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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»In The Rainbow Rain«

Okkervil River

Das an sich gute Songwriting der Amerikaner wird auf dem neuen Album ein ums andere Mal durch eine zu zuckrige Produktion neutralisiert.

Geschrieben am

Zunächst die gute Nachricht: Es ist bemerkenswert, mit welcher Emphase Okkervil River versuchen, die Evolution ihrer Musik immer mitzudenken. Nachdem ihre auf Alternative Country und Indie-Folk fußende Musik immer schon Haken schlug, wurde sie zunehmend poppiger, zuletzt mit ihren zahlreichen 1980er-Referenzen sogar trendtauglich. Die kontinuierliche Transformation führt die Band nun weiter, wir hören Synthies und hie und da zuckrige und teilweise blutleere Streicherarrangements. Das ist schade, man möchte hinter vorgehaltener Hand gerne laut »Überproduktion!« rufen. Das Songwriting ist jedoch größtenteils intakt, mitunter wieder ganz fantastisch, wie im Opener »Famous Tracheostomies«, der sogar mit einer hübsch gesetzten »Waterloo Sunset«-Referenz der Kinks aufwartet.

An anderer Stelle wird es jedoch zu süßlich, in »Love Somebody« wirkt die pathetische Emphase von Sänger Will Sheff schlicht deplatziert. Besser sind sie, wenn sie fast gänzlich auf Produktionstamtam verzichten, wie in der ersten Single »Don’t Move Back To L.A.«, wo ein kleiner Männerchor für die nahbaren Reize sorgt. Vielleicht ist es unfair, doch geht es mir mit der neuen Platte von Okkervil River ähnlich wie mit dem aktuellen Album der Decemberists: Auch dort wurde die alte Folk-Formel durch 1980er-Arrangements abstrahiert – mit durchwachsenem Erfolg. Der neue Anzug will bei beiden Werken nicht so recht passen, denn am Ende wird der Musik dadurch schlicht nur ein Teil ihrer Seele entzogen.

Okkervil River

In the Rainbow Rain

Release: 27.04.2018

℗ 2018 ATO Records, under exclusive license to [PIAS]