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Neue Bands fürs Jetzt

Ωracles und die Liebe zum Detail

Diese Band ist das Ergebnis einer Reise ohne Anfang. Ein Zusammenschluss von fünf Individualisten, die sich schon seit Jahren im selben Dunstkreis zwischen Köln, Essen und Berlin bewegen und nun beinahe folgerichtig als Ωracles zusammengefunden haben. Das Koordinatensystem ihres Klangs umreißt Welten: von Kraut, Psychedelic Rock und Alejandro Jodorowsky bis zu Disco, Afrobeat und Jess Franco.
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Es empfiehlt sich zum Einstieg ein kurzer Blick auf die musikalischen Biografien der Bandmitglieder. Joshua Gottmanns hatte als Sänger von beat!beat!beat! erste Erfahrungen mit dem Pop-Zirkus gemacht. Bei Ωracles teilt er sich den Gesang mit Nils Herzogenrath, der bislang mit seinem Soloprojekt Vomit Heat den Grenzbereich von Ambient und Drone erforscht hat. Auch Tastenspielerin Hanitra Wagner und Gitarrist Dennis Jüngel spielten bereits in anders klingenden Formationen. Komplettiert wird das Line-up von Schlagzeuger Niklas Wandt, der bereits für Stabil Elite trommelte und solo als Illoyal im Rap-Untergrund unterwegs ist.

Zusammen arbeiteten die fünf Songskizzen aus, die Joshua und Nils über Monate bei losen Treffen erdacht hatten. Vagen Ahnungen folgten klare Vorstellungen, Melodien und Strukturen. »Das Songwriting der EP ist in vielen nächtlichen Stunden bei mir im Schlafzimmer passiert. Viele der Synthie-Spuren, die dort entstanden, sind letztlich auch auf ›Stanford Torus‹ gelandet«, erklärt Joshua und betont gleichzeitig die Wichtigkeit des kollektiven Weiterentwickelns jener rudimentären Versatzstücke: »Egal, wie klein oder groß der Beitrag von jedem Einzelnen zu einem Lied ist, das Gesamtbild ist immer ein Bandprodukt. Manchmal macht einen Song die kleinste Idee aus.«

Diese Liebe zum Detail ist überall im Werk von Ωracles zu spüren. Am deutlichsten zeigt sie sich im Video zu »Melt Tonight«, einer Hymne für die Sommerabende im Märchenland. Der vierminütige Clip ist eine bildgewaltige Hommage an 70er-Exploitation- und Horror-Filme wie »Vampyros Lesbos«. Unheilige Rituale treffen auf Pastellfarben und psychedelische Lichteffekte. Eine Ästhetik, die wohldurchdacht und stimmig wirkt. »Uns ist wichtig, als Band auch über das Aussehen der Videos, Cover und Tourplakate nachzudenken. Es hört nicht dabei auf, im Studio zu stehen und eine Gitarre einzuspielen«, kommentiert Joshua, der das Storyboard dazu geschrieben hat. »Dumpfe Vintage-Vergleiche sind immer schwierig, aber natürlich hat das Video klare Referenzen, und ich liebe diese Filme«, ergänzt Schlagzeuger Niklas. »Trotzdem sind Ωracles auf keinen Fall die Typen, die jetzt übelst die Siebziger wieder aufleben lassen wollen.«
 
Der Gefahr, durch Musik und Bildersprache als Anführer eines Kraut-Revivals wahrgenommen zu werden, ist sich die Band bewusst, lässt sich dadurch jedoch keineswegs einschüchtern. »Wir möchten eine Art Mehrwert schaffen«, erklärt Niklas. »Dieser speist sich wie jedes kulturelle Produkt unweigerlich zu einem Teil aus Referenzen, schafft es aber im besten Fall, sich durch etwas Individuelles abzuheben und so zu einer eigenen Äußerung zu werden.« Mit »Stanford Torus« ist der Band genau das geglückt. »They’re shit-hot«, findet daher auch Pete Doherty, nachdem er zufällig Zeuge des ersten Konzerts im Studio ihres Labels Clouds Hill geworden war, und lobte die Band öffentlich im NME. Zudem lud er sie ein, im Herbst den Support für die Libertines bei einer Show in Kopenhagen zu übernehmen. Doch auch ohne den prominenten Fürsprecher darf man Ωracles eine goldene Zukunft voraussagen.

Ωracles »Stanford Torus« (EP / Clouds Hill / Rough Trade / VÖ 19.09.14) Auf Tour vom 17.10. bis 19.11.

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