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So war's in Berlin: Magische Momente

[PIAS] Nites mit Knyphausen, I Am Kloot u. a.

Das Londoner Indie-Label Play It Again Sam (kurz PIAS) feiert Geburtstag und einige seiner tollsten Künstler singen ihm ein Ständchen.
Geschrieben am
13.12.2012, Berlin, Postbahnhof

Anlässlich seines dreißigjährigen Bestehens lädt an diesem Abend die Plattenfirma PIAS ein, um mit bereits etablierten, aber auch neueren Acts des eigenen Rosters sein bemerkenswertes Jubiläum zu zelebrieren.

Zu den noch ziemlich unbekannten Künstlern zählt zweifellos Nicolas Sturm, der die Berliner [PIAS] NITES in der kleinen Halle des Postbahnhof eröffnet. In Begleitung seines Schlagzeugers Jeremy Dhôme alias Das Klingen Ensemble präsentiert der Singer/Songwriter dabei Songs seines im August erschienenen Debüts »Nicolas Sturm«. Von den beseelt vorgetragenen Liedern vermag besonders das zärtliche, zum Abschluss dargebotene »Schiffbruch« zu überzeugen.

Als etwas beeindruckender, weil ausstrahlungsstärker und origineller, erweist sich die Performance der direkt im Anschluss auftretenden Irin Lisa Hannigan, deren charmanter Indie-Folk unmittelbar zu fesseln weiß. Hannigan, mal Ukulele, mal Gitarre verwendend, versteht, vor allem durch ihre gesanglichen Fähigkeiten zu faszinieren. Stücke wie der eigenwillig-prägnante Opener »What'll I Do« oder das vergleichsweise flotte »Knots« zeugen aber auch von der Fähigkeit, großartige Musik schreiben zu können.

Weil PIAS den Abend festivalähnlich ohne Pausen angelegt hat, eilt man im Folgenden zurück in die kleinere Halle der Location, um sich dem ehemaligen Razorlight-Drummer Andy Burrows zu widmen. Trotzdem hält sich die Vorfreude in Grenzen. Zu cheesy, zu sehr dem Mainstream anbiedernd, wirkt Burrows' im Oktober veröffentlichtes Solowerk »Company«. Allerdings gestaltet sich der Auftritt dann doch besser als vorher vermutet. Zwar klingen Songs wie »Because I Know That I Can« auch live relativ glatt, so lässt sich zu den hübschen Melodien des Multiinstrumentalisten immerhin ausgelassen schunkeln. Das mit einer hervorragenden Hookline versehene »Hometown« beweist gegen Ende, dass Andy Burrows durchaus über richtig gute Stücke im Repertoire verfügt.

Danach jedoch steht der erste Höhepunkt der Labelfestlichkeiten an. Denn mit Gisbert zu Knyphausen empfängt der sicherlich beste deutsche Songwriter seiner Generation zu einem seiner raren Konzerte in 2012. Und wie erwartet wird Knyphausen den Vorschusslorbeeren gerecht. Begleitet von seiner punktgenau und virtuos agierenden Band gelingt es dem Wahlberliner, fast die komplette Aufmerksamkeit des bei den ersten Acts sich teilweise respektlos unterhaltenden Publikums auf sich zu ziehen. Kein Wunder allerdings, bei so brillanten und berührenden Songs á la »Es ist still auf dem Rastplatz Krachgarten«, »Grau, Grau, Grau« oder den Klassikern »Sommertag« und »Neues Jahr« sowie der sowohl Traurigkeit als auch Hoffnung vermittelnden Kid Kopphausen-Reminiszenz »Das Leichteste der Welt«. Doch liegt es nicht an den Liedern allein, dass man an den Lippen Gisberts hängt wie ein Säugling an den Brüsten seiner Mutter. Speziell durch seine dringliche Intonation erzeugt Gisbert zu Knyphausen eine Intensität, die am heutigen Tag beinahe beispiellos bleiben wird.

Noch gehörig ergriffen, kommt anschließend der atmosphärisch groovende HipHop von Obaro Ejimiwe aka Ghostpoet sehr gelegen, um die entfachten Emotionen wieder auf ein normales Niveau herunterzupegeln. Der 2011 für den Mercury Prize nominierte Brite performt im Postbahnhof freilich nicht nur ältere Tracks wie »Liiines«, sondern ermöglicht zugleich eine Vorschau auf sein 2013 erscheinendes zweites Album. Den mitunter elektrisierenden, zumeist stoisch fließenden Beats, dürften sich dann nicht wenige hingeben.

Ebenfalls im nächsten Jahr erscheint der neue Longplayer von I Am Kloot, welche heute die Headlinerposition ausfüllen. Und das völlig zu Recht. Denn die Engländer um ihren charismatisch-verschmitzten Frontmann John Bramwell geben einen Gig, an den man sich noch lange erinnern wird. Was zunächst überwiegend mit einer Mischung aus großartigen Songs ihrer letzten Platte und zahlreichen neuen Stücken beginnt, entwickelt sich zu einer umwerfenden Show. Tracks wie »From Your Favourite Sky«, »Storm Warning« oder »To You« führen unwiderruflich vor Augen, wie viele vorzügliche Songs Bramwell bereits geschrieben hat. Folgerichtig erklingt lautstarker Beifall, als I Am Kloot nach einem ungemein bewegenden »Proof« die Bühne verlassen. Der Applaus gilt aber auch dem Geburtstagskind PIAS, dem man diese wundervolle Nacht zu verdanken hat.