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Evan Dando live mit John Kastner

One more time, baby

28.2.05, Köln, Gebäude 9 Die wichtigste Nachricht vorweg: Ganz offensichtlich war Evan Dando an diesem Abend nüchtern wie schon lang nicht mehr, so dass zumindest die Rahmenbedingungen für ein potenzielles Konzert des Jahres stimmten. Recht schnell war zwar klar, dass es für eine Clubtour mit B
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28.2.05, Köln, Gebäude 9

Die wichtigste Nachricht vorweg: Ganz offensichtlich war Evan Dando an diesem Abend nüchtern wie schon lang nicht mehr, so dass zumindest die Rahmenbedingungen für ein potenzielles Konzert des Jahres stimmten. Recht schnell war zwar klar, dass es für eine Clubtour mit Band auch dieses Mal nicht reichen wird. Aber wer hat denn genug Songs in petto, die akustisch nichts verlieren, wenn nicht der Kopf der Lemonheads selbst? Unterstützt wurde er an diesem Abend von John Kastner, der Momo aus der Lindenstraße nicht unähnlich sieht und früher als Frontman der Doughboys, eher einer Fußnote der Popgeschichte, fungierte. Eigentlich war das ein netter Support-Act, er hätte seine E-Gitarre aber besser für eine akustische im Koffer stehen lassen sollen. Außerdem fehlen seinen Songs wohl die paar Prozent, die es gebraucht hätte, um von diesem Künstler genauso schwelgen zu können wie vom Ex-Pin-Up-Boy der Indie-Journaille. Wenigstens passte Kastners Auftritt stilistisch gut zum Lemonhead. Am Ende des Konzertes kamen beide nochmal zusammen auf die Bühne, so dass wenigstens für mich der Eindruck entstand, dass Kastner einer der vielen Protegés Dandos sein muss und deshalb die Tour mitfährt, so, wie das oft von den Support-Künstlern von Tom Liwa gesagt wurde. Der erzählte nämlich mal auf einem Konzert von seiner Mine, in der jede Menge junge Songwriter arbeiten, die von ihm hin und wieder aus dem Elend befehligt werden, um mit ihm auf der Bühne ein bisschen Gitarre zu spielen... fand ich lustig damals.

Wie anfangs schon erwähnt, durfte das Publikum im gut gefüllten Gebäude 9 an diesem Abend einen wunderbar ruhigen, konzentrierten und dankbaren Evan Dando erleben. Kein Ausfall, keine überflüssige Bemerkung, nur ein Haufen Songperlen aus allen Perioden seines Schaffens, dargeboten von ihm ausschließlich mit seiner akustischen Gitarre. Klar war das eine Art Neunziger-Show, und klar kann man es als zu routiniert empfinden, wenn ein Typ wie Dando 'Alison's starting to happen' zum tausendsten Mal spielt. Und klar regiert an so einem Abend Nostalgie den Saal, schließlich sind all die Indie-Kids von damals zehn Jahre älter geworden, haben sich nicht nur optisch verändert und sind trotzdem wieder da, um sich die alten Songs anzuhören und sich davon umschmeicheln zu lassen. Ich mache da keine Ausnahme. Aufrührerisch ist da wenig, aufregend wohl auch nicht, aber die Stimmung an diesem Abend war wohl nicht nur für mich sehr besänftigend. Ein Abend, an dem man sich an die verkrachten Jahre Mitte der Neunziger erinnerte, in denen man selbst im tiefsten Teenager-Sumpf feststeckte. Ein Abend, der mit seiner Generation versöhnte und aufzeigte, dass das, was damals unglaublich wichtig war, heute alles andere als bedeutungslos ist. Dementsprechend gab es viele selig lächelnde Pärchen im Saal, und Juliana Hatfields Background-Gesänge wurden in dieser Stimmung wie von selbst vom Publikum übernommen.

Nicht unerwähnt darf hier natürlich die Qualität von Dandos Songs an sich bleiben. Immer wieder verblüffend, wie perfekt seine Melodien perlen, wie variabel die von ihm umgesetzten Stimmungen sind und wie zeitlos sein Gesang und Gitarrenspiel wohl noch lange bleiben werden. Wer heute noch sagt, dass Dando den Großteil seines Ruhms der Zuarbeit von Tom Morgan von den großartigen Smudge verdankt, ist ein Ignorant. Auch die, die behaupten, Dando sei nur mit seinen Coverversionen wirklich gut. Man sollte ihnen in die Beine schießen. Nein, doch nicht. Ich jedenfalls würde mir Dando sicher jeden Monat anschauen, wenn er denn so oft in die Stadt käme. Und das kann ich wirklich über keinen anderen lebenden Songwriter sagen.