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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Young Prayer

Panda Bear

Panda Bear gehört zum harten Kern des mysteriösen New Yorker Avantgarde-Ensembles Animal Collective, das sich dadurch auszeichnet, dass es den Gedächtnisspeicher Pop auswringt, um daraus völlig überdeterminierte Experimente zu bricolieren, daran aber bereits im Moment des Verfertigens das Interess
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Panda Bear gehört zum harten Kern des mysteriösen New Yorker Avantgarde-Ensembles Animal Collective, das sich dadurch auszeichnet, dass es den Gedächtnisspeicher Pop auswringt, um daraus völlig überdeterminierte Experimente zu bricolieren, daran aber bereits im Moment des Verfertigens das Interesse zu verlieren und stattdessen ins Nebensächliche abzuschweifen. Panda Bears zweites Soloalbum – ein erstes erschien bereits 1999 auf Soccer Star Records, ich kenne es (leider) nicht – ist demgegenüber sehr zurückgenommen und konzentriert. Mit einer Gesamtlänge von 28 Minuten (gefühlte Dauer: 74 Minuten!) weist es in eine Zeit zurück, als sich weggetretene Songwriter wie Skip Spence, Syd Barrett oder Dino Valente weggetreten psychedelische Alben abrangen, um anschließend ganz zu verstummen. Sehr (!) fragile Songstrukturen werden hier mit einer ungewöhnlichen Kopfstimme ausmodeliert, die sich mitunter zu Beach-Boys’esken Vokalarrangements hinreißen lassen will, was allerdings naturgemäß scheitert. Wollte man es also auf eine knappe Formel bringen, müsste sie wohl lauten: Beach Boys & Vincent Gallo & The Incredible String Band, wobei es Panda Bear gelingt, diese High-Brow-Kombination so zu gestalten, dass der jeweilige Glamour der unterschiedlichen Ansätze systematisch gebrochen und dekonstruiert wird. Meint: Die visionären, an Bach und Barbershop geschulten Melodieführungen der Beach Boys werden mit den offensiv ungelenken vokalen Möglichkeiten der Incredible String Band realisiert, wobei der Gallo-Touch die nötige Portion Nicht-Kommunikationsfähigkeit und Selbstvergessenheit hinzufügt. ›Young Prayer‹ ist also ziemlich gespreizter, schwerst melancholischer Kammer-Folk, der durchaus irgendwann mal sehr gesucht sein könnte.