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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

I Do Perceive

Owen

Manche wollen ja immer nur kuscheln. Keine leidenschaftlichen Schwüre im strömenden Regen, keine blauen Lippen vom wilden Knutschen, keine Flecken auf den Laken vom wilden Aneinanderreiben. Musik zum Kuscheln macht Owen. Ein - glaubt man dem CD-Cover - etwas ausgemergelter Typ mit markanter Nase ohn
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Manche wollen ja immer nur kuscheln. Keine leidenschaftlichen Schwüre im strömenden Regen, keine blauen Lippen vom wilden Knutschen, keine Flecken auf den Laken vom wilden Aneinanderreiben. Musik zum Kuscheln macht Owen. Ein – glaubt man dem CD-Cover – etwas ausgemergelter Typ mit markanter Nase ohne Körper. Owen kommt aus Chicago, heißt eigentlich Mike Kinsella und macht mit seinem Cousin Nate Kinsella Musik. Man ahnt es gleich: Hinter dieser kleinen Familiencombo stecken Fingerpicking-Gitarrenakkorde hier, sanfter Flüster-Gesang da, eine silbrige Becken-Fontäne dort und Zeilen wie „You put on your raincoat“ oder „That tattoo isn’t funny anymore“ auch noch irgendwo. Mit viel Melancholie, langen Blicken aus dem Fenster und tiefen Seufzern zu dampfendem Johanniskrauttee. „Majestätisch als auch wundervoll“ werden die acht Lieder auf „I Do Perceive“ in der Presseinfo bezeichnet. Wer’s mag, der braucht’s. Doch mir ist’s, mit Verlaub gesagt, herzlich egal. Im Gegensatz zum ganz reizenden Album „Every Night“ der Band ohne Mitglieder rund um Alleskönner Fred Thomas gleich Saturday Looks Good To Me. Die Leute kommen aus Detroit, Michigan und sind so was wie die Indierock-Antwort auf Phil Spector, Brian Wilson und George Martin. Also klingt es hier ganz fein nach Ronettes und nach Beach Boys und damit natürlich gut, fröhlich stimmend und zum Glück nicht aufgesetzt retro – puh! Kein digitaler wall of sound, hier und dort ein bisschen Live-Flair, und dann dürfen auch noch richtige Musikinstrumente mitmachen: viele schöne Streicher, ein Akkordeon, ein Glockenspiel und eine zwölfsaitige Gitarre etwa, und auf jeden Fall erwähnenswert die schmissigen Orgelsolos. Dazu verschiedene schöne Frauenstimmen, mal solo und in Duetten. Das schönste Lied ist wohl „The Girl’s Distracted“, bei dem all diese Dinge zusammentreffen. Ach ja, kuscheln muss man zu dieser Musik nicht. Eher coole Drinks trinken (Alkohol ist nicht verboten) und mit den Hüften shaken. Dabei macht sich ein Schätzchen im Augenwinkel gut.