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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Wu-Tang-Punk

O'Death

Im Interview mit Martin Büsser redet Drummer David über die Gemeinsamkeiten von Punk und Folk
Geschrieben am
Haben Punk und Folk deiner Meinung nach dieselben Wurzeln? Beides ist sehr demokratisch - Musik, die jeder ohne großen Aufwand spielen kann.
David: Folk und Punk kommen exakt aus derselben Ecke. Leider denken heute die meisten Leute, dass es sich dabei um zwei völlig unterschiedliche ästhetische Ansätze und Stile handelt. In den Plattenläden stehen Folk und Punk in unterschiedlichen Abteilungen - das nervt, denn solche Etiketten unterschlagen den stilistischen Reichtum der Musik. Aber ich bin sowieso nicht die richtige Person, mit der man sich über Genres unterhalten kann. In meinen Augen ist nämlich der Wu-Tang Clan die punkigste Musik der 1990er.
Warum war und ist New York so etwas wie die Hauptstadt des Folk? Und worin bestehen die wesentlichen Unterschiede zwischen der Folk-Szene in den 1960ern und heute?
D: New York ist ein Magnet, vor allem für Amerikaner wie mich, die es in der Provinz nicht mehr aushalten. Viele dieser Leute bringen ihre Musik mit in diese Stadt, dadurch kam es auch schon in den 1950ern und 1960ern zum Folk-Revival in New York. Interessant daran ist, dass die Leute ihre Roots-Musik in die Stadt mitbringen, wo sie sich dann vermischt und völlig neue Formen annimmt. Ansonsten spielt die Geografie meiner Meinung nach keine große Rolle für die Musik. Wenn jemand polynesische MusikThe Pogues; spielen will, muss er nur Bücher darüber lesen und kann das auf jedem Flecken der Erde tun. Was den Unterschied zu den 1960ern angeht: Die heutigen Folk-Songs sind kürzer als zu Dylans Zeiten. Das trifft auch für uns zu.

In eurer Musik kommen viele Einflüsse zusammen: der ganz frühe Folk (zum Beispiel die Folk-Anthologie, die Harry Smith zusammengestellt hat) und jüngere Band wie die Pogues oder Gun Club. Würdest du das auch als Einfluss nennen?
D: Klar, die Smith-Anthologie bedeutet uns was. Was uns überhaupt erst zu O'Death inspiriert hat, war die "American Primitive"-Serie, die John Fahey herausgegeben hatte. Die Arbeiten von Alan Lomax haben auch Spuren bei uns hinterlassen. Was die Pogues angeht: Dass sie irische Folkmusik mit Punk verbinden, hat mich nie interessiert - sie haben einfach großartige Songs gehabt, das ist das Einzige, was mich interessiert.
Könntest du dir vorstellen, auch asiatische oder afrikanische Folk-Elemente in eure Musik zu integrieren?

Na klar. Einige Songs auf "Head Home" haben bereits europäische Einflüsse. In Zukunft werden wir noch stärker mit afrikanischer und europäischer Folklore spielen. Und in unserem Gesangsstil findest du Elemente, die auf die Musik der amerikanischen Ureinwohner referiert.