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Königliche Klänge

Oscar And The Wolf live in Antwerpen

Max Colombie, besser bekannt als Oscar And The Wolf, hat ein Heimspiel. Der Belgier zeigt, warum er in seinem Heimatland zu den ganz Großen gehört. Marius Wurth war für uns vor Ort.

Geschrieben am

27.10.2017, Antwerpen, Antwerps Sportspaleis


Der König schaut von oben herab. Nicht aus Arroganz, vielmehr als standesgemäßer Akt der Repräsentation. Und Max Colombie ist im Moment tatsächlich so etwas wie Belgiens Pop-König. Während Oscar And The Wolf in Deutschland noch als sogenannter »emerging artist« gilt, füllt er in seiner Heimat die größten Hallen des Landes und nimmt mit Leichtigkeit die ersten Plätze der Charts ein. Dementsprechend ist es nur angebracht, dass er sich zu Beginn des Konzerts, hoch über seinen Anhängern erhoben, eben von diesen bejubeln lässt: Der überdimensionierte LED-Käfig, der über die Bühne des Antwerps Sportspaleis gestülpt ist und seine dreiköpfige Band beherbergt, funktioniert anfangs als royales Podest, auf dem Colombie die ersten drei Songs performt.

Schon zu diesem Zeitpunkt wird die Lady Gaga-eske Vorliebe für extravagante Kleiderauswahl deutlich. Des Königs neue Kleider: In seiner Montur aus Glitzer-Augenbinde, Netztop, Daunen-Steppjacke, Lack-Jogginghose und Springerstiefeln begibt sich Colombie nach unten, auf die ins Publikum reichende, T-förmige Bühne. Diese wird immer wieder vom Freund des berühmten Modedesigners Dries van Noten in einen Laufsteg verwandelt, ohne in reine Leibesschau auszuarten.

Nicht nur stilmäßig ist hier alles ein bisschen größer: Oscar And The Wolf hat aufgefahren. Alles was sich irgendwann mal in der Popshow-Trickkiste befand, wird auch wieder rausgeholt: Funkenregen, Feuerfontänen, Tänzerinnen-Einlagen, Luftschlangen, Konfetti, was man halt so kennt. Dies kann man getrost überspitzt finden, passt aber tatsächlich zur sympathischen Extravaganz Colombies.

Diese potenziell peinliche Veranstaltung wird auch deswegen nicht zum Fremdschäm-Festival, weil Oscar And The Wolf den Hauptkern des Ganzen nicht aus den Augen verliert: die Musik. Denn die ist zwar offensichtlich extrem massentauglich, jedoch keinesfalls dummdreist simplifiziert, wie der hierzulande in den Hitparaden vorherrschende Wohlfühlpop. Im Gegenteil schafft es Colombie immer wieder auf spannende Weise, seine zwischen Traurigkeit, Melancholie und enttäuschter Hoffnung mäandernden Lyrics mit gefälligen bis höchst interessanten Sounds zu untermalen. Die Single »Breathing« ist feinster Electro-Pop, »Runaway« wird live beinahe zum gänzlich unironischen Trance-Banger, »Pretty Infiniti« versucht großartig sich an einer sphärischen Mixtur aus Dreampop und The Weekndschem R’n’B.

Dass das konzeptionell als auch musikalisch ebenso auf kleineren Bühnen beeindruckt, kann man sich leicht vorstellen. Zu drückend ist der Sound, zu impulsiv ist Colombie als Performer und zu einnehmend das Gesamtkonstrukt, als dass das nur im riesigen Maßstab funktionieren würde. Oscar And The Wolf zementiert sich seinen belgischen Pop-Thron – lang lebe der König!