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So war's: Der Meister und sein Spukhaus

Pixies live in Köln

Die amerikanischen Indie-Ikonen und Grunge-Wegbereiter Pixies haben am Donnerstag im ausverkauften Kölner Palladium ihr einziges Deutschlandkonzert gespielt. Anders als bei der letzten Tour, haben Sie diesmal ein veritables und durchweg starkes Album voller drei Minuten Kracher im Gepäck.
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Die Demografie der Konzertbesucher überrascht nicht. Durchweg Mitvierziger und nur ganz wenige junge Rockfans tummeln sich in der Halle. Der Merchandising Stand darf sich also über ein kaufkräftiges Publikum freuen. Wenn Frank Black auch in Interviews unverblümt zugibt, dass seine alternden Knochen das Geld, das die Pixies-Maschine generiert, gut gebrauchen kann, so besteht zumindest an diesem Abend kein Grund für die Fans, dem Eintrittsgeld nachzuweinen. 

Kurz nach 21.00 Uhr betritt die Band die zunächst spärlich ausgeleuchtete Bühne, auf der weder Videoleinwände noch ein übergroßes Pixies-Logo mit den Hermesflügeln zu sehen sind. Die Musik setzt nicht gleich ein, erstmal klatschen die Fans frenetisch. Eine Begrüßung seitens des Sängers erübrigt sich, da alsbald die ersten Akkorde des wohl bekanntesten Pixies Hits erklingen: »Where Is My Mind?« Am Ende des Konzerts, nach einem wilden Ritt durch die Album- und Bandgeschichte, wird man diese Frage klar beantworten können. Dann ist das eigene Bewusstsein nämlich endlich nochmal mit abgedrehten Lyrics und Riffs gekitzelt worden und befindet sich an einem anderen, frischeren Ort.

Die Songs »Nimrods Son« von der Debüt-EP »Come on Pilgrim«, das fantastische Neil Young-Cover »Winterlong« und »Motorway to Roswell« vom Album »Trompe Le Monde« spielt Black mit Akustikgitarre. Erst beim nächsten Überhit »Gouge away« schlägt er elektrische Saiten an. Auf der Bühne werden die Lichteffekte intensiver. Black singt das Stück an und verliert sich wie sein Kollege Joey Santiago gleich in ausufernde Gitarrenarbeit. Richtig hart und wuchtig wird es beim Stück »River Euphrates« bei dem Black eine intensive Schreiperformance abliefert.

Im Anschluss daran folgen mit »Talent« und »Oona« die ersten Stücke des neuen Albums »Head Carrier«. Die daraus stammende Zeile »I await destruction« ist Vorbote für den weiteren Konzertverlauf. Immer noch geht es so gut wie ohne Pausen und komplett ohne Ansagen tiefer in das Kaninchenloch des Pixies-Sounds. Black, wie immer in Sakko und Anzughose gekleidet, ist der Herr eines Spukhauses, in dem Verrücktheit und Hysterie ausgelebt wird und in das man als Besucher automatisch reingezogen wird. »Mr. Grieves«, ein weiterer »Doolittle«-Song, greift mit der langgezogenen und leichtverzerrt vorgetragenen Anfangszeile »I hope everything is allright« perfekt diese Stimmung auf.

Bei »Bel Esprit« vom neuen Album erklingt der typische Harmoniegesang, den Black so gerne mit seinen Bassistinnen pflegt. Paz Lenchantin hatte sich ein Stück vorher mit »All I think about now« zaghaft ins Rampenlicht bewegt. Das Duett mit Black überzeugt und  entwickelt live eine kraftvollere Dynamik als auf Platte.
Es folgt »Bone machine« vom Debüt »Surfer Rosa« und wer Francis Black zum ersten Mal erlebt, muss einfach seinen Hut ziehen vor den vulkanhaften Ausbrüchen seiner Stimme. Mittlerweile blitzt auch Stroboskoplicht auf der Bühne auf. Das böse, melodiefreie »Subbacultcha« erklingt, gefolgt vom neuen Stück »Um Chagga Lagga«. »Wave Of Humilation«, »Rock Music« und das The Jesus and Mary Chain-Cover »Head On« vom »Trompe le Monde«-Album bereiten jenen Song vor, mit dem Black sich einst vor der revolutionären künstlerischen Erneuerungskraft von Salvatore Dali und Luis Bunuel verneigte: »Debaser«. Beim »Doolittle«-Opener ist Blacks Stimme an Intensität nicht mehr zu überbieten und dann, nach nur einer Minute, bricht er den Song ab. 

Zum ersten Mal hören wir ihn reden und sich nach der Technik erkundigen. Das Konzert geht weiter, aber der Song wird nicht noch mal aufgegriffen. Unverständlich für jemanden, der den Meister zum ersten Mal sieht, aber bei genauerer Betrachtung nichts Neues. Die Setlists anderer Konzerte verraten, dass immer wieder mal ein Song unter »aborted« klassifiziert werden muss. Mit »U-Mass« geht es auf die Zielgerade. »Monkey Gone To Heaven«  wird nicht mehr kommen, auch nicht der starke Titeltrack »Head Carrier«. Schade, aber die gute Nachricht ist, dass die Pixies auf ihrer Tour die Setlist regelmäßig ändern und die Shows nicht einfach abgespult werden. 

Für die erste Zugabe »Vamos« bleibt die Band nach einer ersten Verbeugung gleich auf der Bühne. Eine Überraschung nach dem Wiederkommen gibt es für eingefleischte Fans nicht. Es ist »Into the White«, die im Original von Kim Deal eingesungen B-Seite zu »Here comes your man«. Paz Lenchatin singt ihn im Stroboskopgewitter, während die Band gleichzeitig in dichtem Nebel gehüllt wird und nicht mehr zurückkommt.

Pixies

Head Carrier

Release: 30.09.2016

℗ 2016 Pixes Music