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»Ordnung im Lot«: Ich sehe was, was Du nicht siehst

So war der Tatort gestern

Wir blicken zurück auf den gestrigen Krimiabend: Peter Flore widmet sich montags immer dem neuesten »Tatort«.
Geschrieben am

Wenn Ameisen auftauchen, wird es meistens ungemütlich. Das war in »Formicula« so, das war im Siebziger-Jahre-Öko-Horrorfilm »Hotel des Todes« so - und auch im neuesten Bremer »Tatort« »Ordnung im Lot« verheißen die fleißigen Tierchen nichts Gutes. Mehr noch: Für die paranoid schizophrene Sylvia Lange (überzeugend gespielt von Mira Partecke) sind sie überall - ein Umstand, den sie zumindest in diesem »Tatort« mit ARD-Nachrichtensprecher Michail Paweletz teilen, denn der ist auch überall. Redet aus dem Fernsehen direkt mit Frau Lange, taucht urplötzlich hinter Autos auf und gibt verklausolierte Anweisungen, was als nächstes zu tun ist.

In Verbindung mit einem handelsüblichen Bremer »Tatort« klingen obige Ausführungen zwar auf den ersten Blick nach dramaturgischer Massenkarambolage, tatsächlich bildet die Inszenierung des Innenlebens der verdächtigen Sylvia Lange aber ein überraschendes Highlight in einem letztlich banalen Kriminalfall. Zumal echte Alptraumszenarien im »Tatort« für gewöhnlich eher durch die mangelhafte Inszenierung hervorgerufen werden statt durch die handwerkliche Kompetenz der Suspense-Azubis von der ARD. Sicher, letztlich kaschieren die Wahnvorstellungen der jungen Frau gekonnt den dürftigen Tathergang samt Motiv, nämlich (Auftrags-)Selbstmord zwecks Versicherungsbetrug.
[usercomment=http://www.intro.de/forum/plink/3/1075711636/1329118105]Mir hat der auch gut gefallen. Immerhin hört man in Bremen auch LCD Soundsystem.[/usercomment]
Und natürlich nervt Inga Lürsen (Sabine Postel), die im Gegensatz zum faktenverliebten Kollegen Stedefreund (Oliver Mommsen) offenbar nur nach innerer Eingebung gefühlig vor sich hin ermittelt. Zudem kommt es selten vor, dass in der Figurenkonstellation Junge/Hund der Hund für die schauspielerischen Glanzlichter zuständig ist - dennoch ist »Ordnung im Lot« nach langer Zeit mal wieder ein gelungener Bremer »Tatort«. Insofern erwähnenswert, als dass sich »Bremer Tatort« zu »gelungen« für gewöhnlich verhält wie »Zeugen Jehovas« zu »Bitte treten Sie ein«.

Das war super: Der Gastauftritt der im Wind tanzenden Plastiktüte aus »American Beauty«.
Das war mies: Vincent Göhre (in der Rolle des Max Lange), der vor der Kamera sichtlich Mühe hatte, Mimik und Text in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen.
Lichtblick: Hund Fido, der offenbar direkt aus dem Blumfeldvideo in den »Tatort« gelaufen ist.

Auf Grund örtlichen Kollektivfrohsinns pausiert der »Tatort« eine Woche. Am 26.02. ermitteln dann wieder die Münchner Leitmayr und Batic in »Der traurige König«.

Den aktuellen »Tatort« kann man noch bis nächsten Sonntag in der ARD Mediathek anschauen, aus Jugendschutzgründen allerdings nur zwischen 20 und 6 Uhr.

»Will denn niemand was zum gestrigen Tatort schreiben?«:
Im Forum diskutieren Intro-User über vergangene und aktuelle Tatorte.

Alle Texte zum Thema »So war der Tatort gestern« unter
www.intro.de/spezial/sowardertatort.