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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Heathen Chemistry

Oasis

Solange man Diskussionen über Platten noch leben kann: Venker: Diese Band ist mies. Volkmann: Kannst du so doch nicht sagen. Venker: Du weißt doch, wie das läuft bei so Gesprächsrunden. Erst mal ordentlich provozieren, sich unbeliebt machen und dann umschwenken, um die eigene Haut zu retten. Obwo
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Solange man Diskussionen über Platten noch leben kann:
Venker: Diese Band ist mies.
Volkmann: Kannst du so doch nicht sagen.
Venker: Du weißt doch, wie das läuft bei so Gesprächsrunden. Erst mal ordentlich provozieren, sich unbeliebt machen und dann umschwenken, um die eigene Haut zu retten. Obwohl: Von mir erwartet das eh keiner. Ich bin wie die Gallagher-Brüder, kein Harmonie-Typ. Ja, menschlich sind mir die beiden sympathisch, aber musikalisch halte ich sie wirklich für überbewertet - und das, obwohl ja gleich zwei Typen, die ich sehr schätze, die Band lieben: Rocco Clein und unser Mann Thees.
Volkmann: Da hast du dich ja nun doch schnell nach allen Seiten abgesichert. Rocco kennen und unharmonisch sein wollen. Also, ich bin der Überzeugung, Oasis müssen gar nichts mehr bringen. Und das schaffen sie mit der Platte auch sehr gut.
Venker: Du geiler Typ. Und jetzt ist Schluss mit der Besprechung, oder wie? Nee, so schnell kommen wir um diese epochale Nummer nicht rum. Ich versuche ja durchaus, diese Band zu fühlen, aber es will mir einfach nicht gelingen. Irgendwie klingen die Songs doch alle nach Schema F und nach diesen Bühnen, vor denen ein Gitter angebracht werden muss. Einzig die nölende, leicht vertrunkene Stimme sorgt gut für Aufmerksamkeit.
Volkmann: Ab einer gewisse Größe eines Konzerts sind Sicherheitsvorkehrungen unablässig. Das ist doch kein Argument. Außerdem beinhaltet dieses Besoffen- und Aggressiv-Sein ein unkalkulierbares Moment. Dazu der hier sehr kalkulierte Rock mit leichtem India- also Cornershop-Flavour - warum gibst du dich nicht zufrieden? Mehr ist eben nicht drin. Das muss man nur zu nehmen wissen. Dann wird's zu Oasis Ultra.
Venker: Ähm? Aussageabsicht, lieber Freund? Wenn ich den Verlauf dieser Nummer - und ich meine unsere Diskussion - richtig sehe, näherst du dich meiner Position an, nur eben argumentativ. Und darauf kann ich mich sehr gut einlassen. Das Problem mit Oasis ist doch, dass ihre Songs einfach nichts wirklich Mitreißendes produzieren, aber eben auch nicht wirklich schlecht sind. Das ist durchaus gut gemacht, zeugt von Harmonie- und Melodiebewusstsein, leider Gottes verliert sich aber meistens alles Gute in einem Sumpf von Sound. Das soll wohl die Explosion des Rock'n'Roll sein. Vielleicht können sie es aber auch nicht anders. Nimm zum Beispiel das sechste Stück, "Little By Little", da gehen sie entschlackter vor, und schon klingt es wie eine üble Mainstream-Rock-Ballade.
Volkmann: Adult Autofahrer Orientated Rock ...
Venker: Redest du eigentlich mit mir?
[Nein, er telefoniert mit unserem Autor Jens Friebe, allerdings in selbiger Sache.]
Volkmann: Du und dein ewiger Verwertungskosmos, kann man nicht mal in Ruhe telefonieren? Sei's drum. Die Community und ich wissen, wo dein Laptop steht. Ansonsten, okay. Die Platte produziert keine Highlights - außer man bedient sich der fanmäßigen Autosuggestion. Ich finde weiterhin: Man muss nicht mit jedem Song, Ton und Sound brillant sein, um eine brillante Band zu sein.
Venker: Stimmt. Aber mit manchen sollte man etwas bewegen. Oh, was muss ich da hören? "She Is Love", na, das sind doch mal Worte für mich. So richtig toll hippiemäßig locker machen und die Frau anbeten für das, was sie ist: ein fantastisches Wesen. Toll. Und es klingt so schön nach Tom Petty für Arme. Selbst die Ironie will nicht gelingen zu diesem Schmarrn. Rockmusik für Menschen, die gerne der Akustischen am Lagerfeuer zuhören.
Volkmann: Besprechung und Platte werden dieser Band einfach nicht gerecht.