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Be Here Now

OASIS

Mit "Be Here Now" sind OASIS dazu verdammt, den berühmt-berüchtigten "dritten Streich" in Form eines neuen Kapitels zum Erfolgs-Märchen mit der Maxime "höher-schneller-weiter" abzuliefern. Warum sollten sie da ein unkalkulierbares Risiko eingehen, zumal die "Auf Nummer Sicher"-Variante doch bereits
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Autor: intro.de

Mit "Be Here Now" sind OASIS dazu verdammt, den berühmt-berüchtigten "dritten Streich" in Form eines neuen Kapitels zum Erfolgs-Märchen mit der Maxime "höher-schneller-weiter" abzuliefern. Warum sollten sie da ein unkalkulierbares Risiko eingehen, zumal die "Auf Nummer Sicher"-Variante doch bereits beim Vorgänger "(What's The Story) Morning Glory" mit reichlich Edelmetall belohnt wurde. Die vorab ausgekoppelte Single "D'Ya Know ..." diente bereits als Vorbote, das weitere Material auf dem Album macht es unmißverständlich deutlich: wie erwartet gelingt es nur in Sachen Maßlosigkeit - vermutlich genährt aus ihrer Arroganz -, neue Superlative vorzulegen. Durch die schlichtweg hoffnungslos übertriebene Produktion erscheint selbst das banalste Liedchen derart dekadent ausgeschmückt und ins Rampenlicht gezerrt, daß aus einem Schmunzeln sehr schnell ein richtiger Spaß wird. Selbiges gilt für deren uneingeschränkte Eingängigkeit - von Noel keinesfalls erfunden, aber nach wie vor gekonnt herausgestellt -, die mit ihrer Schlichtheit (= Massenkompatibilität) ein zusätzliches Verkaufspotential freisetzen dürfte, um den programmierten Erfolg zumindest im "Zählbaren" zu erreichen. Fand man bei den ersten beiden Alben noch stilistische Duplizität mit THE WHO, den BEATLES und KINKS (und was die britische Pophistorie sonst noch Vergleichbares zur Verfügung stellt), so ist diese auf "Be Here Now" im eigenen Werk zu finden, was ja auch mit dem Erlangen einer eigenen Identität erklärt werden kann. Wenig originell, aber auch weniger eindimensional, dafür aber ungebrochen bestimmt von den opulent in Szene gesetzten Ohrwürmern, kommt das neue Material ein wenig rockiger daher, ohne dabei voll zu überzeugen. Der schmachtende "Champaign Supernova"-Nachfolger "All Around The World" scheitert am überzogenen Bombast, ist zu sehr Karikatur, um wahrhaftes Epos zu sein, "Magic Pie" ist mehr Plagiat denn Hommage an die BEATLES und endet zudem mit verkrampft-kreativem Nachspiel, "Fade In - Out" erlangt mit der Slidegitarre von Stargast Johnny Depp beinahe SIMPLE MINDS-Charakter, und Liam Gallagher will einfach nicht wahrhaben, daß "theatralisch" keinesfalls "authentisch" meint. Auf Selbstkopie steht bei Stadionrockern bekanntlicherweise noch immer keine Todesstrafe, Übermut wurde allerdings selbst in musikhistorischen Märchen bereits mehrfach gerächt.