×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

I Will Always Love You

Numbers & Kevin Blechdom

01.03. - Berlin, Ausland. "Better come early", wurden wir im Vorfeld vorgewarnt, denn der Club, das Ausland am Prenzlauer Berg, sei klein und mit vielen Leuten werde an diesem Abend gerechnet. Tigerbeat-6-Artists ziehen eben. Als wir um halb elf durch die Betonluke (okay, eigentlich ist es eine klei
Geschrieben am

01.03. - Berlin, Ausland. "Better come early", wurden wir im Vorfeld vorgewarnt, denn der Club, das Ausland am Prenzlauer Berg, sei klein und mit vielen Leuten werde an diesem Abend gerechnet. Tigerbeat-6-Artists ziehen eben. Als wir um halb elf durch die Betonluke (okay, eigentlich ist es eine kleine Treppe) in den kargen Raum unter einem Wohnhaus einsteigen, stellen wir erleichtert fest, dass es zwar schon voll ist, aber noch keiner der Acts angefangen hat. Dafür gibt es sympathische Szeneprominenz wie Jan Jelinek zu spotten, von der wir im Laufe des Abends noch ein paar mehr abzählen dürfen. Huihui, Berlin. Erstaunt stelle ich fest, dass DJ Christoph De Babalon der Typ ist, der mir am Nachmittag in einem ganz anderen Stadtteil in der U-Bahn aufgefallen ist, und dass es ihm offensichtlich Spaß macht, das Nervenkostüm der Anwesenden mit extrabösem Breakbeat-Noise-Gedresche zu zerfetzen. Dann betritt endlich Kevin Blechdom die Bühne, die eigentlich nur ein abgeteiltes Mini-Viereck auf der einen Seite des Raumes ist, und gibt ihre Version von Musical-beeinflusstem Laptop-Gitarren-Songwriting mit fies-lustigen Texten zum Besten.

Irgendwann stößt Safety Scissors mit dem grandiosesten Kleinbass ever für ein Duett hinzu, bei dem beide Unmengen von Sahne-Lachgas aus Luftballons einatmen, die ihnen von den inzwischen eingetroffenen Peaches und Angie Reed aus der ersten Reihe gereicht werden, um dann mit fistelnder Stimme zu singen. Was leider nicht so ganz hinhaut, aber trotzdem sehr charmant rüberkommt. Während der Numbers-Keyboarder schon mit undeutbaren Grimassen im Hintergrund in den Startlöchern scharrt, springt Kevin Blechdom für ein herzzerreißendes, gestenreiches Finale auf eine Box und schmettert ihre Version von "I Will Always Love You" in die Menge, und nicht nur Peaches, die am Lachgas-Ballon nuckelt, um dann "Zugabe" zu quietschen, ist hingerissen. Aber da kommen ja auch schon die drei Numbers aus San Francisco, die mit ihrem punktgenauen, knochentrocken rockenden No-Wave-Sound und den male/female Stakkato-Vocals den Mob so anschieben, dass ich mich ziemlich schnell in einem entfesselten Moshpit wiederfinde, der den Zustand "eingeklemmt sein" noch mal neu definiert.

Ich bin extrem beeindruckt von Indras tighter Performance an Schlagzeug und Mikro, die alles zusammenzuhalten bzw. zu steuern scheint, aber nach einem harten Knuffer auf den Kehlkopf tauche ich in Richtung Bar ab, wo auch Neuberliner Momus abhängt. (Und wohin ist eigentlich Alex von den Chicks On Speed verschwunden?) Nach zwei Zugaben legt der Numbers-Manager noch einen sehr geilen Cocktail aus 80er-Electro-HipHop auf, der sich stellenweise bis zum Getto Tech vorwagt und uns in eine booty shaking Detroiter Disco beamt. Als Babalon sich dann wieder hinter die Turntables klemmt und zu gewittern anfängt, ist ein guter Zeitpunkt zu gehen.