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Musik-Branche kickt Phonoline

Phono-Collect R.I.P.

Es hätte so schön werden können. Ganz Deutschland kauft legale Musik über diverse Shops, aber eigentlich steht hinter allem Phonoline - der Backbone, das Rückgrat, der Dienstleister, der an allem mitverdient. Nunja, man hätte schon hellhörig werden müssen, als beim Start, damals auf der CeBit, der K
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Es hätte so schön werden können. Ganz Deutschland kauft legale Musik über diverse Shops, aber eigentlich steht hinter allem Phonoline - der Backbone, das Rückgrat, der Dienstleister, der an allem mitverdient. Nunja, man hätte schon hellhörig werden müssen, als beim Start, damals auf der CeBit, der Kanzler zwar persönlich erschien, aber nichts herunterladen wollte. Eine Presse-Erklärung betonte dies damals, da die GEMA zuvor nach einem Streit mit dem Betreiber-Verband kurzerhand die Rechtmäßigkeit des Phonoline-Angebotes bezweifelt hatte.

Doch nicht erst dadurch war bei der Unternehmung Phonoline der Lack ab. Aufgrund technischer Schwierigkeiten musste der Start von Phonoline immer wieder verschoben werden, weshalb die Plattform branchenintern in Anlehnung an Toll-Collect schon scherzhaft Phono-Collect genannt wurde. Technischer Dienstleister war nämlich auch hier ein Tochterunternehmen der Deutschen Telekom, T-Com. Als klar wurde, dass es hier um mehr als nur Kinderkrankheiten ging, hatten viele die Sache schon selber in die Hand genommen, übrig blieben neben einigen kleineren die Shops von Coca Cola, CTS Eventim und Popfile. Phonoline, so stellte sich schon bald heraus, war ein Flop.

Als nun vergangenes Wochenende die Information an die Frankfurter Allgemeine Zeitung herangetragen wurde, dass der Industrie-Verband der deutschen Tonträgerbranche endlich einen Schlussstrich setzen will, stand der Schuldige für das Debakel bereits fest. Genau wie bei Toll-Collect soll der technische Dienstleister büßen und bluten. Die Deutsche Telekom bietet Hilfestellung, stimmt im Falle T-Com saftigen Schadensersatzansprüchen zu und lässt alle Phonoline-Aufgaben dafür in den Verantwortungsbereich ihrer Tochter T-Online übergehen, die mit ihrem Download-Dienst Musicload zumindest etwas mehr Glück hatte. Der Auftrag bleibt so in der (Konzern-)Familie und der Auftraggeber, der Verband der deutschen Tonträgerindustrie, wäscht die Hände in Unschuld.