×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Nostalgie mit...

Midlake

Mit ihrem zutiefst schwermütigen Album "The Courage Of Others" stimmen Midlake eine Ode auf den Folkrock der Siebzigerjahre an.
Geschrieben am
Mit ihrem zutiefst schwermütigen Album "The Courage Of Others" stimmen Midlake eine Ode auf den Folkrock der Siebzigerjahre an. Ein Genre, das, so Intro-Autor Hanno Stecher, nicht ganz ohne Grund von sämtlichen Retrobewegungen der vergangenen Jahre unberührt geblieben ist.

Wer sich mit dieser Stilrichtung anlegt, bewegt sich auf einem verdammt schmalen Grat. Besonders, wenn man sich wie Midlake-Frontmann Tim Smith in Genrevertreter wie Fairport Convention, Pentangle oder Steeleye Span verliebt hat, für die mittelalterliche Elemente wie gezupfte Gitarren, Blockflöten und keltisch angehauchte Melodien eine wichtige Rolle spielten. Diesen Bands wurde nicht ohne Grund Weltfremdheit und eine rückwärtsgewandte Haltung unterstellt - was ihnen spätestens in den Achtzigern das Genick brach.

Genau dieser Aspekt des Eskapismus interessiert Smith, der die Songs von Midlake schreibt. Ihm geht es dabei vor allem um eine bestimmte Ästhetik der Siebziger: "Ich bin einfach jemand, der sich schon immer mehr für die Vergangenheit begeistern konnte als für die Gegenwart. Ich fühle mich wie in einer anderer Welt, wenn ich Filme oder Fotos aus dieser Zeit sehe. Das hat alles etwas sehr Romantisches, es kommt mir vor, als wäre da ein größerer Reichtum, mehr Bedeutung. Und das empfinde ich auch, wenn ich diese Musik höre."

Es grenzt an ein Wunder, dass Midlake mit der neuen Platte die Balance zwischen Gestern und Heute trotzdem gelungen ist, denn anders als ihre Antifolk-Kollegen lassen die Südstaatler aus Denton, Texas in ihrem Blick zurück nicht die leiseste Spur von Ironie, von Zweideutigkeit erkennen. Zu ihrem Glück treiben sie ihre Liebe zur Folklore aber nur in stilsicheren Dosen auf die Spitze, sodass man sogar Smiths pathetische Texte über Natur, Vergänglichkeit und den Kreis des Lebens gerne in Kauf nimmt. Wer also noch die richtige Platte sucht, um mit einer anständigen Portion Weltschmerz durch den restlichen Winter und in den neuen Frühling zu wandeln, der findet in "The Courage Of Others" einen verlässlichen Gefährten.