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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Minor Cuts And Scrapes & Absence Makes The Heart Grow Fungus

Omar Rodriguez-Lopez

Gitarrist und Produzent Omar Rodriguez-Lopez hat ein kaum noch zu überschauendes Netz von Solo-Projekten gesponnen.
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Um seine Band Mars Volta und seine mittlerweile legendäre Hardcorepunk-Vergangenheit bei At The Drive-In hat Gitarrist und Produzent Omar Rodriguez-Lopez ein kaum noch zu überschauendes Netz von Solo-Projekten gesponnen.

Mit den Alben "Minor Cuts And Scrapes" und "Absence Makes The Heart Grow Fungus" geht es ans Eingemachte: Unser Mann aus L.A. plündert sein Archiv und erklärt qua Veröffentlichung sein postjuveniles Schaffen für gültig. Die hier de-archivierte Musik entstand 2000 und 2001, also in jener Phase, in der er auf die Auflösung von At The Drive-In hinarbeitete und Mars Volta noch eher eine Idee denn eine Prog-Punk-Monsterband waren. Zu hören gibt es eine Musik des Übergangs: Noch unsicher im Umgang mit der neu gewonnenen Freiheit jenseits der Punkschemata, aber schon ungestüm und großmäulig. Es ist eine skizzenhafte, flüchtige, kaum ausgearbeitete Musik - und dennoch macht Rodriguez-Lopez schon auf dicke Hose. Schüchtern ist hier nichts. Jeden Moment will die Musik nach vorne stürmen.

"Minor Cuts And Scrapes" ist ein fast reines elektronisches Werk, Dub- und Groove-orientiert - mit Grüßen an die Produzenten Kevin Martin und Bill Laswell. Aber freilich: Die Tracks können kaum mit einer durchschnittlichen Martin- oder Laswell-Produktion mithalten. "Absence Makes The Heart Grow Fungus" ist dagegen ein hübsch zerrupftes instrumentales Rock-Album, schon sehr klar auf die späteren Meisterwerke von Mars Volta hinführend. Bizarre Funk-Collagen, Schweinerock-Gitarrensoli zu kaputten Beats, nette Spielchen mit Vordergrund/Hintergrund-Effekten - der Wille zur Ausschweifung wie auch die Kühnheit, die Ekstase in eine Konzeptmusik umzuschmelzen, sind hier deutlich zu vernehmen.
Die Botschaft dieser ausgegrabenen Archivalien ist deutlich: Rodriguez-Lopez wusste schon vor acht Jahren, was er einmal werden wollte; seitdem wird er von Jahr zu Jahr besser. Das Archiv ist natürlich noch längst nicht entrümpelt.