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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Du bist nicht Pete Doherty!

Palma Violets

Als um die Jahrtausendwende Bands wie The Strokes oder The Libertines auf der nahen und doch so fernen britischen Insel aus dem Boden gestampft wurden, waren Sam, Pete, Will und Chilly im Grundschulalter. Knappe zehn Jahre nach der ersten Generation, wollen sie es 2013 mit ihrem Debütalbum »180« auf Kultstatus schaffen.
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»I’ve got a brand new song, it’s 2:50 long, it’s radio friendly and i’d love to show the world my new song, it keeps me up all night long«, singt Sam Fryer, Frontmann der 2011 gegründeten Palma Violets im Song »14«. Dass er hin und wieder auf der Straße erkannt wird, findet er aber total beunruigend, erzählt er im Michelberger Hotel in Berlin und zieht sich schon beim Gedanken daran den Schal weiter ins Gesicht. »Es wäre schon cool, mal einen Status zu erreichen, wie die Libertines ihn heute haben. Ich bin mit deren Musik aufgewachsen und Pete Doherty ist so was wie mein Vorbild, auch wenn ich lieber für andere Dinge bekannt werden möchte, als er.«

Brave Jungs also? Auf die Frage nach der gemeinsamen Schulzeit mit den Bandkollegen Pete und Will reagiert Halb-Walise Sam mit oktroyiertem Schweigen, »über die Schulzeit darf ich nicht sprechen.« Nach ein bisschen hin und her kann er sich dann aber doch nicht beherrschen... »Will, Pete und ich waren zusammen auf einem gemeinnützigen Internat. Wir haben schon früh angefangen uns für ähnliche Musik zu interessieren und hatten auch mal eine Schülerband. Bei unserem ersten Auftritt in der Aula wusste ich eigentlich schon, dass ich mal in einer Band sein will.« Internat, Schuluniform und Nachtruhe? Erzähl das mal Pete Doherty!

Im Sommer 2011 lernte Sam beim Reading Festival Chilly Jesson kennen, der vorschlug sein Manager zu werden. Heute ist Chilly Bassist, eine Art Mastermind der Band und mit gerade 16 das jüngste Mitglied. Schon im Winter 2011 begannen die vier unter dem Namen Palma Violets erste Konzerte in London zu geben, wo schnell einige Plattenfirmen auf sie aufmerksam wurden. „Wir hatten die Wahl zwischen all den Labels, die wir interessant fanden. Am Ende haben wir uns aber für Rough Trade entschieden.« Auf der einen Seite sind Rough Trade DIE Institution für aufstrebende Londoner Indie-Bands, auf der anderen Seite war Rough Trade aber auch das einzige Label, das der Band direkt am Konzertabend einen Vertrag vorlegte, ohne drüber-schlafen, ohne zweite Meinung. Das lehnten die vier Teenager natürlich nicht ab und landeten so schon im Oktober 2012 ohne relevante Veröffentlichungen und ohne Fanbase auf dem Cover des NME, wie auch schon die Libertines kurz vor ihrem großen Durchbruch.

Über Weihnachten stellten die Palma Violets dann ihr Album »180« fertig und zierten in der ersten NME Ausgabe 2013 gemeinsam mit Haim erneut das Cover des NME, dieses Mal unterstellte man ihnen sogar, mit »Best of Friends« den Song 2013 eingespielt zu haben. Zugegeben, »Best of Friends« ist einer der Songs, die man nach drei Mal hören schon mit Indie-Disko Schockern wie »Delivery« (Babyshambles) oder »Last Night« (The Strokes) in eine Kiste packen möchte. Dass Palma Violets »etwas neues aus vielen alten Einflüssen« geschaffen haben, überhört man jedoch leicht. Selbst der Brit-Faktor ist vergleichsweise gering, den Sound der Band würde man heute wohl eher in Brooklyn verorten.  »Es spielt keine Rolle, wo du herkommst, um als Musiker erfolgreich zu sein«, sagt Sam. Käme das Londoner Vorortkind allerdings aus Kroatien, Deutschland oder Portugal, würde er sich das sicher noch mal anders überlegen.

Palma Violets, die ihren Bandnamen aus einer »sauekligen britischen Süßigkeit« und der Vorliebe für die Strandgewächse konstruiert haben, werden nicht die Libertines, da kann der NME noch so viel an ihnen herumdoktern und sie noch sieben Mal auf dem heiligen Cover platzieren. »Best of Friends«, »Tom the Drum« und »I Found Love« werden uns diesen Sommer sicher begleiten, uns im Herbst dann aber auch für den nächsten verfrühten Hype des NME wieder hergeben. Bis dahin!