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oder: Archie Bronson Outfit live?

Okkervil River live

15.05.06 - Gebäude 9, Köln. Pünktlich um 21 Uhr soll das Konzert beginnen. Nur mit welcher Band? Die Meinungen gehen weit auseinander. Manche wähnen sich auf einem Archie Bronson Outfit Konzert mit Okkervil River als Vorband, andere sind von der umgekehrten Variante überzeugt, wieder andere wissen g
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15.05.06 - Gebäude 9, Köln. Pünktlich um 21 Uhr soll das Konzert beginnen. Nur mit welcher Band? Die Meinungen gehen weit auseinander. Manche wähnen sich auf einem Archie Bronson Outfit Konzert mit Okkervil River als Vorband, andere sind von der umgekehrten Variante überzeugt, wieder andere wissen gar nicht, dass Okkervil River überhaupt spielen. Als man zu besagter Zeit das Gebäude betritt, steht Helge Schneider mit einer Halb-Akustik-Gitarre auf der Bühne und die Verwirrung ist perfekt. Ein zweiter Blick verschafft Aufklärung. Das Helge Schneider Double ist eigentlich der Tour-Saxophonist von Archie Bronson Outfit, seines Zeichens Performance-Künstler, wie mir erklärt wird, und fraglos ein Ausnahmetalent. Wann hat man schon mal einen Menschen zwei Saxophone gleichzeitig (!) spielen sehen. Archie Bronson überzeugen jedoch nicht allein mit zirkusreifen Kunststücken, sondern auch mit ihrer derben Mischung aus folkigen Anleihen und abgrundtief-verzerrten Gitarren. Das Gebäude gerät ins Wippen. In Kombination mit der hohen, durchdringenden Stimme von Sam Windett und den schrillen Tönen der Blasinstrumente wird eine psychedelisch wabernde Sound-Wand erzeugt, die sich immer näher auf die Anwesenden zubewegt: roh, druckvoll und weird. Schade, dass es Archie Bronson nur für vier Dates nach Deutschland geschafft haben und der Gig im Gebäude auch schon der letzte der Mini Tour ist. Nach dem Auftritt geht es direkt zur Fähre nach Calais. Die zwei Seiten des Musiker-Daseins: in einer Minute noch den Nerd für das Publikum gegeben, in der nächsten Minute den Tour-Van zum Beladen vorm Seiteneingang parken. "Good working - Hard looking" ist die Devise.

Man einigt sich darauf, dass an diesem Abend zwei Hauptacts auftreten. Beides angesagte Indie-Kracher, aber eben mit unterschiedlichsten Herangehensweisen. Sind ABO bereits zu Beginn des Sets noisig zu Werk gegangen, baut sich das Okkervil River Set in einem langsameren Tempo auf. Sänger Will Sheff setzt auch rein optisch neue Akzente Er präsentiert sich seinem Publikum neuerdings ohne Bart, und wirkt so fast schon bübchenhaft, nahezu brav. Man darf also gespannt sein, wie das Bübchen die streckenweise sehr überdreht-ekstatischen Passagen der Okkervil-Songs umsetzen kann. Zunächst bleibt es jedoch verhalten. Im Grunde kann man das Bezeichnende eines Okkervil Songs auch auf das gesamte Set ummünzen. Es beginnt zaghaft und zurückgenommen und schraubt sich dann nach und nach in energiegeladene, mitreißende Höhen. Nach aktuellen Songs wie "A King And A Queen", "Black", dem an (60s-Singer/Songwriter) Tim Hardin angelehnten Titeltrack des Albums "Black Sheep Boy" und älteren Nummern wie "Red" sind Okkervil River dann auch in den richtigen Höhenlagen angekommen, und das Publikum mit ihnen. "For Real" wird begeistert aufgenommen. Selbst als Sheff im Zugabenteil nur mit Gitarre, Brille und Dylan-Mundharmonika um den Hals die Bühne betritt, ziehen die Bübchen-Vergleiche nicht mehr. Er kann es - auch ohne Bart.