×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Slayer/ Slipknot live

Ochsenblut und Mummenschanz

26.09.04, Berlin, Arena, In Ochsenblut oder anderes rötlich färbendes Elixier getaucht, präsentierten sich Slayer-Frontmann Tom Araya und seine Männer, als das finale 'Raining Blood' verklungen war, und ihren entschlossenen Mienen war anzusehen, dass man jetzt tunlichst nicht noch auf Sperenzie
Geschrieben am
26.09.04, Berlin, Arena,

In Ochsenblut oder anderes rötlich färbendes Elixier getaucht, präsentierten sich Slayer-Frontmann Tom Araya und seine Männer, als das finale 'Raining Blood' verklungen war, und ihren entschlossenen Mienen war anzusehen, dass man jetzt tunlichst nicht noch auf Sperenzien á la Slayer verlassen die Bühne, Publikum macht Ramba-Zamba und dann spielen sie weiter setzten sollte. Die Schlacht war nach etwa 1 ½ Stunden geschlagen, in denen sie sich in routinierter Virtuosität und mit optimalem Sound durch ein Greatest-Hits-Programm geprügelt hatten, including Glanznummern á la 'War Ensemble', 'South Of Heaven', 'Mandatory Suicide', 'Angel Of Death' und 'Post Mortem'.

Sind die fetten Jahre an Tom Araya auch nicht spurlos vorbeigegangen, führte er doch charmant wie eh und je durch den Abend, flankiert von den zwei Gitarristen nebst Drummer, denen die Kärrnerarbeit vorbehalten blieb. "Slayer haben Recht behalten", verschaffte ein Umstehender wiederholt seiner Euphorie Luft, und dem war schlichtweg nichts hinzuzufügen, vernachlässigt man an einem so schönen Abend einmal, dass die Kategorie Recht für Slayers Schaffen nicht unbedingt die maßgebliche gewesen sein dürfte. "Es geht um Energie, Mann", antwortete Araya einst, gefragt, wieso seine Truppe über 20 Jahre in die Saiten greift oder Felle drischt, und erlebt man allein, wie sich Gitarrist Kerry King mit Leib und Seele in sein Tag- bzw. Nachtwerk hineinschafft, wird klar: hier steht eine Augenweide unter Starkstrom.

Spätestens live ist das von Kraft und Dynamik strotzende Liedgut daher noch so brisant wie einst, als man das epochale Werk 'Reign in Blood' erstmals auf den Plattenspieler warf. Wo Slayer draufsteht, ist auch Slayer drin, und zwar ausschließlich; mit Firlefanz hatten sie nie etwas am Hut. Ein ordentlicher Hieb Ochsenblut zum würdevollen Abschluss, das muss reichen. Gelang Slayer eine wundervolle Veranstaltung, dürfen sich die zuvor tobenden Slipknot davon ruhig noch einige Scheiben absäbeln. Nichts gegen Slipknot, dieses ambitionierte Ensemble, redlich bemüht, mit reichlich Mummenschanz, tiefergelegten Gitarren sowie Mann und Maus an der Perkussion ein mächtiges Brimborium zu inszenieren. Nichts gegen ihre todesmetallernen Wutausbrüche, Uptempopassagen und eingestreuten Grooves aus dem Zeitalter des Nu Metal. Die Inszenierung gelang durchaus: die Halle bebte, die Ohren bluteten, die Hände gingen zum Himmel. Dennoch blieb es eine. Das machte an diesem Abend den Unterschied. Folke Schneider