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Ein lautes Lebewohl

Oathbreaker live in Köln

Anstatt sich nach einem schwierigen Jahr ermattet ins Ziel zu schleppen, geben Oathbreaker auf ihrem vorerst zweitletzten Konzert noch einmal alles. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Band ihre Auszeit nicht zu sehr genießt.
Geschrieben am
19.12.17, Köln, MTC

Mit dem schwarzmetallisch befruchteten Post-Hardcore-Bastard »Rheia« stellten Oathbreaker 2016 Genre-Weichen neu. Der Popularitätsschub und die folgenden Touren zehrten insbesondere Caro Tanghe aus, die sich Show für Show tapfer fauchend ihren Dämonen stellte – und unausweichlicher Weise auch der Gegenwart von Gitarrist Gilles Demolder. Die beiden verband nämlich nicht nur das gemeinsame Songwriting für ihre Band, sondern auch eine Liebesbeziehung, die im Februar diesen Jahres ihr Ende gefunden hatte. Eher ungünstige Bedingungen für ein gedeihliches Bandklima. Auch deswegen legen sich Oathbreaker nun auf Eis – vorerst, sagen sie. Sie nennen es das Ende eines Kapitels und sind damit nicht allein: Wenige Straßen weiter, im Kölner Gloria Theater, wird Lena Meyer-Landrut heute eine ganz ähnliche Wortwahl treffen. Aber das ist eine andere Geschichte mit anderer Musik.

Die letzte Seite des alten Kapitels ist indes noch nicht gelesen; die Belgier drehen noch eine winterliche Ehrenrunde durch Europa. Vor der großen Abschiedsshow im ehrwürdigen Brüsseler Venue Ancienne Belgique gastieren die fünf Musiker mit den tausend Einflüssen im deutlich kleineren MTC. Der Club ist so voll, dass schon auf höhe der Bar am hinteren Ende kein Durchkommen mehr ist, von einem freien Blick auf die Bühne ganz zu schweigen.
Die Intensität des Auftritts jedoch ist in jedem Winkel des Clubs zu spüren. Unermüdlich – und meist aus heiterem Himmel – schalten sich Oathbreaker durch die Soundsphären. Sängerin Caro zeigt sich im impulsiven Wechsel zerbrechlich-wehklagend und dämonisch-rasend – und sinkt dabei manches Mal auf die Knie. Ihr Gesicht liegt hinter ihrem dichten Haar verborgen, die Schreie aber schaffen es heraus und können sich nach anfänglichem Ungleichgewicht in der Abmischung auch inmitten des ohrenbetäubenden Gitarren-Furors ihrer Mitstreiter behaupten. Das Initiieren eines Moshpits durch einen Konzertbesucher scheitert: Zu ergriffen ist das übrige Publikum von der Performance, aufgewühlt wird nicht in der Crowd, sondern im Inneren jeder und jedes Einzelnen.

Im starren blauen Scheinwerferlicht kämpft sich die Band so durch das »Rheia«-Repertoire und kratzt den Gekommenen das innere Auge aus. Mit »The Abyss Looks Into Me« ist nur ein älteres, darum aber nicht weniger mitreißendes Stück Teil des Sets. Der zähnebleckende Opener vergangener Shows, »Second Son Of R.«, fungiert heute symbolischer Weise als Schlusslicht; beendet ist das musikalische Reinigungsritual schon nach einer guten Stunde und ohne zeitschindende Zugabe. Ein bescheidenes Dankeschön, ein zurückhaltendes Winken, und Oathbreaker überlassen ihre Fans der Hoffnung auf ein Wiedersehen im nächsten Kapitel. Denn Schlussstriche fühlen sich wahrlich anders an.

Oathbreaker

Rheia

Release: 30.09.2016

℗ 2016 Deathwish Inc.

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