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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Plan Your Escape

Girls In Hawaii

Naturverliebte Melancholie eines belgischen Künstlerkollektivs - und dennoch geht's nur ums Abhauen.
Geschrieben am

Naturverliebte Melancholie eines belgischen Künstlerkollektivs - und dennoch geht's nur ums Abhauen. Dabei ist "Plan Your Escape" eigentlich viel zu schön, um Eskapismus zu predigen.


Hört man die Folk-Popmelodien von Girls In Hawaii, ziehen sofort wunderbare Landschaften vor dem inneren Auge vorbei. Geht gar nicht anders. 2004 traten die Belgier mit ihrem Debüt "From Here To There" zum ersten Mal in unser virtuelles Bewusstsein. Nach einer ausgiebigen Konzertreise quer durch Europa kehrten sie erschöpft nach Brüssel zurück und brauchten erst einmal eine kleine Auszeit, um sich klarzumachen, was genau sie wollten. Fast ein Jahr dauerte es, bis sie sich entschieden, eine neue Platte aufzunehmen und den Weg als Vollzeitmusiker einzuschlagen. Osteuropäische Einflüsse, einsame Mandolinen und Kinderreim-Gesang ("Couples On TV") machen dabei auch das zweite Album zu etwas ganz Besonderem.

Unterwasser-Glockenspiele ("Coral"), jede Menge Geräuschelemente und zufällige Begebenheiten wie Regen, Hundegebell, das Läuten der Kirchturmuhr ("Plan Your Escape") oder Radiofrequenzen aus dem Verstärker ("Road To Luna") erschaffen eine traumhafte Akustik-Kulisse, schwerelos und energisch zugleich. Die Band war schon immer sehr naturverbunden, Blumenkinder inklusive Verzerrer. Und vom eigenen Fluchtplan kann sie auch noch einiges erzählen:

Also, Parole: abhauen. Aber wie?
Antoine: Für mich persönlich ist die Musik mein Fluchtplan. Nach anstrengenden Monaten der Arbeit ist es gut, das Gefühl zu haben, man ist frei, um machen zu können, was man will. "Plan Your Escape" steht für die Freiheit innerhalb der Band.
Daniel: Als wir von unserer ersten Tour zurückkamen, war ich froh, wieder zu Hause zu sein. Das war meine ganz persönliche Flucht. Ich wohne in einem kleinen Dorf 100 Kilometer von Brüssel entfernt, und es war so schön, wieder zurück in meine Heimat zu kommen. Als wir zur Tour aufbrachen, war es andersherum. Da wollte ich aus meinem Dorf flüchten und für längere Zeit mit der Band unterwegs sein. Also ist man so gesehen ständig auf der Flucht.Auf "Plan Your Escape" fallen viele verschiedene Sound- und Geräuschelemente auf. Habt ihr diese Extras alle eher zufällig eingebaut?
A: Ja, im Grunde genommen waren das alles kleine Unfälle, die wir letztendlich spontan in die Songs eingebaut haben. In der Regel ist in einem Studio alles sehr steril. Da gibt es keine Unterbrechungen oder Störungen. Diese Radiostimmen auf "Luna" haben wir direkt aus unserem Verstärker aufgenommen, als die plötzlich auftauchten, während wir was ganz anderes machen wollten. Das passiert schon mal, dass man plötzlich irgendeine Radiofrequenz über die Verstärker empfängt. Normalerweise nervt das eher, aber in dem Moment war es ideal, und unser Produzent sagte sofort: "Kommt, das nehmen wir auf." Und somit klingen die Tracks organischer und weniger steril.

Das erste Album habt ihr ja komplett alleine produziert. Jetzt hattet ihr aber Unterstützung von Jean Lamoot.
A: Ja, wir wollten für "Plan Your Escape" einen Außenstehenden dabeihaben. Jean hat schon viele französische und afrikanische Bands produziert (Alain Bashung, Noir Désir). Wir konnten uns ganz auf unsere Songs konzentrieren, während er sich um das Equipment und die Technik gekümmert hat. Manchmal hat er auch was zu den einzelnen Stücken gesagt, das war hilfreich. Er hat uns aber nie seine Meinung aufgeschwatzt, sondern war einfach ein guter Begleiter, ein neutrales Mitglied, außerhalb der Band.