bitten lassen muss. Sie kehrt noch fast auf der Bühne um, um die zwei Lieder zu spielen. So, als wolle sie vermeiden, dass das Publikum zu lange und laut klatschen muss und somit die Stimmung zerstört. Und damit ist der Abgang von Planningtorock ebenso unprätentiös und leise wie der Anfang.




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