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Tristesse und Abgrund

Olli Schulz Und Der Hund Marie

“Warten auf den Bumerang” heißt das neue Album von Olli Schulz. Tja, da wird sich Kollege Scharlau ganz schön ärgern, wollte er sich doch für die kommende Februar-Ausgabe aus Anlass unseres Australien-Specials das Wort “Bumerang” hier im Heft schützen lassen: “Alle Wortspiele mit Bumerang sind mir!”
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“Warten auf den Bumerang” heißt das neue Album von Olli Schulz. Tja, da wird sich Kollege Scharlau ganz schön ärgern, wollte er sich doch für die kommende Februar-Ausgabe aus Anlass unseres Australien-Specials das Wort “Bumerang” hier im Heft schützen lassen: “Alle Wortspiele mit Bumerang sind mir!” hieß das im O-Ton. Aber in der Natur dieses Didgeridoo’esken Sportgeräts liegt es auch, dass man es gegen den Kopf kriegt, wenn man gar nicht damit rechnet. Mitunter eben schon mal früher als erwartet. Das Wortspielkönigreich ist jedoch längst nicht mehr Olli Schulz’ bevorzugte Heimat. Der genialische Drüber-Entertainer lebt mittlerweile schön als ordentlich abgründiger Storyteller in Berlin und nicht mehr schotig als Indie-Fips-Asmussen in Hamburg. An seiner Seite immer noch dieser seltsame Hund Marie, der sich ja sogar nebenher eine eigene Karriere leisten kann.

Beide gemeinsam haben nun auf Album Nummer drei den sich bereits auf “Das beige Album” abzeichnenden Weg konsequent weiterverfolgt: Weg vom Gag. Hin zur Story, runter in die Tiefe des ernüchternden Alltags, der tapfere kleine Leute zeigt. Wie sie kämpfen. Okay, okay. Es kann zwar manchmal geheult werden, muss aber nicht. Denn immer noch blitzt auch etwas anderes aus diesen Liedern – und nicht zu knapp. Und zwar dieses markige, halb übergeschnappte, aber immer rührende Lächeln eines Charmeurs der alten Schule. Das Lächeln bekommen wir auch gleich ab, als wir Olli Schulz antreffen. An einem verhuschten Oktobersonntag, der sich, passend zum zwischen den Gefühlszuständen schwankenden neuen Album, nicht so recht zwischen schönem Spätsommertag und der ausgelebten Misere von abrupten Regenschauern entscheiden kann. Am Abend wird er das neue Material auf ein altes Material erwartendes Publikum loslassen – im Gespräch scheint es, als würde er die besten Pointen schon mal ausprobieren. Oder ist der Typ wirklich so witzig? Wie dem auch sei. Die Show kann losgehen:

Also Jungs. Ich hab so ‘ne Idee für meine neue Platte. Ich find das so affig, alle immer so: “Countdown! Jeden Tag ein neuer Song zum Downloaden.” Ich dachte, ich mach mal was Witziges. Ich such mir immer irgendjemanden aus und fahr mit dem um den Block, und der hört einen Song von der neuen Platte, und er muss sagen, wie er den findet. Und das stellen wir dann auf die Platte rauf. Das wird auch im Auto mit ‘ner Kamera aufgenommen. Das hab ich jetzt schon mit Walter Schreifels [Rival Schools, Ex-Gorilla-Biscuits] gemacht und mit ein paar anderen Leuten, die man kennt. Aber auch ein paar Unbekannten. Z. B. für den Banküberfallsong hab ich ‘nen Bankangestellten aus der Dresdner Bank genommen und bin mit dem rumgefahren. Und das wollte ich mit Doro Pesch auch machen, leider hatte sie keinen Bock auf mit mir alleine im Auto. Ich war ihr an diesem Abend zu suspekt. Wenn ich aber nur Leute kennen würde, die man so aus dem Fernsehen kennt, dann sähe das ja aus, als würde ich sagen wollen: “Hey, guckt mal, wen ich alles kenne!” – das wäre ja auch peinlich.

Das Banküberfallstück ist ja echt ein Lieblingsstück auf der Platte. Fängt schon mit diesem überraschend fetten Beat an ...

Meins auch. Wir wollten den fettesten Beat, sodass die Neptunes dagegen wie Scheiße aussehen. Wir haben von Pharrell die Soloplatte gegengehört. Der Bass ist da bei weitem nicht so fett. Muss man ja mal ganz unbescheiden sagen können.

Schön dann die Zeile: “Das letzte Bild ist eingefroren.” Das gibt dem Banküberfall so etwas Retro-Abenteuerliches. Hier geht einer, früh, aber er geht mit einem schönen letzten Bild, eingefroren für immer. Heißt das für dich vielleicht auch: “Mensch, handelt doch mal wieder mehr”?


Ja, so ein bisschen. Das ist auch beim ersten Song so. Ich bin eigentlich kein Typ, der sagt: “Los, steht auf!” Das erste Lied auf der Platte geht so in diese Richtung: “Wenn du stehen willst, steh auf. Wenn du schreien willst, dann schrei laut.” Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich das Volk wachrütteln will oder so. Die Idee ist gekommen, als ich mit meinem Auto nach Hause gefahren bin. Ich wohn ein bisschen außerhalb von Berlin, es hat super geregnet. Und neben mir war so ein kleiner Typ auf dem Mofa, und hinten war so ein Kasten drauf. Und der fuhr so durch den Regen und hat sich kaum noch bewegt. Und an jeder Ampel kam er gleich wieder an und hat nur geradeaus geguckt. Da dachte ich mir: Der kämpft wenigstens noch. Es war halb eins nachts, und er fuhr da mit seinem Mofa durch den strömenden Regen, und der Typ hat mich an jeder Ampel immer wieder eingeholt. Zu Hause hab ich dann diesen Text geschrieben: “Nur ein Mensch / Doch wie sehr er kämpft / Gegen den Lärm / Der ihn betäubt.” Und damit ist eigentlich dieser Regen gemeint. Ich fand ihn einfach tapfer, und darum geht es: um kleine Menschen, die ihr Werk vollbringen, ohne dass man sie beachtet.

Du sagtest bei unserem letzten Gespräch schon, dass es dir nicht so um die große Geschichtsvermittlung gehe, sondern darum, diese kleinen Storys zu finden. Was hat sich denn im letzten Jahr bei dir ereignet?


Ich bin umgezogen. Das hatte aber auf die Themen der Platte eigentlich gar keinen Einfluss. Es hat sich eigentlich gar nicht viel getan. Ich war nach der zweiten Platte sehr schnell gelangweilt von der Art, wie die Platte klingt – auch wenn ich das Album sehr gerne mag. Ich bin vor meiner Zeit als Musiker nie länger als ein, zwei Jahre in einem Job geblieben, und genauso ist das mit der Platte auch: Ich wäre superschnell gelangweilt, wenn ich jetzt noch einmal so ‘ne Akustikplatte aufgenommen hätte. Es war mir nach der Veröffentlichung der zweiten Platte sofort klar, dass ich etwas anderes machen will. Man ist ja auch ein multipler Typ, es stecken verschiedene Seiten in einem drin. Ich bin nicht nur witzig ... Momentan singen ja alle Deutschrocker “Ich hab Bock auf Leben”, und da wollte ich auch mal wieder so ein paar düsterere Lieder machen. Wo einfach kein Happy ist. Alle gerade so: “Ich kriege nicht genug von diesem geilen Leben!” Hab ich vorhin noch im Taxi gehört.

Christina Stürmer aus Österreich.

Ja, und Juli haben auch so ein neues Lied. Die sind alle so: “Das Leben ist so geil!” Aber manchmal ist es eben nicht geil. Das wollte ich auch mal betonen.

Auf der letzten Platte gab es ja noch diese Gagmomente. Schon damals hatte ich aber das Gefühl, dass du davon eigentlich noch mehr wegwolltest, als es ohnehin schon der Fall war. Die aktuelle Platte bringt das zum Ausdruck, sie ist sehr viel homogener.


Das liegt auch an Moses Schneider. Der Sound, den er da gebastelt hat, ist viel viel besser. Wir haben als Band zu viert live im Studio aufgenommen. Durch die drei anderen fühlte ich mich zum ersten Mal wie ein Musiker. Das ist der eine Grund, warum das alles musikalisch anders klingt. Und zum anderen hab ich diesmal keinen Wert darauf gelegt, da noch unbedingt einen geilen Reim reinzuhauen. Viele Leute fanden das ja immer so geil, dass ich so witzige Wortspiele draufhatte. Da hab ich ganz drauf verzichtet, weil mich das einfach gelangweilt hat.

Das hatte ich mir schon auf der zweiten Platte ein wenig kaputt gemacht, die ja auch einen ernsteren Hintergrund hat. Durch “Human Of The Week” und zwei, drei weitere Gagnummern. Das hat eigentlich gar nicht richtig reingepasst, das ärgert mich auch ein bisschen. Da hätte ich resoluter sein sollen. Bernd Begemann hat mal zu mir gesagt: “Hey Olli, du wärst schon viel weiter, wenn du so ein Porno-Mike-Krüger wärst.” Das ist superlink gewesen. Ich kann halt auch sehr debiles Zeug singen, aber das ist nicht der Sinn der Sache. Mit Gags kriegst du die Leute. Aber manchmal fühle ich mich nicht gut, wenn ich mich selbst dabei ertappe, Leute geplant zum Lachen gebracht zu haben.Das ist auch leicht berechenbar.

Ja, berechenbar. Und bequem. Und der Comedymarkt ist momentan eh am Explodieren, da hätte keiner bemerkt, dass ich was Besonderes mache.

Mir gefällt auf dem neuen Album diese Crooner-Performance, ohne dass du wirklich von der Stimme her rumcroonst. Das hat eine recht lässige, trockene Art, aber die Stimme geht dann nicht so hoch.


Das würde ich aber wahrscheinlich auch machen, wenn ich’s könnte.

Bist du denn mit dieser neuen Haltung schon beim Publikum angekommen? Denn eigentlich denken alle doch immer noch, der Olli ist witzig.


Das ist das große Problem. Auf der letzten Tour kamen in Hamburg zehn Typen rein, alle mit selbst gemachten Dittsche-Shirts. Und dann steh ich da vorm Auftritt und denke: “Oh Mann, ich wollte eigentlich erst mal ein paar Depri-Nummern schieben.” Das ist schon scheiße, geb ich ehrlich zu. Man will die Leute ja auch nicht verprellen, sind ja sicher auch ganz feine Menschen. Am liebsten würde ich da auf die Bühne gehen und sagen: “Die mit den Dittsche-Shirts gehen jetzt gleich mal zum Merchandise-Stand und kaufen meine Shirts.” Das war vielleicht auch ein Fehler, die Band Olli Schulz Und Der Hund Marie zu nennen. Aber ich heiß nun mal Olli Schulz, und mir fiel kein geiler Bandname ein. Momentan gehe ich da auch keine Kompromisse ein: Wenn ich auf der Bühne stehe und lustig sein will, bin ich das. Auch zur neuen Platte werd ich Geschichten erzählen, aber dieser Humor muss nicht zwingend vertont werden.

Du hast neulich erzählt, dass du dich auf der Bühne besser fühlst, seitdem du auch mal drei Lieder am Stück spielen kannst, ohne zwischendurch ein Gagfeuerwerk abbrennen zu müssen.


Das ist der Mut, den man mit der Zeit kriegt. Ich bin ja ein Spätzünder, hab erst mit 28, 29 die erste Platte rausgebracht. Bei mir müssen die Schritte schneller gehen als bei Leuten, die schon mit 20 anfangen. Um aufzuholen, mache ich jedes Jahr eine Platte. Diesen ganzen Prozess muss ich aufholen, damit ich in fünf Jahren auf dem gleichen Stand bin wie Bonnie “Prince” Billy.

Hast du denn immer so viel Material? Und vor allem: Hast du eigentlich überhaupt eine Distanz zu deinen Texten? Suchst du dir die Themen, oder lebst du die immer mit?


Also, das Lied “Unsichtbarer Vogel” zum Beispiel hab ich geschrieben mit 40 Grad Fieber. Schon als Kind hatte ich bei Fieber immer diesen Traum, wo ich meinen Körper verlasse und sterbe. Manchmal hat man auch nur einen Satz. Wie in meinem Lieblingsfilm “Magnolia”. Da sind ganz viele Geschichten, die am Ende alle durch den Froschregen verbunden werden. Ich werde durch ganz viele verschiedene Sachen inspiriert. Ich lese viel, gucke viele Filme und guck mir Sachen an. Es ist eine Mischung aus allem, und ich hoffe, dass ich jetzt mehr und mehr einen eigenen interessanten Stil finde. Einen, der nicht nur Bildsprache ist, sondern auch direkt auf Sachen eingeht, ohne dabei aber plakativ zu sein im Sinne von: “Guck mal, der Typ da auf der Straße, dem geht’s nicht gut!” Es soll eine Mischung sein. Nicht gewollt künstlich, aber auch nicht der Führer zum Volk. Hauptsache, es ist geil.

Wie wichtig ist immer noch das GHVC-Umfeld für dich? Die haben dich doch erst ermutigt, Musik auch aufzunehmen.


Ach, es war nicht so, dass die mich erst dazu ermuntert haben. Ich hab auch schon lange mit Marcus Wiebusch texten können, bin mit denen zehn Jahre mitgefahren. War aber nie so, dass ich mich unbedingt an denen orientiert hab. Ich glaub ganz ehrlich auch, dass es zu den Texten von Thees und Marcus, die ich übrigens sehr schätze, schon noch Unterschiede gibt. Ich denke nicht, dass ich unbedingt ein typischer GHVC-Texter bin. Das, was ich zu erzählen versuche, ist etwas anders, weil ich eine andere musikalische Sozialisierung habe. Als wir die Platte aufgenommen haben, war noch gar nicht klar, ob die nicht doch beim GHVC rauskommt. Wir haben superlange verhandelt, und ich hätte sie auch supergern dort rausgebracht. Aber es war finanziell einfach nicht möglich. Die Produktion war zu teuer. Ich hab die ersten beiden Platten in zweieinhalb Wochen aufgenommen, diesmal wollte ich für sechs Wochen ins Studio. Live aufnehmen, Streicher haben, das ist nicht machbar gewesen. Was auch noch mit reinspielt, ist das Image als ewiger GHVC-Kasper. Das hat auch irgendwo ein bisschen angefangen zu nerven. Das ist auch für die Freundschaft besser, wenn du nicht mit deinen Freunden verhandeln musst. Ich bin ja manchmal ein cholerischer Typ, und dann schrei ich mein Gegenüber an oder werde handgreiflich. Und dann muss man sich wieder entschuldigen.Jetzt, bei einer großen Plattenfirma, darfst du dich beim Anwalt entschuldigen.

Ja, aber ich bin gleich beim zweiten Treffen cholerisch geworden. Die wissen, glaube ich, dass ich ein Psychopath bin. Ich hab auch vorher schon abgeklärt, dass ich nicht bei Saturn oder Makromarkt spielen mag.

In deinem Gästebuch soll der Wechsel weg vom GHVC eher schlecht angekommen sein.


Ich bekomm das so gar nicht mit. Ich hab zwar ‘ne MySpace-Seite, die ich aber gar nicht selbst mache. E-Mails-Abrufen ist das Einzige, wofür ich ins Internet gehe. Aber ich krieg solche Mails dann weitergeleitet. Da stehen dann so Sachen drin wie: “Ich kann’s gar nicht glauben, wie kann man so ein geiles Label verlassen!” Ich antworte dann: “Ist doch alles gar nicht so schlimm, ich bin immer noch die Olli!” Damit einige Leute sich wieder beruhigen, hab ich ein Fake-Label hinten auf die Labels-Platte geschrieben. “Runde Hunde Records” gibt’s gar nicht. Damit die Leute denken: “Olli Schulz, der Arme. Macht sein eigenes Indielabel. Der nutzt den Major nur aus, der macht das alles für die Community.” Das haben Wir Sind Helden auch gemacht, da steht hinten “Reklamations Records” drauf.

Neulich kam auch das Soloalbum vom Hund Marie raus.


Ja, kommt jetzt alles ziemlich eng hintereinander, aber ich wollte den Jahresrhythmus der Veröffentlichungen nicht unterbrechen. Das haben Pearl Jam mal über vier Jahre gemacht. Eddie Vedder hat mal gesagt: “Ey, wir sind Musiker. Wir hängen die ganze Zeit Hasch rauchend im Übungsraum rum, da können wir auch einmal im Jahr ‘ne Platte machen.” Das fand ich echt ‘ne amtliche Ansage. Was soll das, alle vier Jahre mal eine Platte zu machen? “Wir wollen auf einer Tonlage spielen, die ist unheimlich schwer zu erlernen.” Was die labern! Solange man Ideen hat, soll alles rausgehauen werden. Ich bin vom Intro übrigens bisher sträflich vernachlässigt worden. Ich bin noch nie zum Kochen eingeladen worden. Oder zum Schwanzvergleich mit Linus Volkmann.

Also, immerhin wirst du bei uns doch von Platte zu Platte beliebter.


Hauptsache, ihr macht nächstes Jahr auch eine Bibi-McBenson-Geschichte. Dann kommt die Bibi-McBenson-Platte raus. Das ist eine von meinen vielen Persönlichkeiten. Er hat letztes Jahr sein erstes Deutschland-Konzert gespielt. In Österreich. Die Band besteht aus Nagel und Dennis von Muff Potter und Rasmus von Bierbeben. Jeder hat einen Charakter verpasst bekommen: Einer ist spielsüchtig, einer ist so Mitte der 90er hängen geblieben, hört nur Pennywise, Bad Religion und NoFX und ist politisch voll für Frauenbewegung und ein Antifa-Kämpfer. Voll oldschool. 20 von 40 Leuten sind während des Konzerts gegangen. Wir waren alle stockbesoffen, ich hab nur Mist geredet, mich auf der Bühne übergeben, bin ohnmächtig geworden. Dann hab ich die ganze Zeit nur gebrüllt: “Wo ist eure Gastfreundschaft hier in Deutschland?” Der Film dazu ist der Vorfilm unserer nächsten Tour. Es ist ein Wahnsinnswerk geworden. Und jeder, der versucht, die Olli-Schulz-Platte aus dem Internet runterzuladen, der kriegt Bibi. Dann sagt Bibi immer: “Hey, du Wichser, du wolltest Olli Schulz runterladen. Dafür kriegst du jetzt Hass Hass Hass!”

Wie geht es jetzt bei dir weiter? Wird man dich demnächst auch bei Stefan Raab sehen?


Ich schwöre jetzt hier an dieser Stelle: Beim “Bundesvision Song Contest” würde ich nie im Leben auftreten. Eher trinke ich meinen eigenen Urin literweise. Ehrlich, ich werde niemals bei Stefan Raab auftreten. Ich war einmal bei Sarah Kuttner, und das war total scheiße. Alle waren total scheiße drauf, und da hab ich die angebrüllt und gefragt, warum. Da meinte einer: “Das ist jetzt der letzte Auftritt, morgen werden hier in Köln bei Viva alle gekündigt.” Das tat mir dann leid. Was Stefan Raab angeht: Ich finde, er hat einen beschissenen Musikgeschmack. Er hat null Ahnung. Ich würde aber gerne ‘ne eigene Sendung machen, wo ich Leute interviewe. So ein Egoshooter-Programm, zwei Stunden lang ich. Ich möchte übrigens nicht, dass meine Platte in “Platten vor Gericht” kommt.

Ach ja?


Ich will nicht, dass jedes Arschgesicht über meine Platte urteilt. Da wäre ich ganz unten. “Ganz schlimme Musik!” stünde dann als Kommentar drin. Der Typ von den Killers hat gesagt, Musikjournalisten seien alles Arschlöcher. Er hat vergessen zu sagen: “Musiker aber auch.” Es ist so schrecklich, wie die coolsten Musiker gerade zu den größten Spießern werden, wenn es um CDs brennen und so weiter geht. Jan Delay meint im Interview: “Ja, ich möchte, dass Steuer auf die CD-Brenner kommt.” Das sind immer die, die schon ganz dick Kohle gemacht haben. Sind doch oft so verkackte FPD-Wähler, die Volvo fahren. Ich finde es sogar gut, dass mit dem Brennen und Runterladen alles so ein bisschen zusammenbricht, weil dann machen nur noch die Musik, die wirklich Bock drauf haben.