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Calexico live in Duisburg

Ohne Wertverlust

21.07.05, Duisburg, World Games Plaza Es gibt ja eigentlich nur eines, das spannender ist als Konzertberichterstattung: Sportberichterstattung. Und die 'World Games' im südlichen Ruhrgebiet gaben da einiges: Speedskating, Dauer-Boule und Sumo-Ringen boten wenigstens für mich den perfekten Rahme
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21.07.05, Duisburg, World Games Plaza

Es gibt ja eigentlich nur eines, das spannender ist als Konzertberichterstattung: Sportberichterstattung. Und die 'World Games' im südlichen Ruhrgebiet gaben da einiges: Speedskating, Dauer-Boule und Sumo-Ringen boten wenigstens für mich den perfekten Rahmen für den Genuss der täglichen Tour de France-Etappen in den Pyrenäen und dem Zentral-Massiv. Außerdem bekam man einen kleinen Eindruck davon, wie man sich das völkerverbindende Element bei Olympischen Spielen vorstellen muß, z.B. wenn einen im Shuttlebus zum Calexico-Konzert ein Rudel Turnflöhe in Rumänien-Trainingsanzügen umringten.

Apropos Calexico-Konzert: Ein weiterer Pluspunkt war das kulturelle Rahmenprogramm, das sogar in Duisburg durch die 'World Games' möglich wurde. Neben Julie Delpy, Nena und Michelle Shocked war die Band aus Tucson, Arizona wohl der vielversprechendste Konzertact des zweiwöchigen Daseins der Stadt als Weltbühne unterprivilegierter Sportarten. Vielversprechend auch, weil die Ex-Giant Sand-Rhythmusgruppe auch langsam mal wieder mit einem neuen Album um die Ecke kommen könnte.

Die Bühne, die Calexico und all die anderen für Duisburger Verhältnisse außergewöhnlich aufregenden Acts beheimatete, war eine angenehm wohldimensionierte Zeltbühne in Form einer halbierten Kuppel, die auch gegen die ständige Gefahr von Wetterkapriolen gut ausgerüstet war. Calexico fühlten sich an diesem Abend nicht nur deshalb offensichtlich wohl. Joey Burns und John Convertino waren mit insgesamt vier weiteren Musikern angereist, die zu gleichen Teilen aus Deutschland und den Staaten stammten. Zwar fehlten die Mariachis, dafür war die gegenwärtige Formation so gut eingespielt, dass sie sogar schwierige, bläserlastige Arrangements ohne Wertverlust tragen konnte.

Ein offensichtlich wohlgelaunter Burns gab den Conferencier, versuchte sich an Kalauern mit deutscher Sprache und wusste wohl ganz genau, wie gut solche Späße beim Publikum ankamen. Die Musik stand dabei aber nie im Hintergrund, viele Calexico-Hits gerade der letzten Platten wurden in teils modifizierten Arrangements gegeben, dazu einige Stücke, die wenigstens mir unbekannt waren und deshalb wohl als neu identifiziert werden können. Bekannt gut gelang während des ca. 80 Minuten dauernden Gigs die sehr stilgetreue Umsetzung der typisch flimmernden Südstaaten-Atmosphäre, zu der die Band in der Lage ist und die sie unerreicht gut spielt. Da kam wenigstens mir schon nach einigen Stücken schon die alte Worthülse in den Sinn, die Popkritiker für Musik wie die von Calexico oft verwenden: Auch wenn das Wetter ungemütlich war, wärmte die Band von innen, bzw. ließ sie die Temperaturen für Momente vergessen. Und weil man leicht ins Schwofen geriet und sogar meinte, die brennende Sonne über Mexiko ein bisschen sehen zu können, kann man das angesichts dieser immer wieder tollen Liveband durchaus so stehen lassen.