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LoudQUIETLoud: A Film About The Pixies & This Hungry Life

Pixies & Tanya Donelly

In der Geschichte der Rockumentation gab es erstaunlich viele Beiträge, die bemerkenswert Intimes und Verstörendes über die jeweils behandelten Bands hervorbrachten. Bestes und bekanntestes Beispiel dafür ist wohl der Metallica-Film „Some Kind Of Monster“, in dem die Fans der Band Details über ihre
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In der Geschichte der Rockumentation gab es erstaunlich viele Beiträge, die bemerkenswert Intimes und Verstörendes über die jeweils behandelten Bands hervorbrachten. Bestes und bekanntestes Beispiel dafür ist wohl der Metallica-Film „Some Kind Of Monster“, in dem die Fans der Band Details über ihre Helden erfahren mussten, die ihnen die Schamesröte ins Gesicht trieben. Aber auch „LoudQUIETLoud“ schickt sich nun an, eines dieser legendären Beispiele zu werden. Dabei ist das Werk von Steven Cantor und Matthew Galkin handwerklich gar nicht mal so brillant, dafür aber ist die Story seiner Protagonisten, der Pixies, geradezu hollywoodreif. Wir erinnern uns: 1986 gegründet, veröffentlichten die Pixies vier Alben, die retrospektiv als stilbildend bezeichnet werden, bevor sie 1992, unter der Exzentrik von Frontmann Black Francis leidend, von ebendiesem kurzerhand aufgelöst wurden. Die Begleitumstände waren böse, und die drei verbliebenen Mitglieder sprachen über Jahre hinweg kein Wort mit Francis. Die Folgekarrieren aller vier verliefen in den Jahren danach eher schleppend, und 2004 reformierte man sich für eine äußerst erfolgreiche, schließlich fast zwei Jahre andauernde Tour. Am Anfang dieser Tour setzt der Film ein. Und er zeichnet ein Bild von vier gescheiterten Gestalten, die neben ein bisschen Ruhm vor allem etwas Geld nötig haben. Man nimmt das diesen Gestalten nicht wirklich übel, im Gegenteil freut man sich über den warmen Regen der Anerkennung, der den Pixies überall, wo sie auftreten, aus dem Zuschauerraum entgegenschlägt. Sie nehmen all diese Huldigungen fast schon ungläubig an, ganz so, als ob sie vergessen hätten, dass sie mal etwas schufen, das Menschen bis in die Gegenwart bewegt. So reisen die Pixies vor Ort zu Ort, geben Interviews und Einblicke in ihr Privatleben, machen aber vor allem deutlich, was für eine kaputte Band sie in Wirklichkeit sind. Kelley Deal, mitreisende Schwester von Kim und im Tourtross für gute Vibes zuständig, bringt es an einer Stelle auf den Punkt. Sie meint, dass sie noch nie einer Band begegnet sei, die so wenig miteinander spricht. Sie hat vollkommen Recht. Denn wenigstens Deal und Black präsentieren sich als durchaus unterhaltsame Menschen – wenn sie nicht gerade mit ihrer Band sprechen.

So wird in diesem Film Tragik, Segen und Brüchigkeit der Pixies im Speziellen und jeder kaputten Band im Allgemeinen deutlich. Man wird Zeuge von privatem Schmerz, Drogenabhängigkeit und noch mehr. Und all dem stellt sich nur das Glücksgefühl von ausverkauften Shows am Abend entgegen. Im Vorfeld der Veröffentlichung gab es viel Rummel um die endgültige Fassung des Films, die Pixies intervenierten und zensierten einige Passagen. Dazu bemängelte Frank Black, dass die Filmemacher die Eigenheiten und Befindlichkeiten der Band nicht wirklich verstanden hätten. Welche Wahrnehmung, welche Version auch immer richtig ist – ein Stückchen Wahrheit mit Aussagekraft vermittelt „LoudQUIETLoud“ unbestritten.

Den größeren Erfolg als mit den Pixies in deren ersten sechs Jahren hatte Kim Deal übrigens mit ihrer Nachfolgeband, den Breeders. Besonders deren Hit „Cannonball“ hielt sich über Monate hinweg in Indiediscos und -charts. Ihre damalige Mitstreiterin Tanya Donelly legt nun, nachdem sie zwischendurch mit Belly noch mal in Hitlisten vorstoßen konnte, mit „This Hungry Life“ ein vor Publikum live aufgenommenes Album als ihr viertes Solowerk vor. Unterstützt von einigen gewichtigen Protagonisten der amerikanischen Indiefolk-Szene, hat sie ihrem Rock ein Fundament aus Country gebaut, das sie so sehr wie nie zuvor an Acts wie Neko Case erinnern lässt. Zu mehr als einer bloß altersweisen Platte wird „This Hungry Life“ durch die endlich wieder mal große Qualität der Songs Donellys. Die lassen das Album ruhig, traditionsbewusst und vor allem schön klingen.