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Vaudeville

Pawnshop Orchestra

Vaudeville Vaudeville ist wirklich ein tolles, klangvolles, anmutiges Wort. Eine Definition führt es auf das französische “voix de ville” (Stimme der Stadt) zurück. Vaudeville umschließt als Bezeichnung in seiner Entwicklung Trink- und Volkslieder,
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Vaudeville

Vaudeville ist wirklich ein tolles, klangvolles, anmutiges Wort. Eine Definition führt es auf das französische “voix de ville” (Stimme der Stadt) zurück. Vaudeville umschließt als Bezeichnung in seiner Entwicklung Trink- und Volkslieder, derbe Unterhaltung in Paris ab 1715 sowie Theater im Stil des Varieté. Ein in Deutschland bekannter englischer Vaudeville-Künstler ist Freddie Frinton, dessen “Dinner For One” auf eine Vaudeville-Nummer zurückgeht. Ein bisschen so wie diese bekannteste aller Servicekräfte könnte man sich Daniel Decker, Mastermind des Pawnshop Orchestra, vorstellen: leidenschaftlich bei der Sache, versonnen, ein bisschen verschroben. Nicht aber, dass hier ein zu angestaubtes Bild entstünde. Der Kölner Songschreiber ist eine junge, wache Stimme der Stadt.

Die elf Songs des Debüts, auf dem die sonstige Ein-Mann-Kapelle von weiteren Musikern bereichert wird, streifen verschiedene Musikstile, ohne sich zu verzetteln. Immer bleibt ein naher, warmer, angerauter Sound, der Folkrock-, Country- und Indiepop-Elemente angenehm launig vereint. Mal shufflig-schleppend, mal fluffig, mal dringlich. Daniel Deckers Sangesart steht da in guter Singer/Songwriter-Tradition: beizeiten zwischen den Zähnen murmelnd, mal einen kleinen mutigen Ton daneben zum Aufhorchen, laut und stark in den richtigen Momenten wie z. B. auf dem fünften Song “Bei Dir”: “Ich kann dir nichts bieten / Ich kann dir nur sagen / Dass ich glücklich bin / Bei dir.”

Pawnshop Orchestra kann an Fink erinnern, an den näselnden Arne Zank, an Tilman Rossmy oder auch an eine (zum Glück) desolatere Form eines anderen Doppel-Ds, Dirk Darmstädter. Weder Schrulligkeit noch Melancholie werden auf “Vaudeville”, das übrigens auf dem eigenhändig betriebenen Label Lolila erscheint, überstrapaziert, das Album bietet dabei einen mit Akustik- und Slide-Gitarren, Rhodes, Metallophon, Banjo und Glockenspiel unterlegten Innenwelt-Einblick. Die Texte handeln vom Sehnen und Wünschen und der traurigen wie schönen Erkenntnis, dass es wohl weitergeht, auch wenn man nicht bekommt, was man sich wünscht.

Nach dem Titelstück, dem einzigen ohne Gesang, eine Vaudeville-Hommage vielleicht mit anschließenden Zirkusklängen, endet das Album mit dem Song “Ein Wunsch” versöhnlich: “Und ich fange an zu glauben ... / An die Seele, an die Liebe / Vielleicht sogar an dich / Vielleicht sogar an mich.”