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Hoolend, kraftmeiernd

Peeping Tom live

13.11.2006, Berlin, Postbahnhof. Völlig durchgehämmert soll er jetzt sein, gar nicht mehr singen, nur noch quengeln, wispern und bölken. Dies alles und noch viel mehr gab es zu lesen anlässlich des Gastspiels seines Projektes Fantomas im Mai diesen Jahres. Ihr ahnt, es geht um den gestandenen Sanges
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13.11.2006, Berlin, Postbahnhof. Völlig durchgehämmert soll er jetzt sein, gar nicht mehr singen, nur noch quengeln, wispern und bölken. Dies alles und noch viel mehr gab es zu lesen anlässlich des Gastspiels seines Projektes Fantomas im Mai diesen Jahres. Ihr ahnt, es geht um den gestandenen Sangesbruder Mike Patton, dereinst mit legendärer Crossoverkapelle eine große Nummer, später mit prachtvollen Projekten wie Mr. Bungle, Lovage, Tomahawk oder den erwähnten Fantomas zur vollen künstlerischen Würde gereift. Und nun? Ist jetzt etwa Abbitte fällig, Rehabilitierung gar? Nur weil Mike mit seinem neuesten Ensemble Peeping Tom samt deren Debütwerk gestern in Berlin Station machte und zu diesem Anlass wie in besten Zeiten croonte, shoutete und trällerte?

Nein, Demutsgesten sind angesichts der Dicke-Hosen-Performance des rüpelhaften, lollielutschend auftretenden Barden nicht angebracht. Dann doch eher der Mittelfinger, den er dem verehrten Publikum ein ums andere Mal entgegenreckte. Daneben aber auch Respekt für den geleisteten anderthalbstündigen Parforceritt durch das bisherige Werk von Peeping Tom samt Human Voice-Box- und DJ-Einlage vom Feinsten. Dargeboten von dem Patton, den wir so lieben. Der von Arschlöchern singt, die auf Bäumen wachsen. Der den Kobold gibt, die Zähne fletschend, die Augen rollend, der die böse Lache zelebriert und sich ausgiebig verbal am deutschen Wesen und dessen vielbeschworener Humorlosigkeit (Unerhört! Waren die WM und ihre Nebenwirkungen etwa anders zu ertragen?) labt. Der bei diesem segensreichen Wirken kompetent unterstützt wurde von einem spielfreudigen Ensemble, zusammengesetzt aus den Mitgliedern des bemerkenswerten Supportacts Dub Trio, angereichert um MC, Sonddreher und DJ.

An dieser Stelle sei - obwohl der Meister selbstverständlich im Mittelpunkt stand - eine Mitstreiterin ausdrücklich erwähnt, weil es sich auch für einen Mike Patton eben noch viel schöner von der Bühne herab hoolt und kraftmeiert, wenn seine Gesangslinie derweil gekonnt gedoppelt wird: Die Backgroundsängerin machte die pomadigen Albumperformances der Promis wie Norah Jones oder Astrud Gilberto glatt vergessen. Was folgte, waren verdiente Ovationen eines mitgerissenen Publikums. Mit "Across the 110th Street" kamen Peeping Tom noch einmal schwungvoll zurück, und nachdem der Frontmann diese Nummer gründlich zerlegt hatte, war es um das Konzert endgültig geschehen. Hasta luego, bis zum nächsten Mal, und dann zur Abwechslung gerne mal wieder mit Mr. Bungle.