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Zahnbohrer versus Phil Collins

Oneohtrix Point Never im Gespräch

Unsere Autorin bat den New Yorker Produzenten Daniel Lopatin alias Oneohtrix Point Never um Interpretationshilfe bei seinem neuen Album »G.O.D.«.
Geschrieben am
Um gleich zu Beginn das erste Rätsel zu lüften: Oneohtrix Point Never (OPN) ist ein Wortspiel, das sich auf die Frequenz 106.7 des Bostoner Radiosenders WMJX bezieht. Die Idee zu OPN kam Daniel Lopatin 2007 beim Zahnarzt. »Während ich das Metallgeräusch auf meinen Zähnen hörte, lief Phil Collins im Radio. Ich fand es interessant, wie diese zwei gegensätzlichen Klangwelten gleichzeitig stattfanden, und wollte Musik machen, die so klingt.« Zuvor war der umtriebige Musiker bereits solo als Chuck Person und in zahlreichen Kooperationen wie Ford & Lopatin oder Tim Hecker / Daniel Lopatin aktiv gewesen. OPN ist das bisher wohl persönlichste Projekt des rastlosen Amerikaners.

Gelangweilt von musikalischen Genre-Schubladen, möchte OPN »das ganze Bild zeigen und ein Gemälde verschiedener Einflüsse zeichnen«. Auf Tour mit Nine Inch Nails kam ihm die Idee zum neuen Album »Garden Of Delete«: »Ich wuchs mit dieser Band auf. Die Musik erinnert mich an die traumatische Zeit der Pubertät. Ich wollte die Eigenheiten dieser Musik nutzen und sie zu etwas Interessantem umformen.« Das Ergebnis beschreibt OPN als »wirklich verrückte Lieder«, die jedoch nicht so filmisch seien wie auf dem Vorgängeralbum »R Plus Seven«. »Meine Mutter sagte, meine früheren Sachen seien ein einziges Wirrwarr für sie. Sie mag die Musik, muss sich aber immer einen Film dazu vorstellen, um sie leichter hören zu können. Bei meinem neuen Album genoss sie einfach die Lieder. Das freute und erleichterte mich sehr, denn das war meine Absicht.«

Um sich und seine Fans bis zum Albumrelease bei Laune zu halten, inszenierte OPN eine virtuelle Schnitzeljagd. Mithilfe eines Aliens namens Ezra (OPNs Metapher für die Pubertät), eines ominösen Briefs an die Fans sowie von zwielichtigen Blogs gab er Stück für Stück mehr über das neue Album preis. »Es war spannend, zu sehen, wie Leute von ganz alleine ihre Rolle in dem Ganzen einnahmen und Sachen rebloggten. Ich las ihre Posts und fügte Sachen hinzu, um zu sehen, wie weit man das verstörende Zeug treiben kann, indem man einfach mitspielt.« Was nach ausgeklügelter viraler Marketingstrategie klingt, ist für Lopatin Kritik an ebendieser: »Ich finde es ekelhaft, Menschen glauben zu lassen, etwas Durchgeplantes sei organisch, und wollte meine eigene satirische Version davon machen.«  Viel weiter will OPN das Spiel mit den Untiefen des Internets jedoch nicht treiben, »sonst lande ich immer tiefer in diesem verrückten Kaninchenbau!«
Oneohtrix Point Never »Garden Of Delete« (Warp / Rough Trade / VÖ 13.11.15)

Oneohtrix Point Never

Garden of Delete

Release: 13.11.2015

℗ 2015 Warp Records