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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Rap und Radiohead

OK KID

Vor zwei Jahren noch hießen OK KID Jona:S und wurden in Intros Demo-Ecke »Heimspiel« besprochen. Nach einem Besetzungs- und Namenswechsel winkt hingegen jetzt die große HipHop-Karriere beim Label-Riesen Four Music. Wir sprachen mit Sänger Jonas über sein Debütalbum, die Zukunft von deutschem HipHop und seinen Bundesliga-Lieblingsverein Eintracht Frankfurt.
Geschrieben am
Euer Bandname führt ja in seiner Mischung aus zwei Radiohead-Album-Titeln stilistisch auf die falsche Fährte. Was war die Idee dahinter?
Hast Recht, man könnte hinter dem Namen wirklich eine Radiohead-Coverband vermuten. Vor etwa einem Jahr haben wir uns entschieden, dass wir nicht mehr unter dem alten Namen Jona:S weitermachen wollen. Wir haben uns von zwei Bandmitgliedern trennen müssen und Jona:S hörte sich immer nach einem Soloprojekt und nicht nach einer Band an. Eines Abends haben wir aus Spaß unsere zehn All-Time-Favorites-Alben aufgeschrieben und da waren die beiden Radiohead-Alben bei – obwohl wir dachten, dass wir musikalisch ziemlich unterschiedliche Einflüsse hätten. Irgendwie kamen wir auf OK KID, fanden den Namen zuerst extrem scheiße, kurze Zeit später aber extrem geil. Und dann war es auf einmal unser Bandname. Wir waren in den Diskussionen auch schon bei Karamell oder Elefant. Bandnamen zu suchen ist furchtbar und macht einen verrückt.

Wie kamt ihr auf Robot Koch als Produzenten? Hatten seine Arbeiten mit Marteria für euch Vorbildfunktion?


Wir sind schon seit längerer Zeit Fans von seinen Solosachen gewesen und haben ihn mal für einen Remix angefragt. Ehrlich gesagt wussten wir zu dem Zeitpunkt gar nicht, dass er auch für Marteria und Marsimoto produziert. Nach dem Remix haben wir uns in den Studios der alten Kölner Band Can zu einer Session getroffen, uns angefreundet und gemerkt, dass wir alle Lust haben, mehr Musik zusammen zu machen.

Mit dem Debüt in der Hand und der großen Firma im Rücken, wünscht man sich da insgeheim gleich den großen Single-Hit, oder würde man lieber ein bisschen Zeit bekommen, um sich als Band zu entwickeln?

Wenn ich es mir aussuchen könnte, dann würde ich mich zum jetzigen Zeitpunkt gegen einen Mega-Hit entscheiden. Es ist ja völlig okay, dass man den radiokompatibelsten Song für die Single aussucht. Danach kann man eh nicht kontrollieren, was passiert. Ich finde aber, dass einfach die Gefahr da wäre, dass so ein Hit.
vom Album ablenkt und alles zu schnell geht. Das wär schade. Nee, nee, alles schön langsam. Wir sind erstmal froh, mit dem ersten Album den Menschen unsere Ästhetik und Soundvision von deutscher Popmusik näherzubringen. Ein Label wie Four Music zu haben heißt ja auch nicht, dass wir jetzt zwanghaft durchstarten müssen.

Welche Richtung wird deutscher HipHop in den nächsten ein, zwei Jahren eurer Meinung nach stilistisch einschlagen? Eher zurück zu den Wurzeln oder doch noch stärker fusioniert mit Indie und Clubmusik?
Was mich bei der Verschmelzung von Rap und Indiekultur ein bisschen nervt, ist, dass vor allem die Industrie krampfhaft auf der Suche nach dem neuen hippen Scheiß ist. Da stöbern Produzenten bei Hypetrak oder Pitchfork und bauen Instrumentals fast eins zu eins nach. Der Rapper verpasst sich ein Dreieck ins Bandlogo und fährt auf einmal Skateboard in Musikvideos. Leider gibt es gerade viel aufgebauschten Hype, was sich leider ab und zu auf die Qualität der eigentlichen Musik auswirkt. Das wird, glaube ich, noch eine Weile weitergehen. Auf der anderen Seite freu ich mich aber auch darüber, dass deutscher Rap so offen für andere Subkulturen geworden ist. Davon profitieren wir ja als Band irgendwie auch. Was in der nächsten Zeit spannend werden kann, ist die Kombination von Straßenrap mit der klassischen Golden-Ära »boom bap«-Sounds der 90er-Jahre.

Jonas, du bist Anhänger von Eintracht Frankfurt. Falls das wirklich was mit der Champions League wird diese Saison, sehen wir dich dann beim Splash! im Trikot auf der Bühne? Schön mit Bembel neben der Monitorbox?
Also, falls ich noch so ein altes Ralf-Falkenmayer-Trikot auftreiben kann, dann habt ihr mein Ehrenwort. Äppler geht sowieso immer. Hoffe nur, dass alle Spieler gehalten werden können und Armin Veh bleibt. Leider hassen fast alle Leute in meinem Kölner Umfeld die Eintracht.