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»Medium Cool World«

Pelzig

Zwei Jahre nach Slut sind auch Pelzig zurückgekehrt und erinnern eindringlich daran, was seit dem Ende von Indie-Rock der 1990er-Prägung fehlt.
Geschrieben am
Künstlertum privatisiert: Pelzig sind mittlerweile meilenweit davon entfernt, als nächste hotte Indie-Rock-Band den Planeten zu erobern. Das Thema hatten die Münchener schon rund um die Jahrtausendwende, als sie als widerborstige Cousins von Slut deren Pop-Harmonien vier Alben lang mehr Tiefe und Kante gaben. »Safe In Its Place«, die letzte dieser LPs, erschien 2004 – und Pelzig verschwanden danach in der Versenkung. Seitdem sind die vier Charaktere der Band privat an ganz anderen Punkten angekommen. Als Quartett setzen sie nun - reichlich plötzlich - aber wieder dort an, wo sie einst auseinandergingen. Denn auch auf ihrem fünften Album »Medium Cool World« weigern sich Pelzig, dem Indie-Rock neue Hymnen zu schenken. Stattdessen bauen sie die Untiefen seines Untergrunds aus. Stilistisch ist das, auch typisch für diese Band, höchst heterogen: Mal Alternative-Rock aus der alten Notwist-Schule, mal mit Mogwais Postrock-Ingredienzien, manchmal sogar in pathetischen Sphären Placebos oder der Editors, aber immer leicht räudig, leicht Garage, leicht fies.

Die Spitze setzt der Beinahe-Titeltrack »My Medium Cool World«, bei dem Sänger Christian Schulmeyr auf einem verschleppt-verdreckten HipHop-Beat und Sound-Spulen aus der Synthie-Vorzeit beinahe atemlos seine ganze Ohnmacht gegenüber seiner Umwelt heraus nuschelt. Überhaupt die Texte, sowieso schon immer eine besondere Stärke Pelzigs: Man bekommt das Gefühl, dass ihr fortgeschrittenes Alter der Glaubwürdigkeit und Dringlichkeit ihres Vortrags einen zusätzlichen Schub verleiht. Sie vollenden ein hochklassiges Albumbeispiel für einen Stil, den man lange nicht mehr hörte, nach »Medium Cool World« aber plötzlich seltsam schmerzhaft vermisst.

- Pelzig »Medium Cool World« Cargo / VÖ 27.11.2015

Pelzig

Medium Cool World

Release: 02.10.2015

℗ 2015 Cargo