×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Don’t Believe The Truth

Oasis

“Don’t Believe The Hype” von Public Enemy funktionierte bis weit in die Neunziger als Glaubwürdigkeits-Paradigma für subkulturelle Musik. In anderen Worten: Das Big Business gilt als Betrüger, aber es gibt Künstler, die im Rahmen jenes Business’ die Wahrheit sprechen. Man muss also nur Hype von echt
Geschrieben am
“Don’t Believe The Hype” von Public Enemy funktionierte bis weit in die Neunziger als Glaubwürdigkeits-Paradigma für subkulturelle Musik. In anderen Worten: Das Big Business gilt als Betrüger, aber es gibt Künstler, die im Rahmen jenes Business’ die Wahrheit sprechen. Man muss also nur Hype von echt unterscheiden lernen, Wahrheit von Lüge trennen, und schon kann man sich im Dschungel der Töne subversive Musik aus dem geldgeilen Rauschen filtern. Adorno hatte solch letztlich hoffnungsloser Kampfansage schon Jahrzehnte zuvor widersprochen, und Oasis tun das 2005 noch mal mit dem Titel ihres neuesten Albums. Denn die Tatsache, dass der Hype lügt, darf nicht Beiboot der Unterstellung sein, dass es überhaupt Wahrheit in der Show-Industrie gäbe. Und nicht die Ehrlichen sind die Dummen, sondern die, die ehrlich tun, die Gerissensten. Damit ist man schon tief drinnen in der Faszination um und für diese Band, Oasis. Denn so aufgeblasen, arrogant, bocklos und am Ende die Gallaghers dargestellt werden und sich auch selbst darstellen, so sehr wird die darin mitschwingende Unverstelltheit von ihren irren Fans (Oasis Ultras und Co.) abgekultet. Während der reguläre Radio-Fan des Massenphänomens Oasis die Eskapaden eher missbilligt, aber das dynamisch orchestrale Poprock-Pathos schätzt: Für alle wird auf dieser Platte wieder gesorgt. Die Krise des Rock ist seit ein paar Jahren vorbei, und so passen auch Oasis mit altbewährtem Fender-mäßigem Sound gut in die Gunst der Stunde. Vielleicht kann der eine oder andere Song überdauern, insgesamt wird das Album in puncto Hitdichte aber nicht so recht den Vorschusslorbeeren gerecht. Vermutlich ist es der auslaufende Vertrag, der dazu führte, dass aus den angeblich vorliegenden 60 Songs nicht nur Knaller ausgewählt wurden. Sondern auch ein paar gemächliche Midtempos fürs Kurzzeitgedächtnis. Schließlich will und wird die unstete Band demnächst woanders weiter durchbrechen. Und bringt als Gastgeschenk dann gleich den einen oder anderen Top-10-Hit mit, der dieser Platte vorenthalten wurde. Was aber nicht falsch zu verstehen ist. Denn das Material auf “Don’t Believe The Truth” reicht locker, um als gutes Neues-Jahrtausend-Oasis-Album durchzugehen. Wenngleich die Neunziger auch hier wieder unerreicht bleiben.